Turbo-Zertifikate: Wenn die Juristen sprechen – Was diese Formulierungen bedeuten können!

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 10.05.2020


Unter uns: Wer liest schon die Verkaufsprospekte von Scheinen wie Turbo-Zertifikaten? Zumal, wenn diese auf Juristen-Englisch verfasst sind? Deren Lektüre ist wahrscheinlich nicht so angenehm wie die von den Beiträgen auf www.aktiendepot.com (hoffentlich). Doch es kann sich durchaus lohnen, zumindest einmal einen „Standard-Verkaufsprospekt“ bestimmter Anbieter anzuschauen. Denn manchmal finden sich da höchst aufschlussreiche Formulierungen in so einem Verkaufsprospekt. Ich erwähne dies in diesem Beitrag, weil ich ein sehr interessantes Beispiel für eine solche Formulierung gefunden habe und Ihnen dies mitteilen möchte. Hier die Details:

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Verkaufsprospekte: Höchst aufschlussreiche Formulierungen

Hier ein konkretes Beispiel für eine Formulierung, die es in einen Verkaufsprospekt eines Zertifikats geschafft hat. Da habe ich diese Formulierungen gelesen:

„Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch, dass die Anbieterin und mit ihr verbundene Unternehmen im Rahmen ihrer üblichen Geschäftstätigkeit bzw. zur Absicherung von Risikopositionen aus den begebenen Optionsscheinen Geschäfte in dem Basiswert bzw. in auf den Basiswert bezogenen Derivaten tätigen, und dass insbesondere unter ungünstigen Umständen (niedrige Liquidität des Basiswertes) ein solches Geschäft den Eintritt eines Stopp-Loss-Ereignisses auslösen kann.“

Was solche Formulierungen bedeuten können:

Eine solche Formulierung in der zweiten Hälfte eines Verkaufsprospektes wird von einem Privatanleger/einer Privatanlegerin wahrscheinlich gerne überlesen (sofern überhaupt jemand sich die Mühe macht, in den Verkaufsprospekt zu schauen). Dabei ist diese Formulierung höchst aufschlussreich: Denn es geht hier um die bereits von mir beschriebene „Anziehungskraft“ der Knock-Out-Barriere. Beispiel schrittweise Auflösung der Hedging-Position eines Emittenten, wenn diese Knock-Out-Barriere in Reichweite rückt. Obige Formulierung sagt nichts anderes als das, dass gerade diese schrittweise Auflösung dann zum Auslösen des Knockouts führen kann! Dieses Risiko besteht meiner Ansicht nach verstärkt bei Scheinen, die bei Erreichen der Knock-Out-Barriere wertlos verfallen. Andererseits besteht bei Scheinen, bei denen bei Erreichen der Knock-Out-Barriere noch ein Restwert ausbezahlt wird, dieses Risiko nicht bzw. lediglich in verringerter Form: Denn bei dieser Kategorie löst der Emittent seine Hedge-Position wahrscheinlich auch erst bei Erreichen der Knock-Out-Barriere aus.

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Knock-Out-Barriere – die Schlussfolgerungen:

Wenn der Kurs des Basiswertes dieser Knock-Out-Barriere sehr nahe rückt und es sich um Long- und Short-Zertifikaten ohne Restwertauszahlung handelt – dann kann ich Sie nur warnen, aus obigem Grund! Einige Trader(innen) setzen – wie ich das mitbekommen habe – leider gerade auf solche Scheine, weil diese den höchsten Hebel haben. Das mit dem Hebel stimmt zwar – aber dafür wirkt die fatale Anziehungskraft der Knock-Out-Barriere, aufgrund der schrittweisen Auflösung der Heding-Positionen. Und diese potenzielle Anziehungskraft wird umso größer, je näher die Knock-Out-Barriere rückt. Mein Rat ist: Finger weg von diesen Scheinen mit sehr nah sitzender „KO-Barriere“ und gleichzeitigem Totalverlust bei Erreichen der Knock-Out-Barriere.

Was das Eingreifen des Emittenten bedeuten kann

Um das einzuordnen: Das ändert nichts daran, dass Long- und Short-Zertifikate, bei denen die Knock-Out-Barriere komfortabel weit entfernt sind, sehr gute Instrumente zum optimalen Ausreizen einer Kursbewegung sind. Ich halte jedoch nichts davon, nur die Vorteile bestimmter Anlageformen zu betonen, sondern möchte Sie auch vor den Risiken warnen. Und das Verständnis der Funktionsweise bzw. möglicher Handlungen des Emittenten (die den Kurs des Basiswertes beeinflussen können) gehören dazu. Diese Möglichkeiten sollten Sie kennen – nicht ohne Grund finden sich in den Verkaufsprospekten Formulierungen wie die oben genannte.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, diese Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.