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UNTERNEHMENSANLEIHEN KAUFEN – SOLLTE MAN DAS JETZT NOCH TUN?

Aktie des Monats - RWE

Eine jährliche Zinszahlung von 7,3 Prozent und ein Kursplus von 35 Jahren – wer 2010 Anleihen der Metropolitano de Lisboa gekauft hat, der hat damit viel Geld verdient. Wer heute dagegen einsteigt und die Anleihe bis zum Ende der Laufzeit 2025 hält, der darf nur mit einer Rendite von 3,3 Prozent rechnen. Ist es für den Kauf von Unternehmensanleihen schon zu spät?

Unternehmensanleihen kaufen?

  • Sicherer als Aktien
  • Höhere Zinsen heißt höheres Risiko
  • Hohe Kurse bedeuten niedrige Zinsen
  • Zinserhöhung würde Kurse fallen lassen

Unternehmensanleihen als sichere Alternative?

Die Aktienkurse sind schwindelerregend hoch und deutsche Staatsanleihen sind mittlerweile negativ verzinst. Da liegt die Idee nahe, Unternehmensanleihen zu kaufen. Zumal sie teilweise noch Extras bringen wie das Recht, die Rückzahlung in einer bestimmen Anzahl von Aktien zu verlangen. Damit gibt es auch noch die Chance auf ein Kursplus, entwickelt sich der Kurs gut, dann liegt der Wert der getauschten Aktien nämlich über dem Nennwert.

Allerdings liegen die Zinsen mittlerweile bei Vorzeigeunternehmen wie BMW sogar unter denen für Festgeld. Das liegt daran, dass viele institutionelle Anleger wie Versicherungen ihr Geld nicht so ohne weiter auf ein Festgeldkonto legen können, beispielsweise weil sie flexibel darüber verfügen müssen. Sie sind damit mehr oder weniger dazu gezwungen, Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen großer und stabiler Firmen zu kaufen.

Der Kursverlauf einer BMW Anleihe (ISIN XS0364671346 ). Der stetige Kursrückgang am Ende der Laufzeit ist nicht überraschend, denn am Ende der Laufzeit wird nur der Nennwert zurückgezahlt. Deshalb nähert sich der Kurs nach und nach dem Nennwert an. Screenshot von Onvista.de

Der Kursverlauf einer BMW Anleihe (ISIN XS0364671346) mit einem Zinskupon von 5,0 Prozent. Der stetige Kursrückgang zum Ende der Laufzeit ist nicht überraschend, denn am Fälligkeitstag wird nur der Nennwert plus Zinsen zurückgezahlt. Deshalb nähert sich der Kurs nach und nach dem Nennwert an. Screenshot von Onvista.de

Ob ähnliche Kursgewinne noch einmal möglich sind, ist eher fraglich, denn sie sind die Folge von Zinssenkungen. Weil neuere Anleihen immer weniger Rendite boten, wurden die alten, hochverzinsten Papiere plötzlich wertvoll. Neuere, niedriger verzinste Papiere würden nur im Kurs steigen, falls die Zinsen noch niedriger sinken. Steigen sie, würden die Anleihen dagegen im Wert verlieren.

Kursgewinne wie bei der Anleihe der Metropolitano de Lisboa oder auch der BMW Anleihe mit der ISIN XS0364671346 sind ohnehin nur vorrübergehender Natur. Wer die Anleihe bis zum Ende hält, erhält nur den Nennwert. Wer vorzeitig verkauft kann zwar einen Kursgewinn machen, er verliert aber damit eine attraktiv verzinste Geldanlage.

Am Ende der Laufzeit nähert sich der Kurs deshalb immer dem Nennwert. Bei einer Restlaufzeit von einem Jahr waren die Investoren noch bereit, rund 104 Euro für eine BMW-Anleihe im Wert von 100 zu zahlen. Denn für das eine Jahr erhielten sie Zinsen von 5,0 Prozent, nach Abzug der Differenz zwischen Kaufpreis und Rückzahlungspreis (Nennwert) blieb noch eine Rendite von rund einem Prozent.

Ein halbes Jahr später sah es aber schon anders aus, weil der Anleihengläubiger dann nur noch das Anrecht auf die Hälfte des Kupons hat. Entsprechend sank auch der Kurs, einen Monat vor Ablauf lag er noch bei 100,33 Euro, die Rendite entsprach trotzdem nur einer jährlichen Verzinsung von 0,77 Prozent.

Bei Zinssenkungen steigen die Anleihenkurse, bei Zinserhöhungen fallen sie.
Unternehmensanleihen kaufen Beispielbild

7,3 Prozent Zinsen pro Jahr und eine Kurssteigerung von 35 Prozent: Die Anleihe der Lissaboner Nahverkehrsgesellschaft Metropolitano de Lisboa hat sich gut entwickelt. Foto: Flickr @ Ingolf

Mehr Risiko, mehr Rendite

Höhere Renditen sind möglich, wo mehr Risiko eingegangen wird. Das kann entweder die Anleihe eines weniger sicheren Unternehmens sein, eine nachrangige Anleihe oder ein Wertpapier mit Wandlungsrecht durch den Schuldner.

Eine Anleihe der BDT Media aus Rottweil brachte im April 2015 beispielsweise eine Rendite von rund 35 Prozent. Der mögliche Gewinn ergibt sich aus einem Zinskupon von 8,125 Prozent und der Tatsache, dass das Papier nur zu rund 60 Prozent des Nennwertes gehandelt wurde. Das liegt daran, dass das Unternehmen als weniger sicher gilt als ein DAX-Konzern. Im Fall einer Pleite wäre ein Teil des Gelds oder sogar alles verloren, ganz zu schweigen von dem jahrelangen Insolvenzverfahren, während dessen die Anleger auf ihr Geld warten müssen.

Die Anleihen von Unternehmen mit vermeintlich höherem Pleiterisiko sind höher verzinst.
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Tier-Anleihen als Alternative?

Risikoreicher als reguläre Anleihen sind aber auch sogenannte Tier-Anleihen. Tier hat hier nichts mit der Fauna zu tun, sondern kommt vom englischen Tier für Rang. Gemeint sind hier aber insgesamt nachrangige Anleihen, erstrangige Anleihen werden auch als Senior-Anleihen bezeichnet. Auf den ersten Blick verwirrend ist auch, dass Tier3-Anleihen im Pleitefall die sichersten der „Tierchen" sind.

Die Reihenfolge bei einer Unternehmensliquidation lautet:

  1. Erstrangige („normale") Anleihen
  2. Tier 3-Anleihe und Lower Tier 2-Anleihen
  3. Upper Tier 2-Anleihen
  4. Tier 1-Anleihen
  5. Aktien

Eine weitere Besonderheit sind Wandelanleihen, bei denen der Schuldner über die Wandlung entscheidet. Bei Klassischen Wandelanleihen kann der Gläubiger die Wandlung in Aktien verlangen, beispielsweise wenn der Kurs sich sehr gut entwickelt hat. Bei bestimmten Anleihentypen wie CoCo-Bonds findet die Wandlung aber statt, wenn der Schuldner eine bestimmte Eigenkapitalquote unterschreitet. Statt einer Rückzahlung in GELD erhält er nur, in diesem Fall meist relativ wertlose Aktien. Als Gegenleistung sind aber auch die Zinsen höher.

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Fazit

Attraktive Zinsen gibt es auch bei Unternehmensanleihen nur, wenn auch mehr Risiko eingegangen wird. das kann durch den Kauf von Anleihen von Unternehmen mit geringer Bonität, nachrangige Anleihen oder besondere Wertpapierarten wie CoCo-Bonds

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