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„Strafzinsen“ für Sparanlagen: Wohin mit dem Geld?

Diese Woche machte Asoka Wöhrmann, Anlagestratege der Deutschen Bank, von sich reden. In einem Interview mit der Zeitung „Die Welt“ (hier das komplette Interview) gab er sehr bemerkenswerte Ansichten preis.

Als ihn die Zeitung fragte, was ein Sparer mit seinem Geld machen solle, antwortete Herr Wörhmann:

Was soll ein privater Sparer mit seinem Geld machen?

„Er soll endlich aufhören, immer mehr zu sparen, und darüber nachdenken, das Geld auszugeben. (…) Wir Deutschen sparen viel zu viel. Nimmt man Sparbücher, Tagesgeldkonten und Versicherungen zusammen, stecken rund 70 Prozent unseres Vermögens in Liquidität – in Liquidität, die kaum noch verzinst wird. Nach Abzug der Inflation legt jeder Sparer drauf, er verliert Jahr für Jahr einen Teil seines Geldes."

Diese Sätze sind von dem Vertreter eines Kreditinstituts höchst bemerkenswert. Ich persönlich bin in Zeiten aufgewachsen, in denen Banken das Gegenteil taten: Die Bürger(innen) zum Sparen ermuntern. Es gab einen „Weltspartag“, und die örtliche Sparkasse spendierte ein Sparbuch mit einem Anfangsguthaben von damals noch 5 D-Mark, wenn ein Kind sich zum Sparen entschloss.

Banken waren an Einlagen interessiert, dadurch erhöhte sich wiederum die Summe, welche sie an Krediten ausgeben konnten.

Die Aussage von Herrn Wöhrmann – welcher laut „Die Welt“ für eine Billion Euro Fonds-Anlagevolumen zuständig ist – zeigt, wozu die „Politik des leichten Geldes“ der Zentralbanken weltweit geführt hat.

Diese Geldpolitik hatte zwei Auswirkungen:

  1. Banken können sich via Zentralbank sehr günstig refinanzieren
  2. Es ist sehr viel Geld „aus dem Nichts“ geschaffen worden. Dies galt insbesondere für den Kauf von US-Staatsanleihen mit selbst gedrucktem Geld durch die US-Notenbank Fed.

Gleichzeitig sind die Zinsen auf Niedrigstniveau gefallen. So bestätigte die Europäische Zentralbank (EZB) erst diese Woche, dass die Leitzinsen weiterhin auf dem Niveau von 0,05% (!) bleiben sollen.

Für den deutschen Fiskus hat dies den Vorteil, dass er neue Anleihen mit Mini-Verzinsung herausgeben soll. Dies ist nun seit geraumer Zeit so – beispielsweise konnte der deutsche Staat eine zweijährige Anleihe mit Negativ-Rendite von –0,06% herausbringen (siehe diese Meldung).

Die Banken – und auch Versicherungen! – geraten damit zusehend in Anlagenotstand. Da sie bei der Kreditvergabe an Unternehmen weiterhin sehr zurückhaltend sind – Basel III lässt grüssen -, waren traditionell „sichere Anlagen“ interessant.

Staatsanleihen sind keine lohnende Alterantive mehr!

Sichere Anlagen, das waren z.B. deutsche Staatsanleihen. Doch in Zeiten, in denen diese nur Niedrigstzinsen einbringen bzw. sogar Negativ-Renditen, sind einige Banken gar nicht mehr an weiteren Kundeneinlagen interessiert. Denn wie sollen sie diese anlegen?

Dies ist der Hintergrund, vor dem z.B. die Deutsche Skatbank (diese gibt es wirklich) zuletzt mitgeteilt hat, auf besonders hohe Spareinlagen einen Negativzins erheben zu wollen. (Quelle: ad-hoc-news)

Und das ist auch der Hintergrund für die Aussagen von Asoka Wöhrmann / der Deutschen Bank.

Anlagenotstand von Banken/Versicherungen kann den Aktienmarkt beflügeln!

Dieser „Anlagenotstand“ gepaart mit Liquiditätsschwemme könnte durchaus dazu führen, dass sich neue Spekulationsblasen bilden – sofern dies nicht bereits der Fall ist. Auch die Aktienkurse könnten weiter profitieren. Die Bewertungen der großen Aktienmärkte sind zwar längst nicht mehr günstig. Doch wenn es für das Geld im System keine lohnenden Anlage-Alternativen gibt, ist es durchaus möglich, dass dieses Geld am Aktienmark investiert wird.

„Liquiditätsgetriebene Hausse“ wäre wohl der richtige Ausdruck dafür. Eine gesunde Entwicklung sieht allerdings anders aus.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

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