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Bitcoin & Co: Rekord auf Rekord?

Ein an den Finanzmärkten derzeit heißes Thema ist bestimmt „Bitcoin“ bzw. das Thema Kryptowährungen allgemein. Ich habe es selbst vor einigen Tagen erlebt, dass mich ein Bekannter darauf ansprach und berichtete: Er habe Bitcoin gekauft. Warum, fragte ich ihn. Sinngemäß antwortete er: Die haben gerade die Marke von 10.000 überschritten, und er habe im Gefühl, dass nach dem Sprung über diese Marke noch mehr drin sei. In der Tat: Nachdem die 10.000 gefallen waren, ging es in schnellen Tausenderschritten weiter nach oben. Doch wenn ich solche Begründungen für einen Kauf höre, dann läuten bei mir durchaus die Alarmglocken. Im Jahr 1999 hörte ich ähnliche Begründungen für die Käufe von Internet-Aktien. Und 2000 platzte dann die Blase bei Internet-Aktien. Sehen wir hier beim Thema Bitcoin bzw. Kryptowährungen auch eine Blase, die platzen wird? Oder ist es ein neuer Megatrend, da immer mehr Menschen den Zentralbanken weltweit nicht trauen und sich deshalb eine Form von alternativem Geld – eben Kryptowährungen – durchsetzen wird? Darum geht es in diesem Beitrag. Zu den Details:

Inhaltsverzeichnis

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    Ja, das Thema Kryptowährungen ist derzeit „heiß“! Gerade Bitcoin hat es teilweise schon in die Nachrichten der Massenmedien geschafft. Das ist auch kein Wunder, denn zuletzt gab es einen rasanten Anstieg des Preises von Bitcoins. Der genannte Sprung über die 10.000er Marke war nur ein Zwischenschritt. Innerhalb weniger Handelstage ging es weiter bis auf 16.000 – ein Zuwachs von 60% in etwa einer Woche. Und dann ging es noch weiter, und die 20.000 gerieten in Reichweite. Nur zur Erinnerung: Anfang des Jahres hätte man noch für rund 1.000 Euro pro Bitcoin einsteigen können. Der an den Finanzmärkten von vielen erstrebte „Tenbagger“ – die Verzehnfachung des Einsatzes – wäre innerhalb dieses Jahres mit Bitcoin möglich gewesen.

    Bundesbank warnt vor Bitcoin

    Da schreckte es kaum ab, dass laut T-Online die Bundesbank Anfang des Monats „eindringlich“ vor Bitcoin gewarnt hatte. Das sei keine echte Währung, ein Totalverlust sei möglich. T-Online zitierte da das Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele mit diesen Worten: „Die Besitzer horten ihre Bitcoins und hoffen auf Wertsteigerungen – das ist eine riskante Spekulation.“

    Quelle: Bundesbank warnt eindringlich vor Bitcoin

    Zunehmende Angriffe von Hackern?

    Nun, dass die Bundesbank warnt, wundert nicht – schließlich sehen sich die Zentralbanken als ausschließliche Hüter des Geldes. Vielleicht ist da die Perspektive darauf begrenzt, andererseits könnte die Bundesbank durchaus auch unabhängig von diesem Aspekt Bedenken in Bezug auf Bitcoin haben. So berichtete das Manager Magazin über „technische Probleme beim Handel mit Kryptowährungen“. Demnach konnte auf dem Handelsplatz Coinbase zeitweise nicht mehr gehandelt werden. Das war wohl kein Einzelfall, denn dem Magazin zufolge berichteten auch andere Betreiber von Marktplätzen für Kryptowährungen „von Schwierigkeiten und zunehmenden Attacken von Hackern“.

    Auf einer Handelsplattform sollen Bitcoins gestohlen worden sein

    Auf einer Handelsplattform sollen sogar einige Tausend Bitcoins gestohlen worden sein. Und bekanntermaßen ist Vertrauen an den Finanzmärkten wichtig. Vertrauen, dass Transaktionen sicher durchgeführt werden können und Vertrauen darauf, dass sauber gebucht wird und dass gekaufte Bitcoins auch sicher transferiert werden. Dieses Vertrauen könnte durch solche Angriffe und Diebstähle erschüttert werden. Allerdings könnte es auch nicht da Vertrauen in Bitcoin an sich, sondern in den betreffenden Handelsplatz treffen. Im derzeitigen eher von einem Bullenmarkt geprägten Umfeld ist aber von solchen Bedenken im größeren Maßstab derzeit meinem Eindruck zufolge (noch?) wenig zu spüren.

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    Demnächst Bitcoin Futures?

    Andererseits könnte die Kryptowährung Bitcoin demnächst auf größeres Interesse bei institutionellen Anlegern stoßen, denn: Sehr bald könnte es in den USA Bitcoin-Futures geben! Denn die US-Behörde CFTC soll schon den Weg für Bitcoin-Futures frei gemacht haben. Damit ist der Weg frei dafür, dass auch an der riesigen Terminbörse Chicago, der CME (Chicago Mercantile Exchange), demnächst Bitcoin-Futures gehandelt werden. Es könnten weitere Terminbörsen weltweit folgen. Doch bleiben wir bei der sehr wichtigen CFTC und CME. Die Kurse der Bitcoin-Futures können bei der CME dann demnächst (wenn alles klappt) unter folgendem Link abgerufen werden:

    http://www.cmegroup.com/trading/equity-index/us-index/bitcoin.html

    Bitcoin Futures: Voraussichtliche Details der CME

    Dabei fällt auf, dass die CME bereits Bitcoin Futures eingetragen hat, mit Laufzeiten Januar 2018, Februar 2018, März 2018, Juni 2018. Mal sehen, wie das in Zukunft geregelt werden wird – und mal sehen, ob diese Futures in Contango oder Backwardation notieren werden. Was es mit diesen beiden Fachbegriffen auf sich hat, sollte jede(r) wissen, der/die entsprechende Futures traden möchte. Noch ist es ja nicht so weit, dass an der CME Bitcoin-Futures gehandelt werden. Doch das könnte bereits in der kommenden Handelswoche der Fall sein. Bei den Notierungen von Futures gibt es wie gesagt zwei Möglichkeiten – entweder notieren diese in Contango oder in Backwardation. Oder als dritte Möglichkeit, die Preise der Futures unterschiedlicher Laufzeit sind exakt identisch (das habe ich persönlich noch nie gesehen). Zum Fall „Backwardation“: 

    Bitcoin Futures: Backwardation

    Wenn generell die Futures mit längerer Laufzeit niedriger notieren – und zwar umso niedriger, je länger die Laufzeit ist – dann wird dies als „Backwardation“ bezeichnet. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Marktteilnehmer generell mit einem Preisrückgang für diesen Basiswert rechnen. Ein Beispiel dafür: Wenn der Bitcoin-Preis kurzfristig stark angestiegen ist und viele Anleger „geliefert“ bekommen möchten, dann könnte insbesondere der Bitcoin-Future mit baldiger Fälligkeit stark anziehen. Die Futures mit Fälligkeit einige Monate später sind in dem Beispiel weniger stark gefragt und könnten deshalb niedriger notieren. Und dann wäre das Phänomen da: Länger laufende Futures kosten weniger als kürzer laufende – Backwardation.

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    Ein Beispiel zu Backwardation

    Dieses Phänomen kennen Rohstoff-Trader. Ein Beispiel: Wenn aufgrund eines Unwetters zu Beginn der Kaffee-Ernte die Ernte beschädigt worden ist, dann werden die Preise für sofortige oder baldige Lieferung (= nächst fälliger Future) von Kaffee wahrscheinlich nach oben schießen. Die Futures für späte Lieferung hingegen könnten weniger betroffen sein. Wenn diese Backwardation-Situation länger andauert, hat sie einen gewissen Vorteil aus Anlegersicht: Denn der Kurs eines gerade gekauften Futures mit längerer Laufzeit wird mit abnehmender Restlaufzeit ceteris paribus tendenziell steigen. Ceteris Paribus bedeutet hierbei einen Zustand, bei dem sich außer diesem einen Faktor nichts ändert. Dies ist ein Punkt – der jedoch keineswegs ausschlaggebend sein muss -, der das Investieren in einen länger laufenden Future, der sich in Backwardation befindet, interessant machen kann. Allerdings ist die Annahme ceteris paribus an den Finanzmärkten ja eher eine theoretische Überlegung, denn wann bleiben schon außer einem Faktor alle anderen Einflussfaktoren gleich?

    Bitcoin Futures: Contango

    Das war Backwardation – der umgekehrte Fall wird mit Contango bezeichnet. Ergo wird damit eine Situation beschrieben, in der länger laufende Futures generell teurer sind als kürzer laufende. Bei vielen Futures ist dies das übliche Bild – zumindest meinem Eindruck zufolge kann dieses Phänomen normalerweise öfter beobachtet werden als der zuvor beschriebene Fall der Backwardation. Für den Fall von physischen Gütern ist ein Grund für Contango dieser: Wenn ein Investor oder Kommerzieller bereits vorhandene und gelagerte Rohstoffe in der Zukunft verkaufen möchte, fallen dafür Lagerkosten sowie ebenfalls üblicherweise Versicherungskosten an. Alleine aufgrund dieses Kostenfaktors wird der Preis für länger laufende Futures in solchen Fällen üblicherweise über dem für kürzer liegende Futures liegen – sprich, es gibt da Contango. 

    Exkurs: Wie es zu Contango bei Futures kommen kann

    Ein Exkurs an dieser Stelle – zum Thema Contango bei Futures. Wie kann es dazu kommen? Bleiben wir beim obigen Beispiel Kaffee. Nehmen wir an, die Kaffee-Ernte ist in Brasilien gerade abgeschlossen worden. Sie ist reichlich ausgefallen, und deshalb übertrifft das Angebot an Kaffee die Nachfrage sehr deutlich. Dann wird der Preis für sofortige oder baldige Lieferung (= nächst fälliger Future) von Kaffee üblicherweise zurückgehen. Gleichzeitig ist – analog zu obigem Beispiel – jedoch bekannt, dass wenige Monate später in einem anderen wichtigen Anbauland die Erntezeigt beginnt, und dort ist durch einen unerwarteten und heftigen Frosteinbruch ein großer Teil der Pflanzen erfroren. Das spricht für ein deutlich zurückgehendes zukünftiges Angebot an Kaffee. Der Preis für Kaffee-Futures mit späterer Lieferung (= länger laufender Future) wird deshalb in diesem Beispiel üblicherweise steigen. Das würde zu der Situation führen, dass die lang laufenden Futures für Kaffee teurer wären als die kurz laufenden Futures. Das wäre ein klassischer Contango-Markt. Soviel zu diesem Beispiel.

    Futures: Bitcoins sind rein virtuell

    Bitte beachten Sie, dass das Beispiel mit den Rohstoff-Futures zum Verständnis von Contango und Backwardation gedacht ist. Bei Bitcoin-Futures hingegen ist es nicht 1:1 übertragbar – schließlich zeichnet sich Bitcoin dadurch aus, dass es sich eben um keine physisch greifbare Ware handelt. Bitcoins sind rein virtuell! Lagerkosten etc. spielen deshalb da nicht die Rolle, die sie bei Rohstoffen spielen. Es gilt zu beachten, dass aus Sicht von Anlegern eine Backwardation Situation vorteilhafter sein kann als eine Contango-Situation. Und das würde wiederum auch in Bezug auf die Bitcoin-Futures Gültigkeit haben. Die Überlegung dazu:

    Bitcoin-Futures: Contango oder Backwardation

    Wenn diese Situation (Contango) länger andauert, hat sie einen gewissen Nachteil: Denn der Kurs eines gerade gekauften Futures mit längerer Laufzeit wird mit abnehmender Restlaufzeit ceteris paribus (d.h., wenn sich außer diesem Faktor nichts ändert) tendenziell fallen. Dies ist ein Faktor (muss nicht ausschlaggebend sein) der gegen das Investieren in einen Markt spricht, der sich in Contango befindet. Bitte beachten Sie aber bitte, dass ein Contango-Markt eher die Regel als die Ausnahme ist und es in einem Bullenmarkt meist vernachlässigbar ist, wenn die länger laufenden Futures einen geringen Aufschlag gegenüber den kurz laufenden Futures haben; zudem ist die „ceteris paribus“-Annahme eher für die Theorie wichtig, weniger für die Praxis. Bei hohen Aufschlägen kann die Sache allerdings schon anders aussehen. Um das einzuordnen: DAX-Futures notieren üblicherweise in Contango.

    Was sagt Wikipedia zu Kryptowährungen?

    Was sind denn überhaupt Kryptowährungen? Wo schaut man heutzutage nach, wenn man etwas erklärt bekommen möchte? Genau – oft genug bei Wikipedia. Und das steht dort zum Thema Kryptowährungen:

    „Kryptowährungen sind Geld bzw. Fiatgeld in Form digitaler Zahlungsmittel. Bei ihnen werden Prinzipien der Kryptographie angewandt, um ein verteiltes, dezentrales und sicheres digitales Zahlungssystem zu realisieren.“

    Quelle: Wikipedia-Eintrag zu Kryptowährung

    Die derzeit wohl bekannteste Kryptowährung ist wahrscheinlich „Bitcoin“, Etherum kennen auch noch viele, so mein Eindruck. Ich konnte es allerdings kaum glauben, als ich eben bei Wikipedia gelesen habe, dass es bis zu „3.000 weitere Kryptowährungen in Verwendung“ geben soll. Von diesen 3.000 wiederum sollen „ca. 100 einen täglichen Handelsumsatz von jeweils über 1.000 US-Dollar an entsprechenden Handelsplätzen für Kryptowährungen erreichen.“ (Quelle: Wikipedia Eintrag zu Kryptowährungen).

    Bitcoin-Zahlungssystem: Grundlagen

    Das Konzept des Bitcoin-Zahlungssystems ist bereits etwas älter (soll auf das Jahr 2008 zurückgehen). Bitcoin kann von Staatsgrenzen unabhängig eingesetzt werden, denn eine geographische Beschränkung war nicht vorgesehen und ist es auch bis heute nicht. Wichtig ist natürlich wie im Grunde bei jedem wirtschaftlichen Gut der Nachweis, wem bestimmte Bitcoins gehören. Und es muss dafür gesorgt werden, dass solche Bitcoins vom Eigentümer – wenn er also eindeutig festgestellt ist – nicht einfach mehrere Male zum Bezahlen von Waren und/oder Dienstleistungen genutzt werden können. Wie das funktioniert? Dazu werden kryptographische Techniken genutzt und bitte fragen Sie mich dazu nicht nach Details, da ich mich mit diesen Techniken nicht auskenne, sondern mich in diesem Beitrag auf den wirtschaftlichen Aspekt (Bitcoin Futures/Contango/Backwardation) konzentriere. Es soll aber offensichtlich funktioniere –  denn sonst wären schließlich Betrug bei Bitcoin Tür und Tor geöffnet.

    Fazit zum Thema Kryptowährungen (07/2018):

    In diesem Beitrag haben wir Bitcoin als die derzeit beliebteste Kryptowährung etwas näher unter die Lupe genommen. Ein wichtiger Schritt ist die geplante Einführung von Bitcoin-Futures. Profis werden dann wahrscheinlich darauf achten, ob diese Futures in Contango oder Backwardation notieren. Zu diesem Zweck haben wir in diesem Beitrag Wissenswertes zu diesem Aspekt gebracht. Ein regulierter Marktplatz wie die CME dürfte gerade für institutionelle Investoren attraktiver sein als ein kleiner Marktplatz, der vielleicht noch von Hackern angegriffen wird. Sehr spannend könnte es werden, wenn die Bitcoin-Futures eingeführt worden sind – dann ist nämlich die Frage, ob dann auch Institutionelle in größerem Umfang kaufen (was den Kurs weiter beflügeln könnte) oder nicht (was zu Gewinnmitnahmen und Kursrückgängen führen könnte). Was davon eintreten wird, ist derzeit offen. Insofern könnten die kommenden Wochen sehr spannend werden in Bezug auf Bitcoin!

    Klarstellung

    Betrachten Sie unsere Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Stand der Konditionen: Dezember 2017

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