Lufthansa-Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket zu

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 12.06.2020


Die Lufthansa steckt in Folge der Corona-Pandemie schon seit Monaten in der Krise. Vor einigen Wochen bat das Unternehmen die Bundesregierung um Hilfe. Nach der Unternehmensführung der Lufthansa hat nun auch der Aufsichtsrat dem mit der Bundesregierung ausgehandelten Rettungspaket zugestimmt. Damit wurde auch akzeptiert, dass die Airline Start- und Landerechte, sogenannte Slots, abgibt. Dies war eine der Forderungen der EU-Kommission.

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Intensive Diskussionen im Aufsichtsrat

Laut dem Aufsichtsratsvorsitzenden Karl-Ludwig Kley ging der Entscheidung eine intensive Diskussion voraus. Der Aufsichtsrat zeigte sich zuvor besorgt, dass hohe Auflagen der EU-Kommission ein Nachteil für die Drehkreuzfunktion an den beiden Heimatflughäfen in Frankfurt am Main und München darstellen könnten. Nun müssen dem Hilfspaket der Bundesregierung noch die Lufthansa-Aktionäre zustimmen. Dazu ist für den 25. Juni eine außerordentliche Hauptversammlung geplant. Kley rät den Aktionären, den nun auch vom Aufsichtsrat eingeschlagenen Weg mitzugehen.

Lufthansa-Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket zu

Die letzten Wochen waren für die Lufthansa ebenso wie für andere Airlines sehr schwierig. Nach Beginn der Corona-Pandemie blieb ein Großteil aller Flugzeuge am Boden. Die Lufthansa musste daher hohe Umsatzrückgänge in Kauf nehmen. Die Airline bat die Bundesregierung daraufhin um Hilfe. In der letzten Woche einigten sich beide Seiten auf ein Hilfspaket in Höhe von neun Milliarden Euro.

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Unterstützung durch KfW und WSF

Drei Milliarden Euro werden der Lufthansa als KfW-Kredit zur Verfügung gestellt. Sechs Milliarden Euro kommen aus dem neu aufgelegten Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) der Bundesregierung. Dieser soll die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abfedern. Über eine Kapitalerhöhung soll der Fonds Aktien zeichnen. Das Ziel ist es, der Fonds so mit 20 Prozent am Grundkapital der Lufthansa beteiligt sein wird. Diese Beteiligung war in den letzten Wochen durchaus umstritten, insbesondere mit dem Hintergrund, dass die Lufthansa erst seit 1997 vollständig privatisiert ist. Noch bis 1963 war die Airline fast komplett im staatlichen Besitz.

Auch der Aufsichtsrat äußerte zunächst Bedenken gegenüber dem Rettungspaket, insbesondere mit Blick auf die Auflagen der EU-Kommission. Diese muss dem Hilfspaket letztendlich ebenfalls zustimmen. Die Einigung sieht nun vor, dass die Airlines 24 Start- und Landerechte an den Heimatflughäfen Frankfurt am Main und München an Mitbewerber abgeben muss. Ein Mitbewerber kann dabei bis zu vier Flugzeuge stationieren. Diese Regelung gilt für neue Wettbewerber in den nächsten eineinhalb Jahren an beiden Flughäfen. Die EU-Kommission forderte ursprünglich, dass die Lufthansa 20 ihrer Flugzeuge abgibt. Der Gegenvorschlag der Airline waren jedoch nur drei Jets. Dies lehnte die EU-Kommission ab. Letztlich sicherte die Bundesregierung zu, den Wettbewerb zu schützen.

Lufthansa-Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket zu

Chancen für Ryanair und Easyjet

Kann jedoch kein neuer Wettbewerber die Option nutzen, so können auch bereits bekannte Wettbewerber die Chance ergreifen. Ist dies der Fall, kommt es zu einem Bieterverfahren. Voraussetzung ist, dass es sich um europäische Airlines handelt, die im Zuge der Corona-Krise keine staatlichen Hilfen in Anspruch nehmen mussten.

Dies könnte beispielsweise auf die irische Airline Ryanair zugreifen. Das Unternehmen musste bislang keine finanzielle Hilfe beantragen und hat dies auch nicht vor. Zudem wurde die Beteiligung der Bundesregierung an Lufthansa von Ryanair mit deutlichen Worten kritisiert. Ryanair ist bisher in Frankfurt am Main präsent, nicht aber in München. Auch Easyjet hat eine Chance auf die freigewordenen Slots, da die Airline derzeit nur in München, nicht aber in Frankfurt am Main, vertreten ist.

Slots gelten in der Luftfahrtbranche als sehr wertvoll. Je höher die Anzahl, umso größer die Marktmacht. Daher befürchtet die EU-Kommission, dass staatliche Hilfen für Airlines dem Wettbewerb schaden könnten. EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager befürchtet, dass dies am Ende höhere Preise für Flugtickets bedeuten könnte und damit zulasten der Passagiere geht.

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Harte Folge der Corona-Pandemie für die Luftfahrtbranche

Die Corona-Pandemie trifft die gesamte Luftfahrtbranche und den Tourismus hart. Zu Lockdowns und Reisewarnungen kommen nun auch finanzielle und wirtschaftliche Sorgen hinzu – bei Unternehmen wie bei Verbrauchern. Nachdem in den letzten Wochen fast nur noch Frachtflüge durchgeführt wurden, könnten allein bei der Lufthansa nun mehrere Zehntausend Jobs bedroht sein. Derzeit hat die Lufthansa rund 138.000 Beschäftigte. Viele davon waren in den letzten Wochen bereits von Kurzarbeit betroffen.

Bei der Lufthansa befürchtet man, dass erst in einigen Jahren wieder ein ähnlich erfolgreiches Niveau wie vor der Krise erreicht wird. Carsten Spohr ist daher der Ansicht, dass sein Unternehmen Kapazitäten anpassen und damit auch sein Angebot verkleinern muss. Damit dies auf einem sozialverträglichen Weg gelingt, sind Gespräche mit den Tarif- und Sozialpartnern sowie Gewerkschaften wie ver.di und UFO geplant.

Lufthansa-Aufsichtsrat

Wirtschaftsministerium und Anleger zufrieden

Das Wirtschaftsministerium zeigt sich durchaus zufrieden mit der jüngsten Einigung, insbesondere, da die Verhandlungen mit der EU wohl schwierig waren. Die Einigung ist jedoch für die Verantwortlichen in Berlin nur ein Zwischenschritt. Eine endgültige Einigung kann erst auf der Hauptversammlung zustande kommen. Bundesregierung und EU-Kommission müssen dem Rettungspaket letztendlich zustimmen.

An der Börse zeigten sich Anleger erleichtert, dass es zu einer Einigung zwischen der Lufthansa und der Bundesregierung kam. Analysten sind jedoch teilweise skeptisch und senkten ihre Einschätzungen und Kursziele für die Lufthansa-Aktie. Womöglich kann die Aktie der Airline ihre bislang überdurchschnittliche Kursentwicklung gegenüber Mitbewerbern nicht halten. Auch mit Blick auf den Einstieg der Bundesregierung bei der Lufthansa haben einige Analysten Bedenken.

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CFDs als Alternative zu Leerverkäufen

Einige Aktienhändler werden nun womöglich Leerverkäufe durchführen. Eine Alternative hierzu sind jedoch CFDs. Mit diesen Differenzkontrakten ist es möglich, auch auf sinkende Kurse zu setzen, was mit Blick auf die fundamentale und technische Situation der Lufthansa-Aktie sinnvoll sein könnte. CFDs sind für kurzfristige Investments gut nutzbar. Die Hebelwirkung verstärkt mögliche Gewinne nochmals. Dies gilt aber auch für Verluste. Anleger können sich im CFD-Handel für eine Short-Position entscheiden. Geht der Kurs der Aktie dann tatsächlich nach unten, so erhält der Anleger allerdings dennoch einen Gewinn. Ein Konto bei einem CFD-Broker ist in der Regel rasch eröffnet.

Hohe Verluste im letzten Quartal

Im abgelaufenen Quartal summierten sich die Verluste der Lufthansa letztendlich auf mehr als zwei Milliarden Euro. Zu dem operativen Verlust von 1,2 Milliarden Euro kam ein Verlust von 950 Millionen Euro aus Termingeschäften mit Treibstoff hinzu. Nun muss das Unternehmen wohl neben den Finanzhilfen der Bundesregierung Einsparungen vornehmen, die wohl auch Arbeitsplätze betreffen. Im Zuge der Bekanntgabe der hohen Quartalsverluste kündigte Unternehmenschef Spohr Restrukturierungen an, zu denen auch der Einstieg der Bundesregierung und deren finanzielle Hilfen gehören.

Im letzten Monat sind nur drei Prozent aller geplanten Flüge gestartet. Ab diesem Monat will die Lufthansa nun den Luftverkehr wieder schrittweise hochfahren. Gleiches gilt auch für die Tochter-Airlines der Lufthansa. Im September könnte dann wieder 40 Prozent aller Flüge starten, vor allem zu touristischen Destinationen.

Lufthansa Rettungspaket

Großteil der Flugzeuge am Boden

In den letzten Wochen blieben bisweilen 700 der 763 Lufthansa-Jets am Boden. Auch in den kommenden Monaten und sogar Jahren wird noch immer ein Teil der Flotte am Flughafen bleiben. 2021 werden wohl 300 Jets am Boden bleiben, in den beiden Folgejahren 200 bzw. 100 Flugzeuge. Darüber hinaus befinden sich derzeit rund 87.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Aus dem Umfeld der Lufthansa ist zu hören, dass das Unternehmen derzeit einen Personalüberhang von bis zu 20.000 Mitarbeitern hat. Daher will das Unternehmen mit den beteiligten Gewerkschaften über die Möglichkeiten von Teilzeit und Gehaltsverzicht sprechen.

Wie es für die Lufthansa in diesem Jahr wirtschaftlich weitergeht, ist bisher nur schwer zu sagen. Bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen wurde kein Ausblick auf das Gesamtjahr gegeben. Dennoch ist schon jetzt von einem deutlich sinkenden Betriebsergebnis im Vergleich zu 2019 auszugehen.

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Schwierigkeiten schon im April sichtbar

Schon im April wurde befürchtet, dass Millionen Menschen in der Luftfahrtbranche ihre Arbeitsplätze aufgrund der Corona-Krise verlieren werden. Experten des Dachverbands der Fluggesellschaften (IATA) rechnete Anfang April aus, dass dies letztendlich 25 Millionen Menschen betreffen könnte. Zu diesem Zeitpunkt waren kaum noch Flugzeuge unterwegs. Die Anzahl der Flugzeuge sank auf eine ähnliche Anzahl wie zuletzt vor 65 Jahren.

Lufthansa Aufsichtsrat

Die Lufthansa reagierte damals zunächst mit Stellenstreichungen im Bereich der Verwaltung sowie dem endgültigen Aus für die angeschlagene Tochter-Airline Germanwings. Auch anderen Airlines wie die Lufthansa-Tochter Swiss Air mussten in den letzten Wochen staatliche Hilfen beantragen. Im April gingen 90 Prozent weniger Flugzeuge in die Luft als üblich.

Die IATA war schon zu diesem Zeitpunkt besorgt, dass viele Airlines in Schwierigkeiten kommen könnten. Die Liquiditätsreserven vieler Luftfahrtunternehmen reichen laut dem Dachverband nur für zwei Monate. Zu fehlenden Einnahmen und hohen Kosten könnten zudem Forderungen in Milliardenhöhe für die Rückerstattung von Tickets kommen.

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Fazit: Aufsichtsrat stimmt Lufthansa-Rettungspaket zu

Nach der Unternehmensführung ist auch der Aufsichtsrat der Lufthansa mit dem Rettungspaket der Bundesregierung für den angeschlagenen Luftfahrtkonzern einverstanden. Zu einer endgültigen Einigung kommt es wohl Ende Juni auf einer außerordentlichen Hauptversammlung der Aktionäre. Die EU-Kommission und die Bundesregierung müssen ebenfalls noch zustimmen.

Die Lufthansa erhält insgesamt neun Milliarden Euro, teilweise als KfW-Kredit. Im Gegenzug beteiligt sich die Bundesregierung über seinen Wirtschaftsstabilisierungsfonds mit 20 Prozent am Unternehmen. Zudem müssen Auflagen der EU-Kommission erfüllt werden. Diese sehen vor, dass die Lufthansa 24 Slots an den Flughäfen in Frankfurt und München an andere Airlines abgibt.

Vor der Lufthansa und anderen Unternehmen der Branche liegen aber wohl noch viele schwere Monate. Allein bei der Lufthansa sind womöglich mehrere Zehntausend Jobs bedroht. Zudem will die Airline im Juni schrittweise den Flugverkehr wieder hochfahren, doch bis auf Weiteres werden deutlich weniger Flüge angeboten als üblich.

Bilderquelle:

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