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Strafzölle – welche Auswirkungen auf Aktien?

Das Thema „Strafzölle“ hat die Börsen bisher nicht sonderlich unter Druck gesetzt, wie vielleicht einige gedacht hätten. Bekanntlich haben die USA bereits Anfang März sogenannte Strafzölle auf die Importe von Aluminium und Stahl angekündigt. Einige Länder wurden bisher von diesen Strafzöllen „verschont“. Doch Strafzölle könnten „eigene“ Unternehmen (aus Sicht der USA) treffen, die von diesen Importen abhängen. Das Ausweichen auf teurere Produkte heimischer Produktion könnte die Produkte dieser Unternehmen relativ gesehen unattraktiver – da tendenziell teurer – machen. Lassen sich also auch in Bezug auf Aktien Verlierer von Strafzöllen identifizieren, und auch Gewinner? Das wäre interessant im Hinblick auf mögliche Trades. Vielleicht sogar im Hinblick auf spezialisierte Trades der Art „darauf setzen, dass sich der Performance-Abstand zwischen Aktien, die von Strafzöllen tendenziell profitieren, und Aktien, die darunter tendenziell leiden, vergrößert“. Dazu soll in diesem Beitrag diese Thematik „Strafzölle“ bzw. drohender Handelskrieg genauer unter die Lupe genommen werden. Zu den Details:

Hier der Blick auf die Details: 

  1. Strafzölle auf Aluminium und Stahl im Blick
  2. Was für Auswirkungen die Strafzölle auf Stahl haben könnten
  3. Aktien: Mögliche Profiteure des Aluminium-Strafzolls
  4. Fazit: Strafzölle – welche Auswirkungen auf Aktien? (5/2018)

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Chefredakteur bei www.ethische-rendite.de
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Gelassene Reaktion auf angekündigte Strafzölle?

Als Anfang März Strafzölle der USA (für Importe von Aluminium und Stahl) angekündigt wurden, hieß es dazu im Handelsblatt interessanterweise: „Die Märkte reagieren gelassen auf die angekündigten US-Strafzölle – doch die Gefahr ist nicht gebannt.“

Quelle: Handelsblatt-Artikel „Was ein Handelskrieg für Aktien bedeuten kann“, online abrufbar unter diesem Link

Spotify Börsengang März 2018

Strafzölle auf Aluminium und Stahl im Blick

Diese Strafzölle auf Aluminium und Stahl sind nicht ohne: Denn auf Stahl sollen sie 25% betragen, bei Aluminium sollen es 10% Strafzoll sein. Als Begründung wurde laut ZDF die nationale Sicherheit genannt. Vielleicht hat die relativ gelassene Reaktion der Marktteilnehmer(innen) bisher auch damit zu tun, dass es für die Europäische Union eine Schonfrist gibt, die bis zum 1. Juni gehen soll. Danach solle es aber keinen weiteren Aufschub geben, wenn bis dahin keine Einigung der Handelspartner erfolgt sei. Dies kann aber natürlich auch Teil einer Verhandlungsstrategie sein – wer weiß das schon so genau außer dem US-Präsidenten und der US-Administration. Ein Szenario wie das mit Südkorea ist möglich:

Einigung mit Südkorea als Vorbild für Verhandlungen USA – EU?

Offenbar verhandeln die USA bilateral. Denn interessanterweise wurde vor wenigen Tagen bekannt, dass das ebenfalls zuvor vorläufig von den Strafzöllen verschonte Südkorea nun „dauerhaft von den Strafzöllen ausgenommen sei“, wie es im ZDF hieß. Auch mit Argentinien, Brasilien und Australien habe es bereits Einigungen gegeben, es seien aber wohl noch einige Details zu klären. Dann würden wohl auch diese Staaten von den Strafzöllen ausgenommen.

Quelle:  Beitrag ZDF heute „Schonfrist – aber keine Lösung“, online abrufbar unter diesem Link

EU-Stahlindustrie: Anteil der Ausfuhren in die Vereinigten Staaten überschaubar?

Im Hinblick auf die Europäische Union ist eine solche Einigung noch nicht kommuniziert – wer weiß, was hinter den Kulissen gesprochen wird. Es ist also aber durchaus möglich, dass es ab dem 1. Juni zu den besagten Strafzöllen auf Aluminium und Stahl aus der Europäischen Union kommen wird. Im Beitrag des ZDF dazu heißt es interessanterweise in Bezug auf Unternehmen der Stahlindustrie: „Allerdings heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass der Anteil der Ausfuhren in die USA vergleichsweise gering ist, so dass diese Unternehmen nicht in Schieflage geraten dürften.“ Und noch ein Zitat aus dem besagten Beitrag, da dieser sehr aufschlussreich ist: „Zudem handelt es sich bei dem in die USA exportiert ein Stahl meist um Spezial-Legierungen. Die sind in gleicher Qualität nicht so einfach zu ersetzen, sodass viele Unternehmen in den USA auf diesen Stahl wohl nicht verzichten werden.“

Was für Auswirkungen die Strafzölle auf Stahl haben könnten

Mit anderen Worten: Die USA könnten sich da ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie Importe von Stahl verteuern. Denn solange insbesondere Spezial-Legierungen nicht im eigenen Land in ausreichender Menge produziert werden können, werden diese Spezial-Legierungen dann dennoch importiert. Das würde diese Importe verteuern, gleichzeitig aber die Zoll-Einnahmen der USA erhöhen. Und insofern könnte es letztlich wie eine Art Besteuerung auf das Endprodukt (sofern die Stahl-Importeure die Strafzölle an die Endverbraucher weiterleiten) wirken. Wenn dann die Importe nicht zurückgehen, dann könnten das interessante Auswirkungen haben. Nach dem Motto: Die EU-Stahlunternehmen exportieren mehr oder weniger genau so viele Spezial-Legierungen wie zuvor in die USA (da diese dort nicht in ausreichendem Umfang selber produziert werden können). Die US-Importeure geben den 25%igen Strafzoll auf Stahl-Importe an die Käufer weiter. Diese zahlen entsprechend mehr – und letztlich wandert der Strafzoll dann in die Kasse des US-Fiskus.

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Mögliches Szenario: Eine Art Umverteilung innerhalb der USA

So wäre es dann eher eine Umverteilung innerhalb der US-Volkswirtschaft. Alles halb so wild dann in Bezug auf den Welthandel. Dies ist ein mögliches Szenario in Bezug auf Spezial-Legierungen beim Thema Stahl. Aber natürlich sind bei solchen komplexen Dingen wie Volkswirtschaften und Welthandel die Auswirkungen einer einzelnen Maßnahme keineswegs leicht einzuschätzen. Wenn da eine Stellschraube gedreht wird, könnte das an ganz anderer Stelle Auswirkungen haben. In diesem beschriebenen Beispiel wäre z.B. offen, was für Auswirkungen das auf z.B. das Verbrauchervertrauen haben würde. Nicht ausgeschlossen könnte ein Rückgang des Verbrauchervertrauens, das letztlich sogar zu einer Rezession führen könnte. Wie gesagt, das ist nur ein Gedankenspiel, um anzudeuten, was für Auswirkungen die Einfuhr dieser Strafzölle haben könnte.

Beispiel Spezial-Legierungen Stahl

Einige Anmerkungen zu den erwähnten Spezial-Legierungen: Es gibt einige Metalle, die dem Stahl bei einer Legierung mit ihnen besondere Eigenschaften wie Säurebeständigkeit verleihen. Als Beispiel nenne ich dazu Molybdän. Das ist ein Metall mit silbrigweißem Glanz, das sich durch einen hohen Schmelzpunkt auszeichnet. Es hat zudem eine hohe Warmfestigkeit und gute Leitfähigkeit (sowohl elektrisch als auch thermisch). Molybdän lässt sich sehr gut – vor allem mit Eisen – legieren. Molybdän gibt in Stahl-Legierungen dem Stahl Härte und Hitzebeständigkeit. Angesichts dieser Eigenschaften Härte und Hitzebeständigkeit ist es kein Wunder, dass im Zweiten Weltkrieg für Panzerrohre dieses Metall verwendet wurde. Die Verwendung für militärische Zwecke ist ein Grund, warum Molybdän verstärkt nachgefragt wurde.

Wieso Molybdän zur Veredelung von Stahl genutzt wird

Es werden Schätzungen zufolge etwa zwei Drittel des weltweit produzierten Molybdäns für die Veredelung von Eisen bzw. Stahl und Superlegierungen verwendet. Und interessanterweise dürfte in den USA dieser Anteil bei rund 80% liegen. Mehr zu dieser interessanten Thematik finden Sie in meinem Buch „Strategische Metalle für Investoren“, in dem ich diverse strategische Metalle wie eben Molybdän auch aus Sicht eines möglichen Investments genauer unter die Lupe nehme. Ich zitiere aus diesem Buch folgenden Abschnitt für die Verwendungsmöglichkeiten von Molybdän: „Wo besonders harter und/oder hitzebeständiger und oder säurebeständiger Stahl gewünscht wird, da ist eine Molybdän-Legierung sinnvoll. Molybdän in einer entsprechenden Legierung verbessert auch die Korrosionsbeständigkeit. In der Flugzeugindustrie werden Bereiche, die starker Hitze ausgesetzt sind, mit Molybdän imprägniert, um sie schwer entflammbar zu machen. Molybdän wird zudem als Katalysator zur Entschwefelung sowie in Dünnschichttransistoren (TFT) als leitende Metallschicht eingesetzt.“

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Stahl ist nicht gleich Stahl – es gibt diverse Legierungen!

Wieso dieser Exkurs zu Molybdän? Weil dies zeigen soll, dass Stahl eben nicht gleich Stahl ist. Es gibt diverse Sorten bzw. Legierungen, mit jeweils unterschiedlichen Bestandteilen. Und für diverse Anwendungen ist Molybdän notwendig. Der größte Produzent von Molybdän ist allerdings China. In dem Fall liegen die USA auf Platz 2. Wenn also Importe von Molybdän-Legierungen wegfallen würden, wäre die Frage, ob die eigene Produktion von Molybdän der USA ausreichen würde, um die Legierungen ohne jegliche Importe herzustellen. Doch es gibt auch Spezial-Legierungen, die andere strategische Metalle benötigen. Ich verweise da auf Legierungen Wolfram-Rhenium und Molybdän-Rhenium. Rhenium – nach „Vater Rhein“ benannt – hat einen sehr hohen Schmelzpunkt, was sich in Legierungen günstig auswirken kann. Insofern ist es kein Wunder, das solche Legierungen für den Hochtemperatureinsatz verwendet werden können, Beispiel Triebwerke von Flugzeugen. Vor einigen Jahren kam fast die Hälfte der weltweiten Rhenium-Produktion aus Chile.

Kurzfristig lieber Strafzölle zahlen als Produktionsketten umstellen?

Dies gilt es zu beachten – denn manche Rohstoffe wie eben Rhenium sind „strategisch“ in dem Sinne, dass sie zum derzeitigen Stand der Technik für manche Legierungen schlicht und einfach benötigt werden. Wenn für den Flugzeugbau Spezial-Legierungen mit Rhenium benötigt werden und es Strafzölle von 25% gibt, dann ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Importeure diesen Strafzoll lieber zahlen, als selbst zu versuchen, aus anderen Quellen Rhenium zu erhalten und die benötigten Legierungen selber herzustellen. Sollten die Strafzölle länger anhalten, dann könnte das anders aussehen, da dann auf längere Sicht geplant werden könnte von diesen Unternehmen. Doch wenn nicht klar ist, ob die Strafzölle vielleicht bald wieder wegfallen wegen einer möglichen Einigung der Handelspartner, dann wäre ein realistisches Szenario in diesem Fall, dass lieber erstmal die Strafzölle gezahlt werden, als die Handelsströme abbrechen zu lassen und kurzfristig die Produktion umzustellen.

Spotify Börsengang März 2018

Zwischenfazit Strafzölle Stahl

Was Spezial-Legierungen betrifft – da ist die Wahrscheinlichkeit bedeutend, dass zumindest kurzfristig die Handelsströme wie bisher laufen, sprich die Importe von Spezial-Legierungen nicht gestoppt werden, sondern es wird lieber der Strafzoll gezahlt. Insofern war die „gelassene Reaktion“ keineswegs überraschend. Bei dem Thema würde ich nicht auf Kursreaktionen von Aktien des Sektors setzen. Soweit zum Thema „mögliche 25% Strafzölle auf Stahl-Importe“. Etwas anders sieht es beim Thema 10% Strafzoll auf Aluminium aus:

Aktien: Mögliche Profiteure des Aluminium-Strafzolls

Denn da gibt es schließlich einen großen und bekannten börsennotierten Produzenten von Aluminium in den USA: Alcoa. Das Unternehmen gehört zu den Top 3 der weltweit größten Produzenten von Aluminium. Und der Aktienkurs dieses Unternehmens ist in der Tat auf 1-Monats-Sicht in Dollar gerechnet um 20% gestiegen. Das ist für so ein Schwergewicht wie Alcoa eine ganze Menge! Die Argumentationskette könnte lauten: Alcoa ist ein Aluminium-Produzent in den USA. Wenn es nun Strafzölle auf Aluminium gibt, dann wird die Konkurrenz aus dem Ausland entsprechend teurer – gut für Alcoa. Denn diese könnten dann ihren Marktanteil steigern und/oder die Preise etwas erhöhen. Wenn die Importe unter 10% Strafzoll leiden, könnte Alcoa die Preise z.B. um 2% erhöhen und hätte dennoch möglicherweise Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Da an den Börsen solche Entwicklungen gerne antizipiert werden, hat der Kurs der Aloca-Aktie bereits deutlich zugelegt.

Alcoa: 1-Monats-Performance in Dollar von rund +20%

Wie gesagt: Auf 1-Monats-Sicht liegt das Plus bei Alcoa derzeit im Bereich 20%. Doch zwischenzeitlich sah es noch besser aus, denn der Aktienkurs stand schon zwischenzeitlich bei über 60 Dollar. Doch am 18. April gab es die Zahlen zum ersten Quartal, die offensichtlich nicht besonders gut angekommen sind, denn danach geriet die Aktie unter Druck und steht derzeit (3. Mai 2018) im Bereich 53 Dollar.

Fazit: Strafzölle – welche Auswirkungen auf Aktien? (5/2018):

Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird? Die Börsen haben die möglichen Strafzölle der USA für Aluminium und Stahl bisher recht gelassen aufgenommen. Zum einen vielleicht deshalb, weil es für die Europäische Union vonseiten der USA bis zum 1. Juni noch eine „Schonfrist“ gibt und es könnte in dem Zeitraum eine Einigung geben. Zum anderen deshalb, weil die europäischen Exporte von Stahl in die USA keineswegs besonders hoch sind in Relation zu deren Gesamtproduktion. Und was Spezial-Legierungen betrifft – da könnten die USA so von diesen abhängig sein, dass die US-Importeure trotzdem importieren und dann lieber den Strafzoll übernehmen. Bei Aluminium hingegen ist das Thema einfacher, da könnte in der Tat Alcoa profitieren, wenn Konkurrenz aus dem Ausland mit Strafzöllen belastet wird. Aufgrund des auf Monatssicht um 20% gestiegenen Aktienkurses könnte das aber bereits im Kurs „drin“ sein – und es gibt auch Fragezeichen (was z.B. ist mit Aluminium, dass Alcoa außerhalb der USA produziert?). Insofern sehe ich derzeit keine eindeutigen Kauf- oder Verkaufschancen bei Aktien im Hinblick auf das Thema US-Strafzölle.

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Klarstellung

Betrachten Sie unsere Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Stand der Konditionen: Mai 2018

Bildquelle: pixabay.com

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