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Was ist der Bund-Future?

In den Finanznachrichten ist oft vom Bund Future die Rede, manchmal auch vom Euro Bund Future. Grundlage des Futures ist eine fiktive zehnjährige Bundesanleihe mit einem Kupon von 6,0 Prozent. Der Bund Future ist somit eine rein mathematische Konstruktion, aktuell gibt es kaum noch Bundesanleihen mit einer so hohen Verzinsung. Er dient vor allem dazu, die Erwartung der Anleger über die weitere Entwicklung der Zinsen abzubilden und ist Basis für zahlreiche Derivate.

 

Bund Future in Stichpunkten

  • Future auf fiktive Bundesanleihe
  • Laufzeit zehn Jahre
  • Bildet Zinserwartung ab
  • Zinskupon 6,0 Prozent
  • Nur für institutionelle Anleger
  • Basis für Derivate
  • Derivate auch für Privatanleger
Bundeskanzleramt

Bundesanleihen sind aktuell sehr niedrig verzinst. Das spiegelt sich auch im Bund Future. Im Bild das Bundeskanzleramt. Quelle: Bundesregierung; Fotograf: Kühler, Bernd

Das sagt der Bund Future aus

strategieEigentlich heißt der Bund Future mittlerweile offiziell Euro Bund Future. Oft ist auch noch die Abkürzung FGBL mit angegeben, sie steht für Federal Government Bond Liabilities. Der Bund Future gibt den Wert eines Terminkontrakts auf eine fiktive zehnjährige Bundesanleihe mit einem Zinskupon von 6,0 Prozent an. Vereinfacht gesagt entspricht sein Wert dem Kurs, den die Investoren für eine solche Anleihe am Fälligkeitstag erwarten.

Fiktiv ist die Anleihe deshalb, weil es nicht immer ein Papier mit zehn Jahren Laufzeit und 6,0 Prozent Verzinsung gibt. Aktuell liegt der Zinskupon von Bundesanleihen mit einer Restlaufzeit von rund zehn Jahren oft bei weniger als 1,0 Prozent. Für die Vergleichbarkeit ist ein einheitlicher Zins allerdings wichtig, der Wert einer Bundesanleihe mit einem Kupon von 5,0 Prozent lässt sich schließlich nicht mit dem einer Anleihe mit 0,5 Prozent Verzinsung vergleichen.

Angegeben wird der Wert des Bund Future in Prozent. Bei einem Wert von 150 würden Anleger also das 1,5fache des Basiswertes bezahlen, für Bundesanleihen mit einem Nennwert von 100.000 Euro also 150.000 Euro. Das bedeutet, dass in zehn Jahren mit 150.000 Euro Einsatz gerade einmal 10.000 Euro verdient wurden. Denn die Anleihe bringt jährlich 6,0 Prozent Zinsen auf den Nennwert. Das sind 60.000 Euro in zehn Jahren, einen Zinseszinseffekt gibt es bei Anleihen nicht, weil die Zinsen jährlich ausgeschüttet werden. Zusätzlich wird am Ende der Laufzeit der Nennwert von 100.000 Euro zurückgezahlt, so dass man für 150.000 Investition 160.000 Euro zurück erhält.

Lieferzeitpunkte für die (fiktive) Anleihe sind jeweils der 10. März, der 10. Juni, der 10. September und der 10. Dezember. Weil die maximale Laufzeit neun Monate beträgt, gibt es also jeweils drei verschiedene Euro Bund Futures, deren Kurse je nach Lieferzeitpunkt unterschiedlich hoch sind. Wird nur ein Wert angegeben, ist damit im Regelfall der Future mit dem nächstgelegenen Lieferzeitpunkt gemeint, am 1. Juni beispielsweise der am 10. Juni fällige.

Bund Future

Im Mai 2015 lag der Kurs des Euro Bund Future mit vier Monaten Restlaufzeit niedriger als derjenige der Futures mit einem oder sieben Monaten Restlaufzeit. Offenbar erwarten die Investoren einen kurzzeitigen Zinsanstieg, der aber nicht von Dauer sein wird. Datenquelle: EUREX

Der Bund Future dient Marktbeobachtern vor allem dazu, die Erwartung über die weitere Zinsentwicklung zu analysieren. Denn der Lieferzeitpunkt liegt bis zu neun Monate in der Zukunft, erst dann werden die Anleihen fällig. Der Wert des Bund Future spiegelt deshalb wider, welchen Kurs der fiktiven Anleihe die Investoren beim Lieferzeitpunkt erwarten. Ist ein Future mit neun Monaten Restlaufzeit billiger als eines mit drei Monaten, erwarten die Investoren mittelfristig fallende Kurse. Daher ist der Bund Future auch Basis zahlreicher Derivate, beispielsweise von Optionsscheinen. Heute ist der Bund Future einer der am meisten gehandelten Terminkontrakte der Welt.

Der Bund Future gibt den Wert einer fiktiven zehnjährigen Bundesanleihe mit einem Kupon von 6,0 Prozent an.

Wie wird der Wert des Bund Future bestimmt?

usabilityDer Wert wird nicht durch eine Umfrage oder aus volkswirtschaftlichen Daten ermittelt, sondern an der Börse durch Angebot und Nachfrage. Der Handel mit einer fiktiven Anleihe ist natürlich schwierig. Deshalb haben sich die Erfinder des Bund Future einige besondere Regelungen einfallen lassen.

So erhält der Käufer je Future am Ausübungstag Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren im Wert von 100.000 Euro. Haben die gelieferten Anleihen einen Zinskupon von 6,0 Prozent, zahlt er für die Papiere den Nominalwert des Kontrakts von 100.000 Euro multipliziert mit dem Wert des Euro Future. Liegt dieser bei 150 Prozent also 150.000 Euro.

Zusätzlich muss, wie beim Kauf von Anleihen üblich, noch ein Abschlag auf die seit dem letzten Zinstermin angelaufenen Zinsen gezahlt werden. Denn die Zinsen werden bei Anleihen zu festen Terminen gezahlt. Hat der alte Eigentümer die Anleihe seit dem letzten Zinstermin bereits ein halbes Jahr gehalten, würde er ansonsten für diesen Zeitraum leer ausgehen, daher erhält er eine Beteiligung an den erwarteten Zinsen. Im Gegenzug erhält der neue Anleiheninhaber später Zinsen für ein ganzes Jahr, obwohl er die Anleihen nur ein halbes Jahr gehalten hat.

Im Regelfall haben die Anleihen allerdings einen anderen Zinssatz als die 6,0 Prozent des fiktiven Papiers, aktuell einen deutlich niedrigeren. Daher wird die Zahlung noch auf einen fiktiven Zinssatz von 6,0 Prozent umgerechnet. Dafür wird von der Terminbörse EUREX für alle zugelassenen Wertpapiere ein Konvertierungsfaktor festgelegt. Dieser gibt an, wie viel das Wertpapier kosten dürfte, damit die Rendite der einer Anleihe mit 6,0 Prozent Zinsen entspricht. Bei niedrigen Zinsen liegt dieser Faktor also unter 1,0, der Käufer muss also weniger bezahlen.

Um eine Anleihe mit einem Zinssatz von 6,0 Prozent zu simulieren, wird ein Konvertierungsfaktor gebildet.

Derivate auf den Bund Future handeln

Kontakt_serviceDer Euro Bund Future wendet sich ausschließlich an institutionelle Anleger, daher auch der hohe Nominalwert eines Kontrakts von früher 250.000 DM und heute 100.000 Euro. Allerdings gibt es zahlreiche Derivate, die auch von Privatanlagern gehandelt werden können, beispielsweise Differenzkontrakte (CFDs).

Steigende Zinsen bedeuten einen fallenden Bund Future und umgekehrt. Denn je höher die Zinsen, desto weniger sind Anleger bereit für eine Anleihe mit 6,0 Prozent zu zahlen. Würden die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen beispielsweise auf 7,0 Prozent steigen, wäre niemand mehr an Anleihen mit 6,0 Prozent Zinsen interessiert, wenn deren Rendite nicht ebenfalls auf 7,0 Prozent steigt. Der Kurs müsste daher unter 100 Prozent fallen.

Spannend sind deshalb Sitzungen der Europäischen Zentralbank, von deren Entscheidungen die Zinsen für Staatsanleihen im Euroraum wesentlich abhängen. Würde dort eine Zinserhöhung verkündet, würde das den Kurs des Euro Bund Future drücken. Zinssenkungen sorgen dagegen eher für Kurssteigerungen.

Eine Zeitlang wurde ein Höchstkurs von 160 Prozent diskutiert. Vernachlässigt man die Tatsache, dass die erhaltenen Zinsen anderweitig angelegt werden könnten und es somit doch einen Zinseszinseffekt gibt, dann macht der Anleger ab einem Preis von über 160 Prozent Verluste, denn er zahlt mehr für die Anleihe als er in Form von Zinsen und der Rückzahlung wieder erhält. Lange wurde der Höchstkurs sogar bei 147 Prozent gesehen, weil man davon ausging, dass Anleger nicht für weniger als 1,0 Prozent Geld langfristig verleihen würden. Allerdings wurde der Wert von 147 bereits im Juli 2014 überschritten und auch negative Zinsen sind bei Staatsanleihen längst Realität. Im April 2015 wurde daher sogar der theoretische Höchststand von 160 Punkten genommen.

Fazit

Der Bund Future gibt an, wo die Investoren den Kurs einer fiktiven zehnjährigen Bundesanleihe mit einem Zinskupon von 6,0 Prozent zu einem bestimmten Zeitpunkt sehen. Dieser Zeitpunkt kann maximal neun Monate in der Zukunft liegen. Als Spekulationsobjekt für Kleinanleger ist aufgrund der Kontraktgröße von 100.000 Euro weniger der Bund Future selbst geeignet, als vielmehr Derivate mit ihm als Basiswert, beispielsweise CFDs oder Optionen. Allerdings ist das Risiko meist hoch.

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