Wie Norwegen die Corona Krise dank Staatsfonds meistert

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 26.05.2020


Norwegen, bislang eines der bewunderten skandinavischen Länder mit hoher Positionierung auf dem Glücks- und Wohlstandsindex, muss derzeit doppelt einstecken. Das Land ist ebenso wie der Rest der Welt betroffen von der Einschränkung des öffentlichen und wirtschaftlichen Lebens. Zugleich hat der spektakuläre Absturz des Ölpreises, zeitweise sogar in Negativbereiche, die Einnahmen Norwegens stark beschnitten – die Wirtschaft Norwegens stützt sich zu großen Teilen auf die Erlöse aus der Erdölförderung.

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Der größte Staatsfonds der Welt stellt die Mittel zur Krisenbekämpfung

Norwegen hat anderen Staaten jedoch eins voraus – das Land verfügt über den größten Staatsfonds weltweit. Der norwegische Staatsfonds knackte schon in 2017 die Marke von 1 Billion US Dollar. Das kommt dem skandinavischen Land nun zugute. In nächster Zeit soll der Staatsfonds Norwegen die Mittel an die Hand geben, die Corona-bedingte Krise zu überstehen.

Noch in diesem Jahr sollen dem Fonds rund 38 Milliarden Euro entnommen werden, die für soziale und wirtschaftliche Hilfspakete benötigt werden. Die enormen Ausgaben sind ein bedeutender Schritt für die norwegische Regierung, denn sie machen ungefähr 4 Prozent des Fondswerts insgesamt aus.

Norwegen die Corona Krise Staatsfonds

Rentenreserve für die Zeit nach dem Öl

Der norwegische Staatsfonds ist keine Geldbörse, die schnell verfügbares Kapital enthält, sondern eine kluge Reserve, die seit Jahrzehnte für die Zeit nach dem Ausschöpfen der nationalen Erdölreserven in der Nordsee vorsorgt. Der Fonds, der vollständig „Staatlicher Pensionsfonds des Königreichs Norwegen“ heißt, investiert seit 1998 auch in Aktien, die inzwischen 66,8 % des Fondsvermögens ausmachen, außerdem zu etwas über 30% in Anleihen und andere Wertpapiere und zu geringen Teilen in Immobilien.

Die Rendite aus dem Fonds übertrifft seit zwanzig Jahren sogar den bislang so ertragsstarken deutschen Leitindex DAX.

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Renditestarker, nachhaltiger Fonds

Der norwegische Staatsfonds fasst seit 2006 die früher eigenständigen Ölfonds und den nationalen Versicherungsfonds zusammen. Investiert wird zunehmend ethisch, was die hoch rentablen, aber zum Teil fragwürdigen Anlagen in Rüstungsindustrie oder die Tabakmultis ausschließt. Auf Beschluss des Parlaments wurden 2015 außerdem die Investitionen in stark kohlelastige Unternehmen abgestoßen, sei es Energiekonzerne oder Bergwerksbetreiber. Der norwegische Staatsfonds ist also bislang nicht nur ausgesprochen solvent, sondern kann auch die Freunde nachhaltiger Anlagen überzeugen. Wie geht es nun weiter? Die Regierung darf jährlich drei Prozent des Kapitalvolumens nutzen, um damit Projekte mit gesellschaftlichem Mehrwert zu finanzieren. In diesem Jahr werden es wohl vier Prozent werden.

Möglich ist das nur, indem Assets in noch nie dagewesenem Ausmaß abgestoßen werden. Nur so kann die nun auf einen Schlag benötigte, unvorhergesehen Liquidität hereingespült werden. Die Obergrenze für Ausgaben aus dem Fondsvolumen wird deutlich überschritten, doch das ist in Zeiten erheblicher ökonomischer Belastung durchaus möglich.

 Norwegen Staatsfonds

Welche Maßnahmen werden aus dem Fondsvolumen finanziert?

Und einen derartigen wirtschaftlichen Stresstest macht das Land gerade durch. Seitens der norwegischen Zentralbank wurde bereits eine Nullzinspolitik beschlossen – sehr überraschend und vollkommen neu für Unternehmen und Bürger des skandinavischen Landes. Man rechnet mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um rund 5 Prozent, vergleichbar den wirtschaftlichen Einbrüchen durch den Zweiten Weltkrieg. Norwegische Finanzexperten sehen einen langen Weg der wirtschaftlichen Erholung voraus.

Angesichts dieser Situation werden aus dem Staatsfonds Maßnahmen finanziert, die von zusätzlichen Ausgaben für die Unterstützung Arbeitsloser bis zu Hilfen für Unternehmen reichen, und geht damit weit über die üblichen Beträge hinaus, mit denen Norwegens Wohlfahrtsstaat finanziert wird.

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Bis jetzt sorgten Überschüsse für verlässlichen Zugewinn beim Staatsfonds

Bislang lief es eher umgekehrt. Die norwegische Regierung konnte Haushaltslöcher mit den Einnahmen aus der Erdölförderung gut abdecken, das Land steht unter den ölproduzierenden Staaten immerhin an 11. Stelle. Alle Überschüsse gehen in den Staatsfonds ein. Selbst während der Jahre 2016 und 2017, als der niedrige Ölpreis für sinkende Staatseinnahmen sorgte, reichte es noch immer zur Deckung des finanziellen Bedarfs, wenn auch keine Überschüsse erzielt wurden. Damit ist es nun vorbei. Aber was wird man verkaufen, um die liquiden Mittel für die Hilfsmaßnahmen bereitstellen zu können?

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Anleihen werden gehen müssen – bei den Aktien stehen Zukäufe ins Haus

In erster Linie wird es wohl die Anleihen treffen – von ihnen wird man sich trennen, um Barvermögen zu erwirtschaften. Die Anleihen gelten vor allem deshalb als die aussichtsreichste Verkaufsoption, weil das Aktienportfolio – rund zwei Drittel des Fondsvolumens – schon mehr als 23 % seines Wertes eingebüßt hat.

Bei den Aktien ist deshalb eine Umschichtung abzusehen. Vermutlich wird man die Wertverluste dieser Posten ausgleichen, indem Aktien nachgekauft werden. So hoffen die Verwalter des norwegischen Staatsfonds, die Zielallokation von 70 % beim Aktienanteil des Fonds zu erreichen. Wann man mit den Zukäufen beginnen wird, steht angesichts der Pandemie jedoch derzeit noch in den Sternen.

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In norwegischen Staatsfonds investieren? Was Anleger wissen müssen

Direkt in den norwegischen Staatsfonds investieren können Anleger nicht – doch die Strategie der Fondsmanager lässt sich nachvollziehen. So können auch private Anleger die Anteiligkeiten der Aktien, Anleihen und Immobilien im Staatsfonds in ihrem Portfolio berücksichtigen. Die Zusammensetzung ist kein Geheimnis, sondern wird sehr transparent kommuniziert. Alle rund 9.000 Einzelwerte können interessierte private Investoren aber wohl kaum „nachbauen“. Die Alternative ist die Anlage in Einzelaktien, die bei den Norwegern als Spitzentitel gelten, oder – wem dies zu Corona-Zeiten zu unsicher ist – in ETFs, die das Anlagerisiko deutlich streuen.

Wie Norwegen die Corona Krise dank Staatsfonds meistert

Diese Basiswerte für ETFs profitieren von der Wertentwicklung des norwegischen Staatsfonds

Dazu müssen deutsche Anleger nicht unbedingt vor die Tür gehen, denn deutsche Bluechips gelten den Norwegern als Favoriten, darunter die DAX-Konzerne BMW und Daimler aus der Autoindustrie, der SaaS-Anbieter SAP, aber auch BASF und Bayer.

Ein DAX-ETF könnte sich also für Anleger auszahlen, wenn Norwegen mit dem schon jetzt angedachten Aktienzukauf beginnt, um die selbst gewählte Allokation von 70% doch noch zu erreichen.

Auch andere Märkte, die im Fokus des norwegischen Staatsfonds stehen, können Anleger mit ETFs abdecken und so um drei Ecken an der Wertentwicklung zu partizipieren. Die Norweger berücksichtigen primär Aktien aus Nordamerika und Europa, doch auch asiatische Unternehmen sind zu 18 % vertreten, interessante Schwellenländer machen rund 4 % des Fonds aus.

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Norwegischen Staatsfonds für die eigenen Investitionen im Auge behalten

Die Fondsmanager des norwegischen Staatsfonds haben bislang kluge Finanzpolitik betrieben. Dazu gehört die Gewichtung der Anlageklassen, die prozentualen Entnahmehöchstgrenzen, aber auch deutliche Entscheidungen zugunsten konsequent umgesetzter Nachhaltigkeit – und damit höherer Resilienz der eigenen Investition. Anleger, die die Entscheidungen der Fondsverwalter im Blick behalten, können hier Anregungen für die eigenen Investitionen mitnehmen.

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