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Was sind Hedgefonds? » Beispiele + einfache Erklärung & Definition

Hedgefonds sind in aller Munde, doch nur wenige wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Vielen Anlegern ist außerdem nicht klar, dass auch sie in diese Anlageform investieren können. Aber nicht für jeden Investor sind die Fonds wirklich geeignet.

Was sind Hedgefonds?

  • Verkaufen Aktien teilweise leer
  • Geliehenes Geld hebelt Gewinne (und Verluste)
  • Hochspekulative Anlageform
  • Geringe Regulierung
  • Aktives Fondsmanagement

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Hedgen heißt absichern

geldscheineDas englische Wort Hedge ist mit der deutschen Hecke verwandt – und das ist auch eine von vielen Bedeutungen. Eine Hedge Bank ist in Großbritannien deshalb auch kein Geldinstitut, sondern eine Wallhecke, die einen Hof oder eine Siedlung gegen wilde Tiere oder Angreifer schützen soll. Daraus entstand auch die zweite Bedeutung des Wortes, nämlich die Absicherung.

Hedgefonds, das sind also dem Namen nach Sondervermögen, die den Anleger absichern sollen, beispielsweise gegen Kursverluste, indem Aktien leer verkauft werden. Vor allem handelt es sich dabei um Fonds, die hohe Risiken eingehen. Nicht nur Leerverkäufe sind riskant, sondern auch der Einsatz von geliehenem Geld zu spekulativen Zwecken.


Hedgefonds sind eine riskante Anlageform.

Was macht Hedgefonds so attraktiv – und so riskant?

Hedgefonds sind riskante Anlageprodukte. Sie richten sich vor allem an Großanleger

Hedgefonds sind riskante Anlageprodukte und richten sich vor allem an Großanleger © diego1012 – Fotolia

NewsHedgefonds werben gerne damit, dass sie bei fallenden Aktienkursen Gewinne machen können, etwa indem sie Verkaufsoptionen erwerben oder Aktien leer verkaufen. Beim Leerverkauf werden Aktien veräußert, die der Hedgefonds gar nicht besitzt. Oft leiht er sie sich dafür kurzfristig, verkauft sie und kauft sie erneut vor der vereinbarten Rückgabe. Hier zeigt sich auch schon ein Risiko, denn ist der Aktienkurs nicht wie prognostiziert gefallen, zahlt der Hedgefonds doppelt. Er muss nicht nur die Leihgebühr entrichten, sondern für den Rückkauf auch mehr bezahlen als er vorher erhalten hat.

Hedgefonds sind also nur erfolgreich, wenn ihr Management deutlich besser informiert ist als die übrigen Marktteilnehmer, sonst funktionieren Strategien wie das Fixen (also das Leerverkaufen) nicht. Hat ein Unternehmen beispielsweise eine überraschende Gewinnwarnung veröffentlicht, finden sich keine Käufer mehr, bis der Kurs deutlich gefallen ist. Der Hedgefondsmanager muss vorher schon davon gewusst und verkauft haben.

Dass diese nicht immer richtig liegen zeigen die hohen Verluste einiger Fonds nach dem starken Kursanstieg des Schweizer Franken gegenüber dem Euro im Januar 2015. Der Global Fund von Everest Capital soll beispielsweise fast sein komplettes Kapital verloren haben und wurde geschlossen.


Hedgefonds können auch gegen den Markt zulegen, haben aber ein hohes Risiko.

Hedgefonds oft nur schwach reguliert

Regulierung

Nicht nur am Markt lauern Risiken. Weil Hedgefonds bei ihrer Strategie darauf angewiesen sind, dass ihre Manager besser sind als der Markt, müssen sie hohe Gehälter zahlen. Die Verwaltungskosten sind deshalb oft ebenfalls hoch.

Vor allem aber sind Hedgefonds bisher vergleichsweise schwach reguliert. Das liegt auch daran, dass die ersten Fonds vor allem für Großanleger konzipiert waren. Außerdem hat ein Großteil der Unternehmen seinen Sitz in sogenannten Steueroasen, nach einer Studie der britischen Finanzaufsicht FCA sind allein auf den Cayman Islands zwei Drittel der Hedgefonds beheimatet.

Immerhin ist in Deutschland seit Juli 2013 die Richtlinie 2011/61/EU über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFM) umgesetzt, die ein Mindestmaß an Regulierung vorsieht. Sie gilt auch für Fonds, die ihren Sitz zwar im Ausland haben, deren Management aber überwiegend in der Europäischen Union arbeitet, beispielsweise in London.


Hedgefonds sind eine riskante Anlageform, da sie bisher wenig reguliert sind.
Bild Geier/Gier

Hedgefonds haben keinen guten Ruf. Foto: Anja Disseldorp

Besonderheit: Deutsche Hedgefonds

Steuer
Eine Besonderheit sind die in Deutschland offiziell zugelassenen Hedgefonds. Hier ist umstritten, ob es sich überhaupt um „echte" Hedgefonds handelt, denn aufgrund der Regulierung können sie nicht alle Geschäfte tätigen, die in Steueroasen sitzende Fonds ausführen dürfen.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) unterscheidet dabei zwei Typen, nämlich

  • Single-Hedgefonds und
  • Dach-Hedgefonds.

Erstere dürfen im Gegensatz zu regulären Investmentfonds Kredite nutzen, um damit das Anlagevolumen zu erhöhen (Leverage). Außerdem sind ihnen Leerverkäufer erlaubt, was reguläre Fonds nicht dürfen. Allerdings ist ihr Vertrieb nur an Großanleger und professionelle Vermögensverwalter zugelassen, nicht aber an Privatpersonen.

Gekauft werden dürfen sie beispielsweise von sogenannten Dach-Hedgefonds, in die auch Privatanleger investieren dürfen. Dabei soll eine größere Risikostreuung erreicht werden, indem maximal 20 Prozent des Fondsvermögens in einen einzigen Hedgefonds investiert werden dürfen. Das kann sowohl ein ausländischer als auch ein deutscher Fonds sein.


Deutsche Single-Hedgefonds stehen nur Profiinvestoren offen, Privatanleger können aber in Dach-Hedgefonds investieren.

Für wen lohnt sich ein Hedgefonds?

zielgruppeVor allem die hohen Gewinne von Hedgefonds haben es in die Schlagzeilen geschafft. Allerdings streiten Finanzexperten noch, ob diese Anlageform im Durchschnitt wirklich höhere Renditen bringt als klassische Aktienfonds oder ETFs. Kritiker verweisen vor allem auf die hohen Gebühren.

Einig sind sich die meisten Marktbeobachter aber, dass eine Investition in diese Fonds langfristig sein und nur einen Teil des Vermögens umfassen sollte. Kaum jemand würde empfehlen, die komplette Ersparnis derart risikoreich anzulegen, vor allem wenn es nur für einen kurzen Zeitraum ist. Vielmehr sind Hedgefonds bestenfalls ein zusätzlicher Baustein in einer langfristigen und diversifizierten Anlagestrategie. Deshalb kommen als Käufer vor allem finanzstärkere Investoren in Betracht, wer insgesamt nur 1.000 Euro investieren will, für den lohnt es sich nicht fünf Prozent davon in einen Hedgefonds zu stecken.


Der Nutzen von Hedgefonds ist umstritten, wenn sollten vor allem langfristige Anleger investieren, allerdings nur einen kleinen Teil ihres Vermögens.

Wie wähle ich einen Hedgefonds?

SteuerPrivatanleger sollten bei der Wahl des richtigen Hedgefonds vorsichtig sein. Mitunter kann der Kauf eines regulierten Dach-Hedgefonds eine gute Idee sein. Zwar verursacht die Konstruktion zusätzliche Kosten, weil nicht nur die Gebühren der Hedgefonds, sondern auch das Management der Dach-Gesellschaft gezahlt werden muss. Außerdem liegt die Rendite niedriger als wenn das gesamte Geld in einen Spitzen-Fonds gesteckt wird.

Doch im Regelfall steht erst am Ende der Laufzeit fest, welcher Hedgefonds wirklich spitze war. Ein Blick auf die zurückliegende Wertentwicklung ist keine Garantie für Erfolge in der Zukunft, ein Dachfonds kann hier immerhin das Risiko etwas streuen helfen.

In jedem Fall sollten Anleger darauf achten, dass der Fonds in Europa reguliert ist und sich auch über die Philosophie des Managements informieren.


Dach-Hedgefonds helfen, das Risiko einer Pleite zu verringern. Außerdem sind sie mitunter in Deutschland reguliert.

Fazit

Hedgefonds sind riskante Anlageprodukte und richten sich vor allem an Großanleger. Ob sie im Durchschnitt wirklich erfolgreicher sind als reguläre Fonds ist umstritten. Privatanleger sollten nur einen kleinen Teil in diese Anlageform investieren, am besten in einen Dach-Hedgefonds.

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Bildquelle:

© diego1012 – Fotolia_77642535_XS

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