EZB reduziert Anleihenkäufe

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 13.09.2021


Da die Konjunktur weiter anzieht, will die EZB ihre monatlichen Anleihenkäufe ab dem Schlussquartal 2021 reduzieren. Laufzeit und Umfang des Kaufprogramms bleiben aber ebenso unverändert wie der Leitzins. Dennoch wird das Tempo der Notfallhilfen der Zentralbank nun etwas heruntergefahren. Dies beschloss die EZB auf ihrer Sitzung in dieser Woche. Die Termine aktueller Sitzungen von Notenbanken erfahren Trader beispielsweise, laut unseren XTB Depot Erfahrungen, im Wirtschaftskalender von XTB.

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Volumen der Anleihenkäufe sinkt

Zuletzt kaufte die Zentralbank im Rahmen des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) Unternehmensanleihen und Staatsanleihen im Umfang von rund 80 Milliarden Euro im Monat. Dieses Volumen geht nun etwas zurück. Eine genaue Summe nannten die Währungshüter aber nicht.

Das Gesamtvolumen des Programms, dass mindestens bis Ende März nächsten Jahres laufen soll, bleibt aber bei 1,85 Billionen Euro. Unternehmen und Staaten können daher niedrigere Zinsen anbieten, wenn eine Notenbank mit am Markt aktiv ist und Anleihen kauft. Dies ist vor allem für Staaten ein Vorteil, die Programme zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie eingeführt hatten.

EZB-Präsidentin Christine Lagade betonte im Übrigen bei der Pressekonferenz der EZB, dass es sich bei der Reduzierung der Anleihenkäufe nicht um das sogenannte Tapering handelt. Darunter versteht man die schrittweise Senkung der Käufe auf null. Einige Ökonomen gingen davon aus, dass diese Reduzierung um vierten Quartal beginne könnte.

EZB reduziert Anleihenkäufe

Bilderquelle: Peshkova/ shutterstock.com

Unterstützung der Wirtschaft in der Krise

Das Ziel des Programms war, den Kreditfluss an die Wirtschaft auch während der Corona-Krise zu sichern. Zudem sollen die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte weiter günstig bleiben. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sagte Anfang September in einem Interview, dass sich die Wirtschaft besser entwickelt als erwartet. Er ging davon aus, dass bei einer Erholung von Inflation und Wirtschaft die Geld- und Finanzpolitik Schritt für Schritt normalisiert wird.

Allerdings bleiben die Zinsen wohl weiter niedrig, denn der Leitzins wurde bei null Prozent belassen. Geschäftsbanken müssen noch immer 0,5 Prozent Zinsen zahlen, um Geld bei der Zentralbank zu parken. Bei Übernachtkrediten fällt ein Zins von 0,25 Prozent an. Würde sich die Inflation bei zwei Prozent stabilisieren, könnte die EZB hier Anpassungen vornehmen. Kritiker sind der Auffassung, dass die EZB mit ihrer Geldflut die Inflation anheizt statt sie zu begrenzen. Die Notenbank verfolgt schon lange ein Preisstabilitätsziel, dass sie kürzlich angepasst hat, um flexibler agieren zu können.

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Inflationsziel angepasst

Bisher strebte die EZB eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an, nun kann die Inflationsrate diese Marke auch zeitweise über- oder unterschreiten. Der nun eingeschlagene Weg könnte daher nur ein Minimalkonsens sein, da die Situation aufgrund der weiteren Entwicklung der Pandemie und der Inflation eher ungewiss ist. Die Notenbank verfehlte ihr Ziel der Preisstabilität in den letzten Jahren regelmäßig. In zu niedrigen Preisen wird eine Gefahr für die Konjunktur gesehen. Unternehmen und Verbraucher könnten mit Investitionen warten und hoffen, dass die Preise weiter fallen.

Das PEPP-Programm wird zunächst weitergeführt und ein Enddatum wurde nicht genannt. Denkbar ist, dass es zu dieser Frage bei der letzten Sitzung der EZB in diesem Jahr am 16. Dezember Neuigkeiten gibt. Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde soll dann über die Bedingungen und Konditionen des Programms gesprochen werden.

EZB reduziert Anleihenkäufe

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Verbesserungen bei der wirtschaftlichen Entwicklung

Lagarde betonte zudem, dass die Notenbank Verbesserungen sehe. Die Wirtschaft in der Eurozone erholt sich weiter und die EZB geht für 2021 nun von einem Wachstum von fünf Prozent aus. Im Juni lag die Prognosen noch bei 4,6 Prozent. 2022 soll die Wirtschaft dann um 4,6 Prozent wachsen. Bis die Schäden der Pandemie dauerhaft behoben sind, wird es aus Sicht von Christine Lagarde aber noch eine Weile dauern.

Teilweise sind schon jetzt aufgrund des weiteren Fortschreitens der Corona-Pandemie und Lieferengpässe die Sorgen schon jetzt wieder groß. Auch die hohe Inflation löst Befürchtungen aus, denn diese schwächt die Kaufkraft der Verbraucher. Zudem verliert Geld auf Tagesgeldkonten an Wert. Die EZB geht derzeit für 2021 von einer Inflationsrate von 2,2 Prozent aus. Im Juni lag die Prognose noch bei 1,9 Prozent. Nach Auffassung der EZB sinkt die Inflation im nächsten Jahr wieder. Für 2022 geht sie von 1,7 Prozent aus, musste die Prognose vom Juni dabei aber um 0,2 Prozent anheben.

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Inflation weiter auf hohem Niveau

Im August stiegen die Verbraucherpreise im Euroraum um drei Prozent im Vergleich zum Juli. Dies ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Die Inflation entwickelt sich übrigens in den einzelnen Ländern durchaus unterschiedlich, aber es gibt kein Land mit einer negativen Inflationsrate und damit mit sinkenden Preisen. In Estland liegt die Inflationsrate sogar bei fünf Prozent und in Litauen knapp darunter. Belgien weist eine Inflationsrate von 4,7 Prozent auf.

Eine Zinserhöhung ist wohl erst dann in Sicht, wenn das Inflationsziel der EZB nachhaltig erreicht wird. In Deutschland lag die Inflationsrate im August bei 3,9 Prozent und damit auf dem höchsten Wert seit 28 Jahren. Im Dezember 1993 lag die Inflationsrate bei 4,3 Prozent. Ökonomen gehen davon aus, dass die Inflation weiter steigen wird und bis Ende des Jahres bei etwa fünf Prozent liegen könnte. Allerdings gehen die meisten Experten weiter von einem vorübergehenden Phänomen aus.

Weniger Anleihenkäufe der EZB

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Inflation in Deutschland bei fast vier Prozent

Im Juni lag die Inflation noch bei 2,3 Prozent, im Juli waren es dann schon 3,8 Prozent. Damit fiel der Preisanstieg im letzten Monat moderat aus und die Preise stagnierten weitestgehend. Das Statistische Bundesamt ging schon in einer ersten Schätzung Ende August von einer Preissteigerung von 3,9 Prozent aus.

Weiter geben hohe Energiepreise den Ton an. Die Kosten fürs Tanken und Heizen stiegen laut des Statistischen Bundesamts im August um 12,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Heizöl wurde um 57,3 Prozent teurer und Kraftstoffe um 26,7 Prozent. Bei Erdgas und Strom waren die Steigerungsraten nicht so hoch. Würde man die Energiepreise herausrechnen, lag die Inflationsrate im August bei drei Prozent.

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Preise deutlich gestiegen

Vor einem Jahr brachen die Rohölpreise zu Beginn der Pandemie stark ein, da die Nachfrage deutlich geringer war. Nun muss nicht nur wieder die volle Mehrwertsteuer gezahlt werden, seit Jahresbeginn fällt auch eine CO2-Abgabe an. Laut des Statistischen Bundesamts wurden Waren im Vergleich zum August um 5,6 Prozent teurer. Vor allem Nahrungsmittel sind merklich teurer geworden. Die Preise für Gemüse stiegen um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Teilweise ist dies auch eine normale Korrektur, da die Inflation lange auf einem eigentlich zu niedrigen Wert lag.

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI lag im August in Deutschland 3,4 Prozent über dem Vorjahreswert und 0,1 Prozent über dem Wert aus dem Juli. Die EZB nutzt diesen Index für ihre Geldpolitik. Die EZB führt die hohen Verbraucherpreise weiter auf Sondereffekte durch die Corona-Krise zurück.

Weniger Anleihenkäufe der EZB

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Verhaltene Reaktion an den Märkten

An den Märkten fiel die Reaktion auf die EZB-Entscheidung eher verhalten, aber dennoch positiv, aus. Der DAX drehte ins Plus. Der Euro stieg ebenfalls leicht gegenüber dem Dollar. Die Anleger hatten weitestgehend mit den angekündigten Entwicklungen gerechnet. Zudem kommt der Zeitpunkt der Ankündigung nicht überraschend, denn die Wirtschaft erholt sich nicht nur in Deutschland, sondern auch beispielsweise in Italien. Zudem sind die Finanzierungskonditionen derzeit gut. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sagte kürzlich, dass die aktuellen Wirtschaftsdaten sehr positiv seien. Zu letzte war allerdings durchaus Nervosität am Aktienmarkt zu spüren und die Anleger an der Frankfurter Börse hielten sich etwas zurück.

Im Übrigen geht der Blick nun auch auf weitere Entscheidungen von Notenbanken, denn die Fed hat ihre nächste Sitzung am 22. September und am Tag darauf triff sich auch die Bank of England. Insbesondere steht die Frage im Raum, wann die Fed in den USA mit der Reduzierung ihrer Anleihenkäufe beginnt.

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Zahlreiche Handelsinstrumente bei XTB

XTB bietet Trader zahlreiche Finanzinstrumente an. Bei Aktien finden Trader Wertpapiere aus verschiedenen Ländern und können daher sowohl europäische wie auch amerikanische Titel handeln. Alternativ stehen Aktien-CFDs zum Handel zur Verfügung. Von allen angebotenen Börsen sind auch Echtzeitkurse zu finden. Auf der modernen und benutzerfreundlichen Handelsplattform finden Trader zudem Indikatoren und Charts. Über Termine wie anstehende EZB-Sitzungen informiert der Wirtschaftskalender. Dazu kommen Schulungsmaterialien und Marktinformation. Auch in Webinaren geht es oft um aktuelle Entwicklungen an den Märkten.

EZB kauft weniger Anleihen

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Fazit: EZB kauft bald weniger Anleihen

Die EZB will im vierten Quartal weniger Anleihen kaufen als zuletzt. Dabei soll es sich aber nicht um das sogenannte Tapering handeln. Zudem hält die Notenbank weiter an Gesamtvolumen und Laufzeit des PEPP-Programms fest. Über das weitere Vorgehen will die Zentralbank auf der nächsten Sitzung im Dezember beraten.

Aktuelle Termine und Sitzungen von Notenbanken können immer wieder zu Veränderungen an den Märkten führen. Daher informiert XTB seine Trader über diese Termine in einem Wirtschaftskalender. Darüber hinaus finden Trader Kurse, Charts und aktuelle Marktinformationen bei XTB.

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