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Gibt es wirklich sichere Aktien?

Immer wieder werden einzelne Papiere als besonders sichere Aktien angepriesen. Aber kann es so etwas wirklich geben? Schließlich wird an der Börse die Zukunft gehandelt – und die ist bekanntlich ungewiss. Die Wahrheit liegt in der Mitte, tatsächlich gibt es keine völlig sicheren Aktien, aber doch unterschiedlich spekulative Wertpapiere.

Sichere Aktien in Stichpunkten

  • Aktien sind immer mit Risiko verbunden
  • Traditionelle Werte sicherer als junge Unternehmen
  • Je höher die Renditen, desto höher das Risiko
  • Diversifizierung bringt Sicherheit
Sichere Aktien Bild

Ein sicheres Geschäft? Lange galten Energieversorger als langweilig, aber sicher. Das hat sich geändert. Foto: Pressebild Bayernwerk

Völlig sichere Aktien gibt es nicht…

DemoNoch in den 1990er Jahren galten Versorger wie RWE, ÜWU oder PreussenElektra als ebenso langweilig wie sicher. Auch wenn viele Unternehmen ganz oder teilweise privat waren, hatten sie den Charakter von Behörden. Dann kamen erst die Liberalisierung des Strommarktes und schließlich die Energiewende. Heute kämpfen RWE oder E.ON ums Überleben.

Die Stromunternehmen waren keineswegs die erste scheinbar sichere Branche, die in Schwierigkeiten kam. Auch börsennotierte Eisenbahnunternehmen galten einst als sichere Geldanlage, ehe das Auto ihnen Konkurrenz machte. Später kamen viele Autokonzerne selbst in Schwierigkeiten, als die Nachfrage gesättigt war und der Wettbewerb internationaler wurde. Wobei die US-Eisenbahnkonzerne heute zwar keine sichere, aber doch wieder eine lohnende Investition sind, weil sie vom wachsenden Güterverkehr profitieren, der in den USA, anders als in Europa, vor allem über die Bahn abgewickelt wird.

Das Grundproblem aber bleibt bestehen, sichere Aktien gibt es nicht, weil die Zukunft unsicher ist. Nun könnte jemand auf die Idee kommen, dass Aktien großer Konzerne in Wachstumsmärkten eine sichere Investition sind, beispielsweise von Google oder Facebook. Tatsächlich ist eine ernstzunehmende Konkurrenz für die beiden Unternehmen nicht in Sicht, ihre Märkte werden eher wachsen als schrumpfen. Allerdings droht auch hier Gefahr von verschiedenen Seiten. So ruft die Marktmacht dieser Konzerne in vielen Ländern die Regulierungsbehörden auf den Plan. Womöglich ist das Geschäft von Google oder Amazon bald so reguliert wie das der Stromversorger und Telekom-Unternehmen. Vor allem aber sind bei diesen Aktien hohe Wachstumszahlen bereits im Kurs eingepreist. Der Kurs ist im Vergleich zum aktuellen Gewinn (Kurs-Gewinn-Verhältnis) so hoch, dass schon ein mäßiges Wachstum für Kursverluste sorgen würde.

Sichere Aktien gibt es nicht, denn neue Technologien und Gesetze können alte Geschäftsmodelle bedrohen. Aktien von Firmen mit großem Zukunftspotential sind so hoch bewertet, dass schon eine Verlangsamung des Wachstumstempos für Kursverluste sorgt.

…sicherere Aktien schon

sicherheitDas heißt allerdings nicht, dass alle Aktien im gleichen Maße riskant wären. Grundsätzlich gilt an der Börse, dass ein Unternehmen, das hohe Chancen verspricht, auch hohe Risiken birgt. Denn ein Unternehmen mit hohen Chancen und geringen Risiken wäre für alle Investoren attraktiv. Der Kurs würde deshalb so lange steigen, bis auch dieses Unternehmen entweder kaum noch Chancen bietet oder hohe Risiken birgt.

Wer sichere Aktien sucht, für den scheiden also sogenannte Hot Stocks, also Aktien mit großem Zukunftspotential, zunächst aus. Auch Aktien mit einem sehr niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder einer sehr hohen Dividendenrendite sind aber oft mit Vorsicht zu genießen. Grundsätzlich gilt eine hohe Dividende als Zeichen geschäftlichen Erfolgs. Eine hohe Dividende in Relation zum Kurs macht die Ausschüttung außerdem billig. Allerdings scheinen viele Händler dem Unternehmen keine große Zukunft zu prophezeien. Sonst würden sie ja ebenfalls in das Wertpapier investieren und der Kurs würde ansteigen.

KKW Grafenrheinfeld

Der Abschied von einer Technologie trifft natürlich Unternehmen am stärksten, die ganz auf dieses Produkt spezialisiert sind. Im Bild das Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld. Foto: Flickr @ Barockschloss

Sichere Aktien sind also eher solche mit einem mittleren KGV. Was das bedeutet, hängt vom jeweiligen Kursniveau ab. Hier hilft ein Blick auf den DAX und die jeweiligen fundamentalen Daten als Maßstab. Grundsätzlich sind Aktien großer und breit aufgestellter Unternehmen in politisch stabilen Ländern auch sicherer als solche von kleinen Unternehmen, die in einer Marktnische operieren. Ein Großkonzern wie Siemens steckt den Abschied von der Atomenergie leichter weg als ein kleiner, ganz auf Kernkraft spezialisierter Konkurrent, auch wenn der deutsche Elektrokonzern durch die Abschreibungen bei der Kraftwerk Union beziehungsweise Siemens Nuclear Power (SNP) viel Geld verlor. Bei Aktien aus dem Euroraum ist außerdem das Währungsrisiko geringer. Hohe Gewinne bei einer US-Aktie können durch einen fallenden Dollar schnell aufgezehrt sein.

Daneben bleibt natürlich die Chance, eine unterbewertete Aktie zu finden, die viele Chancen und niedrigeres Risiko bieten, weil die anderen Marktteilnehmer das Potential unterschätzt haben. Doch das ist schwierig, selbst den Profis gelingt das oft nicht.

Besonders sicher sind die Aktien von Großunternehmen aus dem Euroraum, die breit aufgestellt sind und ein mittleres KGV aufweisen.

Risikostreuung statt sicherer Aktien

VerbrauchertippsDie vielleicht bessere Alternative zur Suche nach sicheren Aktien ist eine breiter Risikostreuung. Für diese kann man selbst sorgen, indem man verschiedene Aktien aus unterschiedlichen Branchen und Regionen ins Depot legt. Grundsätzlich sollte man sich bei der Wahl jeder Aktie nicht nur fragen, ob die Zukunftsperspektiven des Papiers gut sind, sondern auch wie viele Aktien aus dieser Region oder Branche man bereits im Depot hat. Zwar ist es grundsätzlich nicht verkehrt, ein paar Papiere aus dem eigenen Land oder sogar der eigenen Region zu besitzen, doch sollte man sich nicht darauf beschränken. Experten sprechen hier vom Home Bias.

Einfacher erreicht man eine breite Streuung mit der Auswahl börsengehandelter Indexfonds, auch bekannt als Index-ETFs. Diese bilden einen Index nach und damit im Falle eines DAX ETFs die Entwicklung von 30 Aktien, bei einem HDAX ETF sogar von 110. Idealerweise sollte man aber noch den ein oder anderen ETF aus einer anderen Region beimischen, womöglich sogar einen, der in Aktien aus Schwellen- oder Entwicklungsländern investiert. Nun kann man einwenden, dass das Kaufen ganzer Märkte langweilig ist, aber einerseits kann auch die Auswahl der richtigen Region spannend sein und außerdem spricht nichts dagegen, durch eine Basis an ETFs für eine breite Aufstellung und damit Sicherheit zu sorgen und andererseits Einzelwerte beizumischen.

Wem auch das noch zu unsicher ist, der muss auf Zertifikate zurückgreifen. Garantiezertifikate verhindern beispielsweise Verluste über ein festgelegtes Maß hinaus, sofern nicht der Emittent des Zertifikates bankrottgeht. Wandelanleihen garantieren die Rückzahlung der Einzahlung plus Zins und bieten zusätzlich die Aussicht auf einen Kursgewinn, auch hier wieder unter der Bedingung, dass das Unternehmen nicht insolvent wird. Besonders hoch ist die Sicherheit bei ausgewählten Staatsanleihen, deutschen Pfandbriefen oder Bankguthaben, allerdings bei niedrigen Zinsen.

Fazit

Eine Investition in Aktien ist niemals völlig sicher. Allerdings gibt es mehr oder weniger sichere Aktien. Vor allem breit aufgestellte Großunternehmen mit mittlerem KGV bieten vergleichsweise viel Sicherheit. Doch wichtiger als die Auswahl einer sicheren Aktie ist die Risikostreuung durch den Kauf verschiedener Papiere aus unterschiedlichen Regionen und Branchen. Dabei können ETFs helfen.

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