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Spotify – aussichtsreicher Börsengang?

Derzeit = Anfang März 2018 geht es beim Thema anstehende Neuemissionen (IPOs) ganz klar um Spotify! Denn welcher online aktive Trader/Investor kennt diesen Musik-Streamingdienst nicht. Früher war eine umfangreiche CD- oder auch LP-Sammlung notwendig, um die jeweils zur eigenen Stimmungslage passende und erwünschte Musik hören zu können. Heutzutage geht dies meist einfacher über einen Spotify-Account – denn dort sind soviele Alben abrufbar, und das per „Streaming“, dass der explizite Besitz von CDs und LPs über die Kreise von Sammlern hinaus deutlich weniger bis gar nicht mehr gewünscht ist. Anders als manche Technik- oder IT-Unternehmen, die neu an die Börse gehen möchten, hat Spotify also den Vorteil (aus Sicht des Unternehmens!), dass viele potenzielle Käufer(innen) das Hauptprodukt des Unternehmens kennen. Deshalb könnte das Interesse von Anlegerseite her durchaus groß sein bzw. werden. Doch ist die Aktie zum Börsengang denn überhaupt für potenzielle Käufer(innen) interessant? Was ist überhaupt bisher bekannt zum Spotify-Börsengang? Dieser Beitrag soll sich mit dieser Thematik beschäftigen. Zu den Details:

Hier der Blick auf die Details: 

  1. Diese DAX-Unternehmen sollen weniger wert sein als Spotify?
  2. Spotify: Kredit über eine Milliarde US-Dollar
  3. Spotify: Börsengang ist keine Überraschung
  4. Fazit: Spotify – aussichtsreicher Börsengang? (3/2018)

 

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Chefredakteur bei www.ethische-rendite.de
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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 Spotify – Informationen zum anstehenden IPO

Zum anstehenden Börsengang (IPO = „Initial Public Offering“ – steht für das erstmalige Angebot von Aktien) von Spotify konnte ich bei Dlf24 diese Zeilen lesen: „Analysten schätzen, dass Spotify insgesamt rund 20 Milliarden Dollar wert sein könnte.“ 20 Mrd. Dollar, das sind derzeit umgerechnet ca. 16,2 Mrd. Euro. So viel könnte Spotify also laut in dem Beitrag nicht genauer bezeichneten Analysten wert sein.

Quelle: „Spotify will an die Börse“, dlf24 vom 2. März 2018

Ich möchte diesen in den Raum gestellten Wert von rund 16,2 Mrd. Euro zunächst einmal in Relation setzen.

So hat die ProSiebenSat.1 Media derzeit eine Börsenkapitalisierung von rund 7,1 Mrd. Euro. Dabei entspricht die Marktkapitalisierung der Zahl der Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs. Basis dieser Berechnung sind die Angaben bei Onvista.

  • Oder nehmen wir RWE. Alle Stammaktien würden zum aktuellen Kurs laut Onvista derzeit 9,2 Mrd. Euro kosten.
  • Oder lieber Merck? Da liegt die Marktkapitalisierung aktuell bei rund 10,1 Mrd. Euro.
    Bei der Lufthansa wären Sie derzeit mit rund 12,5 Mrd. Euro dabei.
  • Oder was ist mit ThyssenKrupp? Das gesamte Unternehmen kostet derzeit zum aktuellen Börsenkurs die Kleinigkeit von rund 13,5 Mrd. Euro.
  • Die Commerzbank wiederum hat eine Marktkapitalisierung von rund 15,1 Mrd. Euro.
  • Bei HeidelbergCement sind es mit ca. 15,8 Mrd. Euro etwas mehr.

Spotify Börsengang März 2018Diese DAX Unternehmen sollen jeweils weniger wert sein als Spotify?

Was allen diesen gerade genannten Unternehmen zum derzeitigen Stand gemeinsam ist: Sie sind erstens DAX-Unternehmen. Und zweitens liegt ihre Marktkapitalisierung jeweils unter dem oben genannten geschätzten Wert von umgerechnet 16,2 Mrd. Euro, der für Spotify geschätzt wird.

Spotify: Der Blick auf das Geschäftsmodell

Wie sieht das Geschäftsmodell von Spotify aus? Für diejenigen, welche das Angebot von Spotify nicht kennen bzw. nutzen, zunächst ein kurzer Überblick dazu. Spotify mit Firmensitz in Stockholm/Schweden ist ein sogenannter Musik-Streaming-Dienst. Laut Wikipedia sollen auch im Video- und Hörbuch-Bereich per Streaming im Angebot sein. Es dürfte aber wohl in erster Linie das Musik-Streaming-Angebot sein, für das Spotify bekannt ist und womit auch Umsätze erzielt werden.

Spotify: Das sogenannte Freemium-Modell

Das Geschäftsmodell ist das, was auf Neudeutsch „Freemium“ genannt wird: Mit Freemium wird laut Wikipedia ein Modell bezeichnet, bei dem – Zitat Wikipedia: „das Basisprodukt gratis angeboten wird, während das Vollprodukt und Erweiterungen kostenpflichtig sind.“ Und genau das sehen wir beim Musik-Streaming-Angebot von Spotify. Ein Basis-Account – der derzeit „Spotify Free“ heißt – ist schnell erstellt und kostet in der Tat aktuell nur 0,0 Euro. Damit können per Shuffle Play aus dem umfangreichen Musik-Angebot von Spotify Musikstücke angehört werden. Dieses „Freemium“-Modell ist natürlich keine Erfindung von Spotify, sondern das gibt es seit ca. den 1990ern. Spotify selbst wurde 2006 gegründet.

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„Spotify Free“ versus „Spotify Premium“

Durch das kostenlose Angebot von Musik wurde Spotify überhaupt erst bekannt und verbreitet. Doch es gibt dann natürlich Werbung, während via Spotify Free“ Musik gehört wird. Wen das nervt, der kann in den Account „Spotify Premium“ wechseln. Das kostet derzeit 9,99 Euro pro Monat, dafür fällt dann aber die oft genug nervige Werbung weg. Zudem können dann Songs „uneingeschränkt übersprungen“ werden und es gibt einige weitere Vorteile, die Spotify auf der eigenen Internetseite nennt. So soll Musik auch offline gehört werden können, die Audioqualität soll „hervorragend“ sein laut deutschsprachiger Spotify-Seite und jeder Song könne „sofort“ abgespielt werden, heißt es da.

Spotify: Ein Konto – überall hören?

Smartphone, Computer, Tablet, Auto? Laut Spotify gilt: „Ein Konto. Überall hören“. Doch wie wird der ganze „Spaß“ denn nun finanziert? Da sind zum einen die Werbe-Einnahmen, schließlich gibt es Werbe-Einblendungen bei „Spotify Free“. Und dann sind da die Einnahmen durch die Kunden, die monatlich 9,99 Euro für „Spotify Premium“ zahlen. Um welche Zahlen es da geht: Laut „AppleInsider“ hat Spotify derzeit rund 159 Mio. aktive Nutzer(innen), davon sollen 71 Mio. Personen einen „Spotify Premium“ Account haben und entsprechend die genannten 9,99 Euro pro Monat zahlen.

 

Quelle: Beitrag „Spotify files to go public with 159 million active users, 71 million premium subscribers“ vom 28. Februar 2018 bei www.appleinsider.com, online abrufbar unter diesem Link

Interessant für Künstler(innen)?

Und die Musik kann sich Spotify auch nicht einfach kostenlos besorgen – denn die Künstler wollen für ihre Werke schließlich auch entlohnt werden. Auf den ersten Blick klingt das Angebot von Spotify durchaus interessant: Musik-Liebhaber(innen) zahlen eine Pauschale pro Monat, und ein bedeutender Teil davon wird dann von Spotify an diejenigen Künstler(innen) aufgeteilt, deren Musik auch tatsächlich gehört wurde. Doch wenn die tatsächliche Gutschrift für einen Künstler „im besten Fall“ bei 0,164 Cent je Abspielvorgang liegt, wie es bei Wikipedia heißt, dann ist das Angebot vielleicht doch nicht mehr so interessant für alle Künstler(innen).

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Die frühen Investoren finden sich zu einem großen Teil in der Finanzindustrie

Natürlich hat der Aufbau von Spotify erst einmal ordentlich Geld gekostet, und die 71 Mio. Abonnenten von „Spotify Premium“ waren auch nicht von heute auf morgen da. Deshalb konnte das Unternehmen zu Beginn Geld von internationalen Kapitalgebern „verbrennen“. Laut Wikipedia, die auf einen „Musikmarkt“ Artikel des Jahres 2014 verweisen, gehörten zu den Geldgebern sowohl Goldman Sachs als auch Fidelity Investments oder die Deutsche Bank. Auch Morgan Stanley und die Credit Suisse sollen dabei gewesen sein, interessanterweise demnach auch The Coca-Cola Company. Mit anderen Worten: Hier war bei den Investoren zu Beginn sehr stark die Finanzbranche vertreten. Laut Wikipedia stellten diese „bis Anfang 2014 etwa 388 Millionen Euro“ bereit.

Spotify: Kredit über eine Milliarde US-Dollar

Bis Anfang 2014 Geld bereitgestellt – das reichte offensichtlich nicht ganz. Denn der „Spiegel“ meldete 2016, dass sich Spotify damals neues Geld besorgen musste. Das geschah in Form eines Kredits, und zwar über nicht weniger als eine Milliarde US-Dollar, wie der Spiegel berichtete. Die Zinsen sollten laut dem Artikel zunächst bei 5% liegen und später steigen können. Die Geldgeber sollen das Recht bekommen haben, bei einem Börsengang des Unternehmen Aktien deutlich günstiger beziehen zu können. Geldgeber sollen Finanzinvestoren gewesen sein (also keineswegs z.B. Unternehmen der Musikbranche). Das Geld sollte damals wohl dazu genutzt werden, im Konkurrenzkampf mit „Apple Music“ bestehen zu können bzw. diese zu übertrumpfen. Schon damals hieß es, dass mit dem neuen Kredit „eine Art Countdown zum Börsengang“ gestartet werde, wie es im Beitrag hieß.

Quelle: „Spotify holt sich eine Milliarde Dollar von Investoren“, Spiegel-Artikel vom 30. März 2016, online abrufbar unter diesem Link.

 

Spotify: Börsengang ist keine Überraschung

Sie sehen schon: Wenn Finanzinvestoren 2014 Geld bereitstellen, dann ist schon klar, dass diese später einen Börsengang sehen möchten, um „Kasse zu machen“. Schließlich haben sie für geringes Geld Anteile erhalten, und haben dann ein Interesse auszusteigen, sofern an der Börse tatsächlich ein Wert für Spotify von 20 Mrd. Dollar realisiert werden könnte. Nun konkret zu den aktuellen Börsengang-Plänen von Spotify:

Für bis zu 1,0 Mrd. Dollar Spotify-Aktien beim Börsengang?

Die von der US-Börsenaufsicht SEC (steht für „U.S. Securities and Exchange Commission“) veröffentlichte Unterlage, die Spotify eingereicht hat, sieht vor, dass für bis zu 1,0 Mrd. Dollar Spotify-Aktien im Rahmen des Börsengangs an den Markt gebracht werden sollen.

Quelle: Form F-1 zu Spotify Technology S.A., online abrufbar unter diesem Link

Spotify Börsengang März 2018

Spotify: Einige Interessante Stellen

In dieser unter obigem Link angegebenen Form F-1 zu Spotify a habe ich einige interessante Stellen gefunden. So fand ich auf S. 8 diesen Abschnitt, ich zitiere:

„In January 2018, we entered into an exchange agreement with accredited investors holding the remaining balance of our Convertible Notes pursuant to which the remaining $628 million of Convertible Notes, plus accrued interest, were exchanged for 9,431,960 ordinary shares (the “January Exchange”).“

Sinngemäß heißt das also, dass Geldgeber für Forderungen in Höhe von 628 Mio. Dollar zuzüglich aufgelaufener Zinsen stattdessen 9.431.960 Spotify-Aktien erhalten haben. Wenn ich die aufgelaufenen Zinsen weglasse (da ich deren Höhe nicht kenne), dann errechne ich bei Zuteilung von 9.431.960 Aktien für 628 Mio. Dollar einen durchschnittlichen Zuteilungspreis von rund 66,58 Dollar je Aktie.

Ebenfalls auf Seite 8 in diesem Abschnitt fand ich diese Formulierung: „Pursuant to this exchange agreement, subject to certain conditions, if we fail to list our ordinary shares on or prior to July 2, 2018, we have agreed to offer to each noteholder the option to unwind the transaction (…).“

Sinngemäß bedeutet dies also, dass sich Spotify in dem Abkommen darauf festgelegt hat, den Börsengang vor dem 2. Juli 2018 durchzuführen – da diese zuvor genannte Transaktion sonst rückgängig gemacht werden könnte. Die Details dazu außen vor gelassen ist die Kernbotschaft klar: Die Geldgeber tauschten ihre Forderungen gegen Spotify-Aktien ein unter der Annahme, dass es dann auch bis zum 2. Juli 2018 einen Spotify-Börsengang gibt.

Die Marke von 66,58 Dollar je Spotify-Aktie

Und damit ist auch klar, warum der Börsengang nun kommt. Und es dürfte auch klar sein, dass die Geldgeber ein Interesse daran haben, dass die neuen Aktien zu Notierungen von mehr als besagten 66,58 Dollar je Aktie an die Börse kommen sollen. Je höher, desto besser – aus Sicht der Geldgeber. Das ist ja auch durchaus legitim. Eine andere Frage ist es aber, ob Privatanleger(innen) auf der Käuferseite stehen sollten, wenn diese Geldgeber auf der Verkäuferseite stehen.

Fazit: Spotify – aussichtsreicher Börsengang? (3/2018):

Spotify hatte Geldgeber der ersten Stunde aus der Finanzbranche. Später erhielt das Unternehmen einen hohen Kredit (es ist die Rede von einer Mrd. Dollar) von Finanzinvestoren, die im Falle eines Börsengangs Vorteile erhalten könnten. Da ist es schon klar, auf was es damals schon hinauslief: Früher oder später wird genau dieser Börsengang kommen. Und da ist er nun also wirklich angekündigt. Wer diese Hintergründe kennt, für den ist das keineswegs überraschend. Es gilt, die Relationen zu sehen: Spotify soll einen Börsenwert haben (laut der Berechnung in der Einleitung dieses Beitrags), die höher ist also die von diversen DAX-Unternehmen. Bekanntlich sind im DAX 30 Aktien enthalten, und laut der Darstellung zu Beginn dieses Artikels wäre bei 7 von diesen die aktuelle Marktkapitalisierung niedriger als der auf 20 Mrd. Dollar geschätzte Wert von Spotify. Das erscheint mir dann doch etwas hoch. Für die Finanzinvestoren der ersten Stunde dürfte der Börsengang ein äußerst lukratives Geschäft gewesen sein. Ob dies für diejenigen, die die Aktien zum Börsengang kaufen, auch in absehbarer Zeit der Fall sein wird? Ich habe angesichts der vergleichsweise hohen Bewertung meine Zweifel. Doch ausschließen will ich es nicht, es gibt schließlich auch Möglichkeiten wie zum Beispiel einen Einstieg von Apple, die einen Konkurrenten loswerden möchten. Die weitere Entwicklung könnte interessant werden, beim Börsengang muss ich persönlich jedenfalls nicht dabei sein. 

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Klarstellung

Betrachten Sie unsere Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Stand der Konditionen: März 2018

Bildquelle: pixabay.com

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