Header

Wie funktioniert die Börse – Die Börse leicht und verständlich erklärt!

Für Finanzmarktkritiker ist die Börse nichts anders als ein Kasino. Doch tatsächlich ist der Vergleich mit einem großen Marktplatz treffender, vor allem wenn man statt an einen deutschen Wochenmarkt mit festen Preisen an einen mit feilschenden Händlern denkt. Die Preisänderungen der Wertpapiere bilden nämlich Angebot und Nachfrage ab.

Wie funktioniert die Börse?

Statt mit einem Kasino kann man die Börse besser mit einem Marktplatz vergleichen. Foto: Flickr @ Weisserstier

So funktioniert die Börse

  • Börsen gibt es seit vielen Jahrhunderten
  • Preise spiegeln Angebot und Nachfrage wieder
  • Neben Wertpapieren werden auch Waren und Devisen gehandelt
  • Außerbörsliche Handelsplätze und neue Börsen als Konkurrenz

weitere_vergleiche_box_aktiendepot

Seit wann gibt es Börsen?

Die ersten deutschen Börsen sind die Einrichtungen in Nürnberg und Augsburg, die 1540 eröffnet wurden, heute aber beide nicht mehr existieren. Als älteste Börse weltweit gilt die 1409 gegründete in Brügge. Allerdings fand ein börsenähnlicher Handel schon vorher statt, es gab sogar vor mehr als 2.000 Jahren schon Termingeschäfte, bei denen beispielsweise Verträge über künftige Ernten abgeschlossen wurden. Ohnehin wurden an den ersten Börsen keine Aktien gehandelt, sondern Waren oder Wechsel.

Börsen gibt es schon seit über 600 Jahren, allerdings wurde auch vorher schon gehandelt.
Bild zu deutsche Börsen Geschichte

1540 wurden in Augsburg und Nürnberg die ersten Börsen gegründet. Die Sitzungsräume befanden sich in der Nähe des Hauptmarktes. Heute hat hier die Industrie- und Handelskammer ihren Sitz. Foto: Kurt Fuchs, bezogen über IHK Nürnberg

Was wird an einer Börse gehandelt?

Wer Börse hört, der denkt in den meisten Fällen zuerst an Aktien. Tatsächlich ist der Aktienhandel für viele der spannendste Teil der Börse, aber nicht der einzige und noch nicht einmal der bedeutendste. Weit größer sind die Umsätze an den Devisenmärkten. Aber auch Strom wird in Deutschland zunehmend über die Börse gehandelt.

Grundsätzlich eignet sich ein Gut umso besser für den Börsenhandel, je standardisierter es ist. Euro ist Euro, auch verschiedene Aktien eines Unternehmens sind meist gleich, bestenfalls gibt es noch Vorzugs- und Stammaktien. Schwerer ist es bei Waren, aber Kaffeebohnen einer bestimmten Güteklasse und Sorte sind noch einigermaßen vergleichbar. Auch bei Strom wird höchstens noch zwischen Öko- und Normalstrom unterschieden, ansonsten ist eine Kilowattstunde eine Kilowattstunde, egal ob das Solarmodul an einem Südhang der Lage Würzburger Stein oder auf einem Hausdach in Wanne-Eickel steht. Von Hand individuell gearbeitete Waren bieten sich für den Börsenhandel dagegen nicht an, kaum jemand würde einfach so zehn Kilo Kunst an der Börse kaufen.

Je standardisierter und austauschbarer eine Ware ist, desto besser lässt sie sich an der Börse handeln.
Bild Beispiel Wie funktioniert die Börse

Auch Strom wird über die Börse gehandelt. In Leipzig gibt es deshalb die European Energy Exchange. Foto: EEX Pressebild von Jürgen Jeibmann, Leipzig

Warum schwanken die Kurse?

Das Bild von der Börse als Kasino kommt in erster Linie vom Auf und Ab der Kurse. Vor allem starke Kursschwankungen rufen solche Assoziationen hervor, denn tatsächlich ist es schwer zu erklären, warum die im Dow Jones vertretenen Firmen nach dem Schwarze Montag am 19. Oktober 1987 fast 23 Prozent weniger wert gewesen sein sollen als zuvor.

Grundsätzlich bilden die Kurse die Erwartung der Anleger über die Zukunft eines Unternehmens ab. Je mehr Zukunftspotential sie in einer Firma sehen, desto stärker werden die Kurse steigen, schlechte Nachrichten sorgen dagegen für Kursrückgänge. Entscheidend ist dabei nicht, ob eine Nachricht per se gut oder schlecht ist, sondern ob sie schlechter oder besser ist als die bisherigen Erwartungen. Vermeldet eine Firma beispielsweise einen Rekordgewinn, der aber niedriger liegt als von den Anlegern erwartet, dann werden die Kurse sinken. Denn die Kurse waren entsprechend der Erwartungen gestiegen und sind nun, angesichts des doch nicht ganz so hohen Gewinns, zu hoch.

Die Kurse spiegeln die Erwartungen der Aktionäre über die künftigen Gewinne einer Firma wieder.

Warum gibt es Börsencrashs?

Börsencrashs, im Deutschen auch teilweise als Börsenkrach bezeichnet, lassen sich so natürlich nicht erklären. Sie sind eine Folge der Tatsache, dass Menschen nicht immer so rational und nüchtern ihr Geld anlegen wie es die obige Erklärung beschreibt. Panik, Herdentrieb und Selbstüberschätzung, das gibt es auch an der Börse. Außerdem haben vor allem professionelle Vermögensverwalter oft Vorgaben zu erfüllen.

Aber der Reihe nach. Ein möglicher Grund für eine Spekulationsblase, die üblicherweise einem Crash vorausgeht, ist Selbstüberschätzung. Anleger wissen, dass die Kurse überteuert sind, sie vermuten aber, dass sie trotzdem noch eine Zeit lang weiter steigen, beispielsweise weil den Anlegern Alternativen fehlen. Sie erwarten einen Crash, doch weil sei ihre Fähigkeiten überschätzen gehen sie davon aus, dass sie den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg schon finden werden. Sie verkaufen deshalb zunächst nicht, obwohl sie die Kurse für zu hoch halten.

Professionelle Vermögensverwalter haben außerdem oft das Problem, dass sie ihren Kunden erklären müssen, warum sie an einem Wertanstieg nicht mehr teilhaben. Sie haben deshalb einen Anreiz der „Herde" zu folgen, auch wenn sie die Aktien für überteuert halten. Ohnehin kann niemand so genau den „waren Wert" einer Aktie bestimmen.

So kommt es zunächst zu einer Spekulationsblase und anschließend zu einem übertriebenen Kursrückgang. Der Rückgang versetzt einige Anleger in Panik, sie verkaufen noch Aktien, obwohl der Kurs längst wieder ein vertretbares Niveau erreicht hat. Um zu starke Kursrückgänge zu vermeiden haben viele Anleger außerdem automatische Verkaufsorder gesetzt, die jetzt ausgelöst werden. Ein Börsenkrach ist deshalb oft eine gute Gelegenheit um anschließend wieder einzusteigen.

Nicht immer folgen Anleger nur streng rationalen Kriterien, deshalb kann es auch zu Übertreibungen kommen.

Wer setzt den Kurs fest?

Der Kurs ist ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage, das hört sich zunächst einmal einfach an. Aber was bedeutet das genau? Zunächst einmal kann man sich den Handel ähnlich wie bei einer Versteigerung vorstellen. Tatsächlich gibt es im Xetra-Handel mehrmals am Tag solche Versteigerungen, einige Nebenwerte werden sogar ausschließlich im Auktionsprinzip gehandelt.

Beim fortlaufenden Handel gehen ständig Kauf- und Verkaufaufträge ein. Die Skontroführer ermitteln daraus den Kurs, zu dem der höchste Umsatz zustande kommt, also zudem möglichst gleich viele Wertpapiere (oder Devisen, Waren, Kilowatt, etc.) ge- und verkauft werden sollen. Würde der Kurs höher festgelegt, würden einige Käufer nicht mehr kaufen wollen, wäre er niedriger einige Verkäufer nicht mehr verkaufen wollen.

Skontroführer setzen die Kurse im laufenden Handel fest, Nebenwerte werden teilweise nur in Auktionen gehandelt.

Wie kann ich handeln?

Wer als Privatanleger an der Börse handeln will, der braucht dafür zunächst einmal einen Broker. Bei der Auswahl sind vor allem niedrige Kosten wichtig, denn die Anbieter sind nur Vermittler an die Börse. Die Zahl der angebotenen Aktien und deren Kurse sind also nicht vom Broker abhängig, sondern von der Börse.

In Deutschland sind vor allem zwei Anbieter sehr beliebt. Das ist zum einen die Frankfurter Börse mit dem von ihr betriebene Xetra-Handel. Daneben gibt es als Alternative die Tradegate Exchange, eine erst 2009 gegründete Börse in Berlin (nicht zu verwechseln mit der Berliner Börse). Die Berliner bieten zwar weniger Wertpapiere, verlangen aber auch geringere Gebühren.

Wer eine Aktie oder einen börsengehandelten Fonds (ETF) kaufen will, der sollte vor allem bei Nebenwerten auch einen Höchstpreis eingeben, den er zu zahlen bereit ist.

Zum Handeln benötigen Anleger einen Broker

Fazit

Am einfachsten kann man sich die Börse wie einen Marktplatz oder wie ein Auktionshaus vorstellen. Grundsätzlich orientieren sich die Preise an den Erwartungen der Anleger über die Zukunft der Firma oder den künftigen Wert der Ware. Wollen mehr Investoren kaufen als verkaufen, dann steigt der Preis, ist es umgekehrt sinkt er. Neben rationalen Überlegungen spielen dabei natürlich auch Gefühle eine Rolle.

weitere_vergleiche_box_aktiendepot

1
0

Unsere Empfehlung
zum Anbieter XTB