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Waldinvestment als Alternative in Niedrigzinszeiten?

Die Zinsen sind niedrig, die Börsenkurse hoch, da kommen Angebote gerade recht, die hohe Zinsen für die Investition in Wald versprechen. Vor allem wenn sie auch noch einen weitreichenden Schutz vor Inflation bieten. Handelsblatt-Reporter Massimo Bognanni antwortete kürzlich auf die Frage, wie er 10.000 Euro investieren würde, mit „in ein Stück Wald". Doch dabei schwebt ihm eher ein eigener Wald als ein Anteil an einem Waldinvestment vor. Denn die Waldfonds haben auch einige Risiken.

Waldinvestment als Anlagealternative

  • Als Fonds oder Direktinvestment
  • Investition in Sachwert
  • Steigende Nachfrage nach Holz
  • Risiko durch Waldbrände etc.
  • Politisches Risiko

Fonds oder Direktinvestment?

Die Funktionsweise von Holzinvestments ist ganz einfach. Es werden Bäume gepflanzt und gepflegt und später gefällt. Aus den Erlösen durch den Verkauf des Holzes sollen die Kosten gedeckt und außerdem ein Gewinn erwirtschaftet werden.

Verbreitet sind dabei vor allem zwei Modelle. Beim Direktinvestment erwirbt der Käufer ein Stück Land und die darauf gepflanzten Bäume. Ihm gehört dann beispielsweise ein Hektar Teakwald in Costa Rica. Mit dem Anbieter des Holzinvestments wird ein Bewirtschaftungsvertrag geschlossen, dieser übernimmt die Pflege des Waldes, die Verwaltung des Investments und später das Abholzen und den Verkauf der Bäume, dafür erhält er eine meist jährliche Gebühr.

Die Alternative zu diesem Modell sind geschlossene Fonds. Dabei wird Geld für eine Plantage bei Anlegern eingesammelt. Ist der benötigte Betrag erreicht, wird der Fonds geschlossen und von dem Geld werden Land gekauft oder gepachtet und Bäume angepflanzt, die allen Fondsbesitzern gemeinsam gehört. Den Erlös aus dem Verkauf der Bäume erhalten die Fondsbesitzer entsprechend ihres Anteils, am Ende der Laufzeit wird der Fonds aufgelöst, der Ertrag ebenfalls unter den Anteilseignern verteilt.

Neben diesen beiden klassischen Modellen gibt es aber auch offene Fonds, bei denen sich ständig Geld ein- und auszahlen lässt. Bisher sind solche Angebote aber selten, denn anders als bei einem Aktienfonds kann die Fondgesellschaft nicht einfach einen Teil ihres Besitzes verkaufen, um Anleger auszubezahlen.

Klassischerweise sind Holzinvestments als geschlossene Fonds gestaltet oder der Investor erwirbt direkt ein Stück Land, dessen Bewirtschaftung die Investmentgesellschaft gegen eine Gebühr übernimmt.

Vorteile von Waldinvestments

Waldinvestments werden gerne damit beworben, dass es sich dabei um Sachwert handelt, ähnlich wie bei Immobilien oder Schiffsfonds. Das bietet Schutz gegen Inflation, denn wenn die Preise steigen, dann vermutlich auch die für Holz. Damit steigt auch der Wert des Investments. Außerdem besitzt der Anleger bei einem Waldinvestment Bäume und damit einen realen Wert. Tatsächlich ist die Gefahr wertlos zu werden dabei meist geringer als bei Unternehmen, die oft Kredite aufgenommen haben und erst recht als bei Derivaten.

Auch die Preisentwicklung bei Hölzern war zuletzt gut. Die weltweite Nachfrage nach Holz steigt, gleichzeitig sinkt die Zahl der Waldflächen. Weil viele ehemalige Urwälder längst gerodet sind, sinkt das Angebot an Hölzern. Doch der Bedarf an Holz bleibt hoch, nicht nur weil der Rohstoff in Europa als ökologischer als Plastik gilt, sondern auch weil die Weltbevölkerung steigt – und vor allem in Asien auch der Wohlstand und damit die Nachfrage nach hochwertigeren Möbeln.

Zusätzlich werben viele Unternehmen mit einer ökologischen und teilweise auch einer sozialen Komponente. Durch das Waldinvestment sollen gerodete Flächen wieder aufgeforstet werden. Außerdem sinkt die Bereitschaft, die verbleibenden Urwälder zu roden, wenn als Alternative Hölzer aus Plantagen zur Verfügung stehen. Schließlich soll auch die Bevölkerung vor Ort profitieren. Oft sind die Holzplantagen in Südamerika, Asien oder Afrika beheimatet, wo die Armut hoch ist und gute bezahlte Arbeitsplätze eine Seltenheit sind.

  • Hohe Nachfrage nach Holz
  • Sachinvestment
  • Ökologische und soziale Vorteile

Nachteile und Risiken von Holzinvestments

Weder die hohen Renditen noch günstige soziale Auswirkungen sind aber garantiert. Ein Waldbrand oder eine Überschwemmung können eine Plantage vollständig vernichten. Noch größer ist das Risiko beim Direktinvestment, wer nur fünf Bäume besitzt, bei dem ist das Risiko eines Totalverlustes besonders hoch. Bei einem Fonds verteilt sich das Risiko dagegen auf mehrere Schultern, sofern nicht die gesamte Plantage zerstört wird.

Weil der Großteil der Waldinvestments außerhalb der EU investiert, ist auch das politische Risiko nicht zu unterschätzen. Denkbar ist, dass Waldgrundstücke verstaatlicht werden oder die Verwaltung des Investments unter Korruption leidet. In einigen Gegenden sind auch Bürgerkriege oder Holzdiebstahl eine Gefahr für die Plantage.

Hier sollen soziale und ökologische Standards helfen, denn wenn die Plantagen akzeptiert sind und den Rückhalt der Bevölkerung genießen, dann werden Enteignungen oder Sachbeschädigungen zwar nicht unmöglich, aber doch seltener. Doch die Holzinvestements sind auch umstritten, beispielsweise wenn Urwälder gerodet werden um Teakholz anzupflanzen oder wenn die Plantagen die lokale Landwirtschaft verdrängen.

Auch eine weitere Preissteigerung von Holz ist keineswegs garantiert. Nicht nur, weil zuletzt verstärkt Plantagen angelegt wurden, sondern auch weil neue Moden oder Techniken die Nachfrage drosseln können. Weil viele Anbieter hohe Preissteigerungen in ihren Modellen unterstellen, würde schon ein niedrigerer Anstieg viele versprochenen Renditen unrealistische werden lassen. Immerhin wird über einen sehr langen Zeitraum investiert, meist 25 Jahre oder mehr.

Die lange Laufzeit ist auch von Nachteil, wenn das Kapital vorher anderweitig benötigt wird. Denn Anteile an geschlossenen Fonds oder Waldgrundstücke lassen sich nur schwer und oft mit einem deutlichen Abschlag verkaufen. Ohnehin sind die Verwaltungskosten hoch und nur schwer vergleichbar.

Das sind die Nachteile:

  • Zerstörung der Plantage, z.B. durch Waldbrand
  • Politische Risiken
  • Hohe Kosten
  • Lange Laufzeit
  • Risiko sinkender Preise

Worauf Anleger achten sollten

Anleger sollten sich zunächst die Frage stellen, ob sie ein Direktinvestment oder den Anteil an einem Fonds bevorzugen. Wer flexibel bleiben will, der muss zu einem offenen Fonds greifen. Davon gibt es aber bisher nur wenige.

Auch die Rahmenbedingungen sollten genau unter die Lupe genommen werden. So kritisierte die Stiftung Warentest den Anbieter Life Forestry dafür, dass Anleger dort kein Recht am Grund erwerben und ein Teil des Geldes an eine Stiftung in Liechtenstein fließt.

Soziale und ökologische Richtlinien müssen ebenfalls hinterfragt werden. Wurde für die Plantage Urwald gerodet oder wurden Kleinbauern vertrieben? Kann das Unternehmen Zertifikate vorweisen und wenn ja, sind diese glaubwürdig? Und natürlich stellt sich auch die Frage, wie vertrauenswürdig das Land ist, in dem sich die Bäume befinden. Einige Anbieter bieten auch Waldfonds, die in Deutschland oder anderen EU-Ländern investieren.

Die Kosten lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen nur schwer vergleichen, trotzdem sollten Anleger beim Vergleich sie nicht ganz außen vor lassen.

Anleger müssen den Anbieter genau unter die Lupe nehmen. Dabei helfen Zertifikate, die aber ebenfalls hinterfragt werden müssen.
Aktie Bild

Auch die gute alte Aktie ist ein Stück weit ein Sachinvestment, den dem Unternehmen gehören meist Maschinen, Patente und Grundstücke. Foto: Flickr @ Gipsmuseum Walkenried

Alternativen

Wer die Muse hat, der kann sich natürlich ein Stück Wald im Nachbarort kaufen und selbst bewirtschaften oder zumindest dessen Verwaltung selbst übernehmen. Daneben bieten geschlossene Fonds eine Vielzahl von Sachinvestments, beispielsweise den Kauf von Immobilien, Schiffen, Lokomotiven oder Windkraftanlagen.

Aber auch die Aktie ist letztendlich ein Sachinvestment, vor allem wenn man zu traditionellen, etablierten Titeln greift. Diese besitzen oft zahlreiche Maschinen, Patente und Grundstücke. Neue Unternehmen wie Facebook bieten weniger Sicherheit. Nicht nur, dass das Unternehmen wenige Sachwerte besitzt, sondern sein größter „Besitz" die Nutzer sind, die jederzeit abwandern können. In hohem Maße sind im Aktienkurs auch schon steigende Gewinne eingepreist, die natürlich erst recht unsicher sind. Dafür sind aber auch die Chancen höher.

Anleihen und Bankguthaben können dagegen einen Vorteil von Sachinvestments nicht bieten, nämlich die Inflationssicherheit. Steigen die Preise, werden auch Aktien und Immobilien mehr wert, eine klassische Anleihe wird aber zum Nennwert zurückgezahlt, Options– oder Wandelanleihen können hier aber die Lücke schließen.

Auch Aktien sind letzten Endes ein Sachinvestment, denn wer eine Aktie kauft, der erwirbt einen Anteil an einem Unternehmen.

Fazit

Waldinvestments versprechen hohe Renditen bei weitgehendem Inflationsschutz, aber risikoarm sind sie nicht. Waldbrände, Überschwemmungen oder politische Krisen können schnell einen Totalverlust bedeuten. Den versprochenen ökologischen und sozialen Zusatznutzen bieten nicht alle Investmentgesellschaften, eine sorgfältige Auswahl ist deshalb wichtig.

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