Tesla-Aktie auf Weg zu neuen Hochs – So wird der Sprung des Unternehmens in die schwarzen Zahlen vorbereitet!

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 14.07.2020


Tesla bzw. der Chairman und CEO Elon Musk ist wirklich ein Phänomen und ein Pionier im Bereich der Elektro-Mobilität. Jüngster Paukenschlag: Der Produktionsstart des Hoffnungsträgers „Model 3“. Dieses Modell wurde im Frühling 2016 vorgestellt – mit einem damals sehr beeindruckenden Erfolg: Laut Wikipedia gab es innerhalb der ersten drei Tage nach der Vorstellung rund 276.000 Reservierungen für ein „Model 3“. Und diese Reservierungen waren keineswegs unverbindlich, denn es war eine Anzahlung von 1.000 US-Dollar erforderlich. Mit anderen Worten: Alleine durch diese Aktion konnte Tesla mal eben 276 Mio. Dollar an Anzahlungen einsammeln und so direkt einen Teil der Produktion vorfinanzieren. Das muss man sich mal vorstellen – bei welchem anderen Auto-Anbieter würden Kunden ein Auto anzahlen, das sie erst frühestens ca. 1,5 Jahre später auch erhalten werden? In diesem Beitrag geht es um Tesla und natürlich um die Tesla-Aktie. Denn es gilt auch auf die Bewertung und Kennzahlen zu achten, um einschätzen zu können, ob die Tesla-Aktie entweder auf dem Weg zu neuen Hochs ist – oder ob sie bereits jetzt massiv überbewertet ist und herbe Kursverluste drohen. Also nehmen wir das Unternehmen inklusive der Kennzahlen etwas genauer unter die Lupe. Nun zu den Details:

Hier der Blick auf die Details: 

  1. Tesla und die Höhe der Marktkapitalisierung
  2. Q2: Stagnation im Vergleich zum Vorquartal!
  3. Tesla: Neue Emission mit 1,5 Mrd. Dollar Volumen anvisiert
  4. Fazit: Tesla-Aktie auf Weg zu neuen Hochs? (8/2017)

Model 3 könnte für Tesla neue Käuferschichten erschließen

Nun ist es also der Produktionsstart des „Model 3“ bei Tesla erfolgt. Wieso dieser neue Elektro-Auto ein Hoffnungsträger ist? Ich zitiere dazu Tesla selbst auf der deutschsprachigen Internetseite des Unternehmens. „Das Model 3 kombiniert Reichweite, Performance, Sicherheit sowie ein großzügiges Platzangebot in einem Fahrzeug, wie es nur Tesla bauen kann. Unser bis dato erschwinglichstes Modell ermöglicht eine Reichweite von bis zu 345 Kilometer und startet preislich bereits bei 35.000 USD vor steuerlichen Anreizen.“ Da sehen wir es bereits: Der Preis ist im Vergleich zu den vorigen Modellen erheblich niedriger – wodurch sich Tesla völlig neue Käuferschichten erschließen kann. Nun muss man nicht mehr Millionär sein, um sich einen Tesla leisten zu können, denn nun könnten sich auch Autofahrer(innen) der gehobenen Bürgerschicht einen Tesla leisten – eben das „Model 3“!

Tesla: Es gilt zu differenzieren – Unternehmen „an sich“ und Aktie!

Was ich von Tesla halte? Ich würde sehr gerne einen fahren, wenn ich das notwendige Kleingeld hätte! Doch ich möchte hier differenzieren zwischen dem Unternehmen Tesla und der Qualität der Elektro-Autos sowie der Bewertung der Aktie. Beide Einschätzungen müssen nicht zu denselben Ergebnissen führen. Das gilt im Grunde im Hinblick auf alle börsennotierten Unternehmen. Ein Unternehmen kann „klasse“ sein – und dennoch muss die Aktie kein aussichtsreiches Investment sein, beispielsweise weil der Aktienkurs schon ein Mondniveau erreicht hat (z.B. in einer Spekulationsblase), das fundamental nicht ansatzweise gerechtfertigt ist. Schauen wir auf die Fundamentaldaten:

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Tesla und die Höhe der Marktkapitalisierung

Zunächst die Marktkapitalisierung. Ich habe Anleger sinngemäß sagen gehört „tolle Firma, da kaufe ich die Aktie“ – und das, obwohl sie gar nicht wissen, wo der Aktienkurs steht oder wie die Aktie bewertet ist. Klar, eine Firma kann klasse sein, super Produkte und auch im Hinblick auf die eigenen Wertvorstellungen überzeugend. Trotzdem kann die Aktie schlicht und eifach zu teuer sein! Bei Tesla beginne ich mit dem Blick auf die Marktkapitalisierung. Diese errechnet sich, indem die Anzahl der Aktien mit dem aktuellen Kurs multipliziert wird. Sinngemäß bedeutet dies: Wenn Sie zum aktuellen Kurs alle Aktien des Unternehmens kaufen könnten, wieviel Geld müssten Sie dafür (ohne Nebenkosten) aufbringen? Bei Tesla sind das am 9. August 2017 knapp 60,7 Mrd. Dollar gewesen.

Tesla: 60,7 Mrd. Dollar – zum Vergleich Daimler: 75,3 Mrd. Dollar

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Um einen Vergleich zu nennen: Zu dem Zeitpunkt hatte Daimler eine Marktkapitalisierung von rund 64,2 Mrd. Euro bzw. umgerechnet rund 75,3 Mrd. Dollar. Also 60,7 Mrd. Dollar (Marktkapitalisierung Tesla) versus 75,3 Mrd. Dollar (Marktkapitalisierung Daimler). Gar kein so großer Unterschied. Doch der Unterschied wird gewaltig, wenn wir uns die Zahl der Auslieferungen von Fahrzeugen im ersten Quartal 2017 anschauen. Da lieferte Daimler laut eigenen Angaben genau 583.649 Fahrzeuge aus. Bei Tesla hingegen lag die Zahl der Auslieferungen bei 25.051. Natürlich, hier geht es um unterschiedliche Fahrzeuge – und mit Tesla setzen die Aktionäre eben auf „Elektromobilität pur“. Aber zum Einstieg finde ich diesen Vergleich der Größenordnungen nicht verkehrt. Und es gibt ja auch noch andere Unternehmen, die auf Elektro-Mobilität setzen, und wer sagt denn, dass dies die alleinige Domäne von Tesla bleiben wird? Nun aber der Blick auf die aktuellen Zahlen von Tesla:

Tesla: Die Zahlen zum zweiten Quartal 2017

  • Anfang August veröffentlichte Tesla die Geschäftszahlen zum zweiten Quartal 2017. Hier gilt es zu beachten, dass die Produktion des „Model 3“ erst im Juli und damit unmittelbar nach dem Ende des zweiten Quartals erfolgt ist – die entsprechenden Zahlen zu Produktion und Absatz des „Model 3“ sind also naturgemäß noch nicht in den Zahlen drin. Wann es die Zahlen zum dritten Quartal 2017 geben soll, stand zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags noch nicht fest (Zitat Tesla: „Details on upcoming events are not yet available.“)
  • Die Umsätze stiegen bei Tesla im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal kräftig. Im zentralen Bereich Automobile gab es einen Anstieg um satte 93% auf 2,29 Mrd. Dollar. Im Vergleich zu Automobil-Riesen wie Daimler oder Volkswagen sind das eher „Peanuts“ – aber das Wachstum ist äußerst beachtlich.
  • Zu den Umsätzen kamen rund 286,8 Mio. Dollar Umsätze im Bereich Energie (Gewinnung und Speicherung) hinzu. Dieses Segment hatte ein Jahr zuvor noch kaum Umsätze eingefahren, der Wert des Vorjahresquartals lag bei gerade einmal knapp 4 Mio. Dollar. Hier gibt es starkes Wachstum. Auch gegenüber dem Vorquartal – als die Umsätze bei rund 213,9 Mio. Dollar lagen.
  • Die Zahl der Auslieferungen stieg bei Tesla im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahresquartal um 53%. Hier fällt auf, dass die Umsätze erheblich stärker stiegen (+93%) als die Zahl der Auslieferungen (+53%). Mit anderen Worten: Hier wurden wahrscheinlich höherpreisige Wagen verkauft bzw. es konnten Preissteigerungen durchgesetzt werden. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass Tesla ja auch wie bereits zuvor erwähnt für das „Model 3“ innerhalb weniger Tage Anzahlungen im Bereich 276 Mio. Dollar erhalten konnte. Mit anderen Worten: Umsatz jetzt – Auslieferung erst zu einem Zeitpunkt in der Zukunft.

Quelle: Tesla Second Quarter 2017 Update

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Q2: Stagnation im Vergleich zum Vorquartal!

Zu den nicht so überzeugenden Punkten: Im Vergleich zum Vorjahresquartal sehen die Wachstumszahlen sehr beeindruckend aus. Doch im Vergleich zum Vorquartal sieht es anders aus, denn da gab es eher eine Stagnation oder gar kleine Rückgänge. Beispiel Umsätze im Automobilbereich: 1. Quartal 2017 waren es 2,2896 Mrd. Dollar Umsätze. 2. Quartal 2017 dann 2,2866 Mrd. Dollar. Das ist kein Anstieg, sondern eine Stagnation bzw. ein Mini-Rückgang. Keine große Sache, aber es ist mir aufgefallen. Und gegenüber dem 1. Quartal 2017 sank auch die Brutto-Marge in diesem Bereich (Non-GAAP Bilanzierung), und zwar von 27,8% auf 25,0%. Und wie war die Lage eigentlich in Bezug auf das Ergebnis, sprich Gewinn oder Verlust?

Hoher Verlust pro Aktie im zweiten Quartal

Unter dem Strich gab es bei Tesla im zweiten Quartal tiefrote Zahlen. Demnach lag der Verlust pro Aktie bei Tesla im zweiten Quartal 2017 bei beachtlichen 2,04 Dollar. Es wurde also wieder Geld verbrannt – oder „konsumiert“, wie es Tesla formulierte. Laut Angaben des Unternehmens wurden im zweiten Quartal 51 Mio. Dollar Cash „konsumiert“. (Originaltext: “…we consumed $51 million of cash in Q2.”)

Tesla: 3 Mrd. Dollar auf der hohen Kante

Das ist so lange kein Problem, so lange die Cash-Bestände recht hoch sind. Und zum Ende des zweiten Quartals waren sie es, denn da meldete Tesla Cash-Bestände in Höhe von rund 3 Mrd. Dollar. Aber auch der höchste Berg an „Cash“ ist irgendwann weg, wenn Quartal für Quartal unter dem Strich Geld verbrannt – bzw. konsumiert – wird! Ich finde es nicht problematisch, wenn Tesla in der aktuellen Wachstumsphase noch keine Gewinne schreibt. Allerdings fände ich es besser, wenn der Verlust Schritt für Schritt verringert wird – sozusagen analog zu den stark steigenden Umsätzen. Ich persönlich finde, dass Tesla ab dem „Model 3“ schon zeigen sollte, auch profitabel arbeiten zu können.

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Die Verluste wurden nicht verringert, im Gegenteil

Doch bei Tesla war es zuletzt genau das Gegenteil. Denn das im zweiten Quartal verbrannte Geld war mehr als das im ersten Quartal verbrannte. Tesla verweist da auf höhere Lagerbestände zur Begründung. Doch das finde ich auch nicht besonders prickelnd – einerseits leisten die Kunden für das „Model 3“ Anzahlungen, obwohl erst deutlich später geliefert wird. Und bei den bestehenden Modellen bauen sich Lagerbestände auf? Das gilt es, im Hinblick auf die Produktions- und Auslieferungszahlen im weiteren Jahresverlauf im Blick zu behalten!   

Tesla: Neue Emission mit 1,5 Mrd. Dollar Volumen anvisiert

Was ich ganz interessant finde: Am 7. August 2017 teilte Tesla mit, neue Anleihen im Volumen von 1,5 Mrd. Dollar emittieren zu wollen. Diese sollen eine Laufzeit bis 2025 haben, Kupon und Ausgabekurs sollen noch festgelegt werden. Die Mittel sollen für den Zeitraum des „rapid scaling“ nach dem Start des Model 3 verwendet werden, und für allgemeine Unternehmenszwecke („general corporate purposes“). Doch dafür sollten doch eignetlich die 3 Mrd. Dollar „Cash“ reichen – oder doch nicht?

Was sind die Hintergründe der neuen Emission?

checklisteInsofern stellt sich hier durchaus die Frage: Wieso diese neuen Schulden? Ist das hier eine reine Vorsichtsmaßnahme (und Tesla kann sich ja wahrscheinlich zu geringen Zinsen frisches Kapital sichern), oder ist gar noch ein weiteres größeres Projekt, eine Überraschung geplant? Oder soll doch noch eingeplant werden, dass über längere Zeiträume = Jahre hinweg noch rote Zahlen geschrieben werden? Das ist offen, denn es gab zu der geplanten Emission außer den genannten Hinweisen keine ausführlichen weiteren Angaben, wie das im Hinblick auf die strategische Planung eingeordnet werden soll. Insgesamt ist es Zeit, die genannten Fakten zu verbinden und ein Fazit im Hinblick auf die Tesla-Aktie zu ziehen:

Fazit: Tesla-Aktie auf Weg zu neuen Hochs? (8/2017):

Tesla ist ein beeindruckendes Unternehmen und der Chairman und CEO Elon Musk kann wohl mit gutem Recht als Visionär bezeichnet werden. Die Phantasie ist groß, das Wachstum kann sich auch sehen lassen. Doch wer strikt auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen sowie die Bewertung der Aktie, der wird noch enttäuscht. Denn noch „verbrennt“ Tesla Geld. Das Unternehmen ist davon abhängig, frische Mittel zu erhalten, sei es durch Eigenkapital (Kapitalerhöhung) oder durch Schulden (neue Anleihen, Bankkredite etc.). Die liquiden Mittel sind für den Moment ausreichend, doch so langsam sollte Tesla der Sprung in die schwarzen Zahlen gelingen. Wer weiß, vielleicht wird dies mit der Auslieferung des „Model 3“ nun der Fall sein? Doch da die Produktion des Model 3 erst vor kurzem gestartet ist, werden wir zum wirtschaftlichen Erfolg desselben wahrscheinlich frühestens mit Vorlage der nächsten Quartalszahlen mehr erfahren. Insofern besteht hier durchaus hohe Unsicherheit – das kann natürlich eine Chance sein, aber auch ein Risiko. Bei solchen Titeln ist das Risiko umso höher, je höher die Marktkapitalisierung der Aktie bereits ist. Und die Marktkapitalisierung von Tesla ist bereits recht hoch. Es besteht also Rückschlagpotenzial – andererseits auch Chance auf Kursgewinn, wenn das Model 3 wirklich vom Erfolg her „einschlägt“. Um das seriös einschätzen zu können, halte ich es für ratsam, die kommenden Quartalszahlen von Tesla abzuwarten.

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Klarstellung

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Bildquelle: pixabay.com