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US Staatsanleihen kaufen als Alternative zu Minizinsen?

Sichere europäische Anleihen sind schlecht verzinst, mitunter müssen Anleger sogar Geld dafür bezahlen, dass sie dem Finanzminister Geld leihen dürfen. In den USA hat man dagegen früher mit dem Drucken von Geld begonnen und denkt über einen Kurswechsel in der Geldpolitik nach. Außerdem versprechen Anleihen in US-Dollar bei einem weiteren Kursrückgang des Euro noch einen Devisenhandelsgewinn. Sind US Staatsanleihen also die bessere Wahl als Bundesanleihen?

US Staatsanleihen kaufen in Stichpunkten

  • Höhere Zinsen als in Deutschland
  • Wechselkursrisiko und -chance
  • Entwicklung abhängig von US-Wirtschaft

Infografik: Zinssatz von Staatsanleihen | Statista

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Zinsen auf dem Tiefpunkt

US Staatsanleihen kaufenImmer wieder haben Philosophen und Prediger das Einnehmen von Zinsen verboten. Im 2. Buch Mose des Alten Testaments heißt es dazu „Falls du (einem aus) meinem Volk, dem Elenden bei dir, Geld leihst, dann sei gegen ihn nicht wie ein Gläubiger; ihr sollt ihm keinen Zins auferlegen“.

Papst Innozenz III lies das Nehmen von Zinsen 1215 deshalb für Christen verbieten, weshalb Juden die Rolle der Geldverleiher übernahmen. Denen war das auch untersagt, allerdings befanden einige Gelehrte, dass mit „mein Volk" nur andere Juden gemeint waren, vor allem angesichts der Diskriminierung der Juden in der mittelalterlichen Gesellschaft. Erst 1830 wurde der Zins von der katholischen Kirche offiziell erlaubt. Noch weiter geht der Marxismus, der Kapitaleinkünfte generell ablehnt.

So gesehen dürften Zinskritiker aktuell ihre Freude haben, denn Bundesanleihen bringen heute oft keine Zinsen mehr. Selbst Staatsanleihen mit mehreren Jahren Laufzeit habe oft eine negative Rendite, un da ist die Inflation noch gar nicht berücksichtigt. Im April 2014 überschritt der BUND Future den Wert von 160, ein Hinweis darauf, dass die Investoren auch für Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit negative Renditen erwarten. Eine Situation, die es in der Schweiz längst gibt.

Facebook Aktien Beispielbild

„Amerika, du hast es besser", dichtete Goethe einst. Gilt das auch für US-Staatsanleihen? Foto: Flickr @ Patrick Nouhailler

Dass es überhaupt zu negativen Zinsen kommt liegt daran, dass Großinvestoren ihr Geld nicht einfach unters Kopfkissen legen können. Das Abheben und Verwahren im Bankschließfach verursacht ebenfalls Kosten, deshalb nehmen die Investoren lieber  Negativzinsen in Kauf.

Die Zinsen für Bundesanleihen sind teilweise negativ. Die Käufer bezahlen damit eine Prämie für die Aufbewahrung ihres Geldes.

Warum sind US-Staatsanleihen höher verzinst?

Dass griechische Anleihen oder gar solche aus afrikanischen Staaten höhere Renditen bringen als die des Bundes liegt auf der Hand. Anleihen der Republik Gabun boten Mitte 2015 eine Rendite von 5,4 Prozent, haben allerdings auch ein höheres Ausfallrisiko als deutsche Staatsanleihen.

Doch die USA gelten ebenfalls als sicherer Hafen, sie dominieren nach wie vor die technologische Entwicklung, auch wenn Streitigkeiten zwischen Demokraten und Republikanern in Washington schon mehrmals einen Zahlungsausfall realistische werden liesen.

Amerika, du hast es besser
Als unser Kontinent, das alte,
Hast keine verfallenen Schlösser
Und keine Basalte.
Dich stört nicht im Innern,
Zu lebendiger Zeit,
Unnützes Erinnern
Und vergeblicher Streit.
Benutzt die Gegenwart mit Glück!
Und wenn nun eure Kinder dichten,
Bewahre sie ein gut Geschick
Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten.
Johann Wolfgang von Goethe, Zahme Xenien, Den Vereinigten Staaten

 

Zuletzt haben Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank die Zinsen weiter gedrückt. Nun könnte man erwarten, dass europäische Investoren jetzt in US-Anleihen umschichten und diese damit genauso unter Druck geraten. Allerdings sind die Märkte nicht ganz so global, wie es manchmal den Anschein hat. Deutsche Investoren bevorzugen mitunter eine deutsche Staatsanleihe, auch wenn die amerikanische bei ähnlich hohem Risiko höher verzinst ist.

Es gibt aber auch ganz handfeste Gründe, warum europäische Anleger ihr Geld lieber in Deutschland anlegen. Der eine ist die Angst, dass die US-Regierung und die US-Gerichte sich im Zweifelsfall wenig um europäische Anleger scheren und sich bei einem Zahlungsausfall nur um die US-Gläubiger bemühen würden. Vor allem aber droht ein Wechselkursrisiko. Sollte der Dollar gegenüber dem Euro wieder an Wert verlieren, würde aus einem soliden Gewinn in US-Dollar nach dem Tausch in Euro ein Verlust.

Für andere Anleger ist gerade der Wechselkurs ein Grund um in US Staatsanleihen zu investieren. Denn wenn sich die US-Wirtschaft erholt, dann könnte der US-Dollar noch weiter zulegen. Immerhin lag der Wert des Euro im Jahr 2000 schon mal bei rund 1,20 Euro.

Vor allem wegen des Wechselkurses legen viele Investoren trotz Minizinsen ihr Geld lieber im Euroraum an. Allerdings bieten Kursänderungen am Devisenmarkt auch Chancen.

Worauf Anleger achten müssen

ausrufezeichenWer in US-Anleihen investiert, der sollte sich mit dem Wechselkurs beschäftigen. Wer davon ausgeht, dass sich die USA wirtschaftlich weiterhin besser entwickeln als der Euroraum und die dortige Notenbank eine restriktivere Geldpolitik fährt als die EZB, für den können US-Anleihen eine gute Wahl sein.

Dabei sollten Anleger auf die Restlaufzeit achten. Denn wenn die Vorhersagen zutreffen und die Zinsen weiter steigen, dann bedeutet das auch weiter fallende Anleihenkurse. Wer dagegen unsicher über den Wechselkurs ist, der kann mit länger laufenden Anleihen seine Position ein Stück weit absichern. Denn sollte die Fed ihre Strategie überdenken und die Zinsen wieder senken, dürfte zwar der Dollar an Wert verlieren, dafür aber der Wert der Anleihen steigen.

Darüber hinaus lässt sich eine Position natürlich über Optionen oder Futures absichern, doch ob dann noch ein Gewinnplus bleibt ist fraglich und muss von Fall zu Fall beantwortet werden. Außerdem müssen es nicht immer US-Staatsanleihen sein, auch im europäischen Raum gibt es höher verzinste Alternativen. Zumal sich Anleger über die höheren Risiken im Klaren sein sollten, denn bei einem Zahlungsausfall ist es weit schwieriger an das Geld zu kommen als bei inländischen Staatsanleihen.

Detroit Pleite

Detroit ist pleite, auch wenn es nicht überall so aussieht wie hier. Foto: Flickr @ Rick Harris

Außerdem gilt das Gesagte nur für Staatsanleihen der US-Bundesregierung. Denn die Staaten haben in den USA weitaus mehr Eigenständigkeit als die deutschen Länder. Bei der Pleite einer Kommune oder eines Bundesstaates können Anleger deshalb nicht darauf zählen, dass die Schulden von der nächsthöheren staatlichen Instanz übernommen werden. Schon 2013 ging die Autostadt Detroit Pleite, 1933 war mit Arkansas sogar schon einmal ein Bundesstaat in die Insolvenz geschlittert. Zahlungen des Bundes sind zwar möglich, vor allem republikanische Abgeordnete lehnen das aber ab.

US-Staatsanleihen werden teilweise auch an deutschen Börsen gehandelt und lassen sich damit über die meisten Broker wie europäische Papiere oder Aktien ordern.

Wer US-Staatsanleihen kauft, der sollte sich Gedanken über den Wechselkurs machen. Steigt der US-Dollar weiter, bringt das eine zusätzliche Rendite, ein Euro-Anstieg führt dagegen zu Wertverlusten.

Fazit

US-Staatsanleihen bringen höhere Renditen. Investieren sollten Anleger aber nur, wenn sie auch einen steigenden US-Dollar erwarten. Als Teil einer Diversifizierungsstrategie kann der Kauf durchaus sinnvoll sein, als Großinvestment ist er riskant. Wer Staatsanleihen und Kommunalobligationen von Bundesstaaten und Gemeinden kaufen will muss außerdem beachten, dass deren Schulden bei einer Zahlungsunfähigkeit nicht automatisch von der nächsthöheren Instanz übernommen werden. 1933 musste schon einmal ein US-Staat Insolvenz anmelden, 2013 immerhin die Motor City Detroit.

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