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WAS SIND ANLEIHEN – FÜR DIESE ANLEGER SIND SIE GEEIGNET

Dank der Schuldenkrise weiß mittlerweile fast jeder, dass Anleihen fest verzinsliche Wertpapiere sind, eine Art handelbarer Kredit. Nicht allen ist aber klar, dass nicht nur Staaten und Banken solche Anleihen herausgeben, sondern auch viel Unternehmen.

Was sind Anleihen?

Nicht nur Banken, Unternehmen und Staaten geben Anleihen heraus, sondern auch Städte und Gemeinden, die sogenannten Kommunalobligationen. Auch die Freie und Hansestadt leiht sich auf diese Art Geld. Foto: Flickr @ Metro Centric

Das muss man zu Anleihen wissen

  • Verzinsliche Wertpapiere
  • Von Unternehmen, Banken oder öffentlichen Einrichtungen
  • Meist feste Zinsen
  • Teilweise mit Optionsrecht
  • Auch Obligationen genannt

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Was sind Anleihen?

Der wichtigste Unterschied zwischen Aktien und Anleihen ist, dass letztere Fremdkapital sind, also Schulden. Aktien repräsentieren dagegen einen Anteil am Eigenkapital. Das ist vor allem bei der Insolvenz des Unternehmens wichtig, dann werden die Ansprüche von Anleihengläubigern vor denen von Aktionären behandelt. Dafür haben Anleihenbesitzer kein Mitspracherecht auf der Hauptversammlung.

Im Unterschied zu Aktien haben Anleihen einen festen Nennwert, beispielsweise 100 Euro. Am Ende der Laufzeit wird dieser zurückgezahlt. Wer die Anleihe bis zum Ende hält und zum Nennwert gekauft hat, der hat also weder Kursgewinne noch -verluste, sofern der Herausgeber nicht zahlungsunfähig wird. Es gibt auch Anleihen mit unendlicher Laufzeit, diese haben aber meistens ein Kündigungsrecht des Emittenten. Macht er davon Gebrauch, muss ebenfalls der Nennwert zurückgezahlt werden.

Statt durch Kursgewinne und Dividenden profieren Anleger von einem Zins. Der kann entweder

  • fest,
  • variabel,
  • oder Null sein.

Im letzten Fall, bei sogenannten Nullkuponanleihen, wird das Papier im Regelfall unter dem Nennwert verkauft, der Anleger macht also einen garantierten Kursgewinn. Variable Zinsen sind oft entweder am Unternehmensgewinn oder an einem Leitzins festgemacht.Vor allem bei Staats- und Unternehmensanleihen sind aber feste Zinsen der Normalfall.

Der wichtigste Unterschied ist, dass Aktien Eigen- und Anleihen Fremdkapital sind. In der Praxis kommt noch hinzu, dass Anleihen meistens einen festen Zinssatz haben und zu einem festen Zeitpunkt zurückgezahlt werden.

Staaten, Unternehmen oder Banken?

Staatsanleihen von Industriestaaten wie den USA, Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten als besonders sicher, sie sind deshalb meist niedriger verzinst. In Deutschland gilt das auch für die Anleihen von Ländern und Kommunen, zumal bei der Pleite einer Stadt das Land einspringt. Das gilt allerdings nicht für alle Länder, in anderen Nationen können Gemeinden durchaus zahlungsunfähig werden. Auch Banken gelten aufgrund der Regulierung als zuverlässig, vereinfacht gesagt sind Anleihen von Staaten deshalb besonders niedrig verzinsten, solche von Banken etwas höher und die von Unternehmen am höchsten.

Infografik: Zinssatz von Staatsanleihen | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Das sind natürlich nur Durchschnitte, die Anleihe eines soliden Unternehmens wie BMW gilt als sicherer als die eines hoch verschuldeten Staates wie Griechenland – und damit auch niedriger verzinst, von Ländern wie Argentinien oder .

Anleihen von Staaten gelten oft als besonders sicher, aber natürlich kann das im Einzelfall ganz anders aussehen.

Besondere Anleihen

Einige Anleihentypen versuchen die Vorteile von Anleihen und Aktien zu kombinieren. Wandelanleihen geben den Gläubigern beispielsweise das Recht, sie am Ende der Laufzeit in einem festgelegten Verhältnis gegen Aktien zu tauschen. Damit haben Anleger die Chance auf Kursgewinne, wenngleich diese meistens geringer ausfallen als bei einer Investition in Aktien.

Ein Beispiel: Die Wandelanleihe eines Unternehmens wird für 100 Euro verkauft und bietet einen Zinssatz von 2,0 Prozent. Alternativ kann der Gläubiger am Laufzeitende auch zehn Aktien verlangen. Aktuell liegt der Aktienkurs bei 8,00 Euro. Solange der Kurs fällt oder nicht auf oder über 10,00 Euro steigt, ist für den Gläubiger eine Barauszahlung attraktiver. Bei einem Kurs von mehr als 10,00 Euro ist dagegen die Wandlung in Aktien günstiger. Liegt der Kurs beispielsweise bei 11,00 Euro, dann hat der Anleger neben den Zinsen von 2,0 Prozent noch einen Kursgewinn von zehn Euro, da die zehn Aktien 110 Euro wert sind, während der Nennwert bei nur 100 Euro liegt. Im Vergleich zu einer Anlage in Aktien ist die Rendite in diesem Fall aber schlechter, da die Anleihen quasi zum Preis von 10,00 Euro je Stück gekauft wurden.

Grundsätzlich sind Wandelanleihen wegen der Chance auf einen Kursgewinn niedriger verzinst als reguläre Anleihen. Umgekehrt verhält es sich mit nachrangigen Anleihen oder Wandelanleihen, bei denen der Schuldner von der Wandlung profitiert. Nachrangige Anleihen werden im Fall einer Insolvenz erst bedient, wenn die übrigen Gläubiger ausgezahlt sind. Contingent Convertible Bonds, meist als CoCo-Bonds abgekürzt, werden automatisch in Aktien gewandelt, wenn das Eigenkapital einen festgelegten Wert unterschreitet, also dann, wenn der Kurs sehr niedrig ist. Sie werden vor allem von Banken herausgegeben, damit bei einer Krise der Staat nicht haften muss. Stattdessen werden Schulden in Aktien umgewandelt und die Eigenkapitalquote damit erhöht. Weil der Gläubiger hier ein zusätzliches Risiko hat, sind sie besser verzinst als reguläre Anleihen.

Viele Wandelanleihen bieten die Chance auf eine Beteiligung an der Wertsteigerung auf dem Aktienmarkt. Allerdings gibt es auch solche, bei denen nicht der Gläubiger das Wandlungsrecht hat, sondern Aktien automatisch beim Unterschreiten einer definierten Eigenkapitalquote erhält.

Wovon ist die Höhe des Zinses noch abhängig?

Außer von der Sicherheit der Anleihe ist der Zinssatz noch von einer Reihe anderer Kriterien abhängig. Aber auch die Rahmenbedingungen spielen eine Rolle. Sind die Zinsen allgemein niedrig, dann können sich auch Unternehmen mit geringer Bonität für niedrige Zinsen Geld leihen. Besonders wichtig ist das Zinsniveau im eigenen Währungsraum, denn viele Anleger scheuen davor zurück in anderen Währungen Geld anzulegen. Damit machen sie sich nämlich von Kursschwankungen an den Devisenmärkte abhängig.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Laufzeit. Sind die Zinsen niedrig, werden Anleihen mit langer Laufzeit meist höher verzinst. Denn die Gläubiger rechnen mit einem Zinsanstieg und sind daran interessiert, sich die niedrigen Zinsen möglichst lange zu sichern. In Hochzinsphasen sind die langfristigen Zinsen dagegen meist niedriger, denn jetzt wollen viele Anleger langfristig ihr Geld anlegen, aber nur wenige Unternehmen und Staaten sich langfristig Kapital leihen.

Der Zinssatz ist außer von der Sicherheit einer Anleihe auch vom allgemeinen Zinsniveau und der Laufzeit abhängig.

Wie berechne ich die Rendite meiner Anleihe?

Der auf dem Kupon vermerkte Zinssatz ist nicht unbedingt gleich der tatsächlichen jährlichen Verzinsung. Am einfachsten sieht man das bei den Nullkuponanleihen, deren Gewinn sich ausschließlich aus dem Kaufpreis unterhalb des Nennwertes ergibt. Auch reguläre Anleihen werden aber nicht zwingend zum Nennwert herausgegeben. In Niedrigzinsphasen kosten beispielsweise ältere Wertpapiere mit noch hohen Zinsen mehr als den Nennwert. Eine Anleihe mit einem Zinskupon von 4,5 Prozent und einer Restlaufzeit von einem Jahr bringt bei einem Kaufpreis von 104 Euro und einem Nennwert von 100 Euro nicht einmal eine Rendite von 0,5 Prozent. Denn die Anleihe kostet 104 Euro, am Ende erhält der Käufer aber nur den Nennwert von 100 Euro plus 4,50 Euro Zinsen zurück. Der Gewinn beträgt also bei einem Kapitaleinsatz von 104 Euro nur 50 Cent.

Nicht nur die Höhe der Zinszahlung ist entscheidend bei der Renditeberechnung, sondern auch der Preis im Vergleich zum Nennwert.

Wie kaufe und verkaufe ich Anleihen?

Anleihen kauft man am einfachsten über die Börse. Viele Broker bieten sogar eine Suchfunktion, mit der sich Wertpapiere nach der tatsächlichen Rendite sortieren lassen, also unter Berücksichtigung des Kaufpreises. Allerdings sollten Anleger sich darüber im Klaren sein, dass es höhere Renditen nur im Ausgleich für höhere Risiken gibt.

Solange Anleihen bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden und der Schuldner nicht insolvent wird, sind sie im Vergleich zu Aktien eine relativ sichere Sache. Wer aber vorher verkaufen will, der sollte nicht vergessen, dass es auch bei Anleihen Kursschwankungen gibt. Steigt der Zinssatz, dann werden niedriger verzinste alte Anleihen weniger wert, da sie nicht mehr attraktiv sind.

Wer sich nicht zu sehr mit der Auswahl der richtigen Papiere beschäftigen möchte, für den sind Rentenfonds eine Alternative. Neben aktiv gemanagten Fonds gibt es mittlerweile auch passive ETFs.

Anleihen kauft man am besten über die Börse

Fazit

Anleihen sind eine gute Ergänzung zu Aktien für das Depot. Sie sind weniger sicher als ein Bankguthaben, aber sicherer als Aktien. Dafür ist aber auch die Chance begrenzt. Ein Mittelweg kann der Kauf von Wandelanleihen sein, die zusätzlich zum Zins noch die Chance auf einen Kursgewinn bieten.

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