Keine Mindeststeuer für Amazon?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 19.07.2021


Amazon könnte um die kürzlich von 130 Staaten beschlossene weltweite Mindeststeuer herumkommen. Ab 2023 sollen multinationale Großkonzerne mindestens 15 Prozent Steuern zahlen. Laut der US-Finanzministerin Janet Yellen könnten die neuen Regeln auf Amazon nicht zutreffen. Die Amazon-Aktie ist, laut unseren XTB Depot Erfahrungen, auch bei XTB handelbar.

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Yellen unsicher bei Mindeststeuer für Amazon

Yellen sagte in einem Interview bei CNBC, die Zahlung der Mindestbesteuerung hänge davon ab, ob ein Unternehmen die Rentabilitätsschwelle erreicht. Sie ist sich unsicher, ob dies auf Amazon zutrifft. Schon zuvor zeigte sich Yellen mit Blick auf die neue Mindestbesteuerung skeptisch. Bundesfinanzminister Olaf Scholz geht davon aus, dass schon bis Oktober weitere Details der Einigung geklärt sind, Yellen glaub, dass dies erst im Frühjahr 2022 der Fall sein wird.

Anfang Juli einigten sich 130 Staaten auf eine weltweite Mindeststeuer von 15 Prozent und auch die Finanzminister der G20-Staaten stimmten der Einigung zu. Deutschland und andere Länder erhoffen sich mehr Steuergerechtigkeit und auch höhere Steuereinnahmen. Ob die Steuer wirklich ab 2023 erhoben wird, ist jedoch noch nicht sicher. Weiterhin sind Länder wie Irland, Estland, Ungarn und Großbritannien nicht restlos überzeugt. Irland profitierte durch seine niedrigen Steuersätze beispielsweise in den letzten Jahren von der Situation.

Keine Mindeststeuer für Amazon

Relativ geringe Gewinnmarge bei Amazon

Mit Blick auf Amazon bezieht sich Janet Yellen auf die niedrige Gewinnmarge des Unternehmens. Amazon weist zwar eine Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar auf, konnte bei der Gewinnmarge im letzten Jahr aber nur 6,3 Prozent vorweisen. Die Marge spielt bei der zweiten Säule der Mindestbesteuerung eine Rolle. Die sogenannte Konzernprofitabilitätsschwelle sieht hier eine Umsatzrendite von zehn Prozent vor.

Schon seit Jahren wird eine einheitliche, internationale Besteuerung von großen Unternehmen gefordert. Vor allem Technologie-Unternehmen versuchen schon lange, ihre Steuerlast zu senken. Allerdings wurde dies bereits von einigen Ländern erschwert. Frankreich führte beispielsweise eine Digitalsteuer ein. Pläne für eine europäische Digitalsteuer wurden nach der Einigung auf die internationale Mindeststeuer zunächst nicht weiter verfolgt.

Von den neuen Steuerregeln sind jedoch wohl weniger als 10.000 Unternehmen aus der ganzen Welt betroffen. Vor allem große Technikunternehmen wie Facebook oder Microsoft könnten die Vorgaben treffen. Zugleich scheint es seit einer Weile Bestrebungen der US-Regierung zu geben, diese Technikunternehmen stärker zu regulieren. Die OECD, die schon seit Jahren an internationalen Steuerregeln für große Unternehmen arbeitet, geht davon aus, dass die betroffenen Staaten zusammen in Zukunft über 126 Milliarden Euro mehr einnehmen könnten als zuletzt.

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Steuer für Unternehmen mit mindestens 750 Millionen Umsatz

Die aktuell geplanten Vorgaben sehen vor, dass Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens 750 Millionen Euro im Jahr in Zukunft mindestens 15 Prozent Steuern auf ihre Gewinne zahlen müssen. Die Gewinne sollen in Zukunft dort versteuert werden, wo sie entstanden sind. Allerdings sind nur Unternehmen davon betroffen, die insgesamt oder in einzelnen Geschäftsbereichen mindestens einen Umsatz von 20 Milliarden Euro und einen Gewinn von zehn Prozent der Umsätze erzielen. Allerdings scheint die Definition von Gewinn derzeit umstritten zu sein.

Im letzten Jahr hätte Amazon diese Vorgaben nicht erfüllt, denn das Unternehmen erreichte zwar einen Umsatz von 386 Milliarden Dollar, aber nur einen Gewinn von 21 Milliarden Dollar. Die Umsatzrendite lag damit bei etwa fünf Prozent. Im ersten Quartal 2021 sah dies aber schon etwas anders aus. Der Umsatz lag bei 108 Milliarden Dollar und der Gewinn bei 8,1 Milliarden Dollar. Die Umsatzrendite lag daher bei 7,5 Prozent.

Höchster Quartalsgewinn Anfang 2021

Dies war der höchste Quartalsgewinn der Unternehmensgeschichte und Amazon unterstrich damit einmal mehr, dass das Unternehmen einer der Gewinner der Pandemie war. Weiterhin kaufen viele Menschen vermehrt online ein. Noch vor einem Jahr lag der Gewinn bei 2,5 Milliarden Dollar. Damit konnte Amazon seinen Quartalsgewinn verdreifachen. Zudem wurde zum ersten Mal in einem Auftaktquartal ein Umsatz von über 100 Milliarden Dollar erreicht. Die Erlöse stiegen im Vergleich zum ersten Quartal 2020 um 44 Prozent. Nur das letzte Weihnachtsquartal war erfolgreicher.

Darüber hinaus gibt es bei der weltweiten Mindeststeuer noch einige offenen Fragen. Einige Berechnungen gehen davon aus, dass die 130 teilnehmenden Staaten bald Mehreinnahmen in Höhe von 200 Milliarden Dollar erzielen könnten. Das Aufkommen an Körperschaftssteuer könnte um 100 Milliarden Dollar im Jahr steigern. Laut der OECD könnte die bessere Verteilung der Steuerlast nochmals für 100 Milliarden Dollar Mehreinnahmen sorgen.

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Bisher nur grobe Eckpunkte festgelegt

Allerdings haben sie die G20 und die 130 teilnehmen Staaten bisher nur auf grobe Regeln geeinigt. Die OECD wird wohl weitere Einzelheiten erarbeiten und aushandeln. Bis es zu einer endgültigen Einigung kommt, werden wohl noch ein paar Monate vergehen. Länder, die bisher nicht zugestimmt haben, können in den kommenden Monaten zudem Kompromissvorschläge machen. Dabei handelt es sich neben Irland, Estland und Ungarn auch um die Karibikstaaten Barbados und St. Vincent, denen ein Ruf als „Steuerparadies“ vorauseilt.

Die erste Freude über die Einigung zur internationalen Mindestbesteuerung könnte rasch verfolgen sein. So sagte beispielsweise der bayrische Finanzminister Albert Füracker, dass es derzeit noch mehr Fragen als Antworten gebe, beispielsweise zur Bemessungsgrundlage für die Mindestbesteuerung.

Noch viele Details zu klären

Auch Gabriel Felbermayr, der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), geht davon aus, dass noch viel Arbeit zu leisten ist, da die Steuersysteme je nach Land sehr unterschiedlich sind. Beispielsweise muss gemeinsam festgelegt werden, was als Gewinn gilt. Auch aus der Schweiz gibt es Kritik. Dort bemängelt die Regierung, dass es keine klar definierte Bemessungsgrundlage gebe.

Andere Staaten wie Irland sehen sich in ihrer Souveränität bedroht. Die Regierung in Dublin sagt, dass es das Recht jedes Staates sei, seine Steuersätze selbst zu bestimmen. In Irland beträgt die Körperschaftssteuer nur 12,5 Prozent, was für das Land ein Vorteil ist. Daher ist es nicht überraschend, dass Facebook oder Apple in Irland ihren Europasitz haben und so auch viele Arbeitsplätze schaffen.

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Ausnahmen und Kompromisse denkbar

Die Beratungsfirma Oxford Economics befürchtet sogar, das die Steuerreform eine Krise für Irland zur Folge haben könnte, da langfristig hohe Einnahmen wegfallen. Auch für die Niederlande, Luxemburg und Ungarn könnten Nachteile entstehen. Gabriel Felbermayr geht daher davon aus, dass man sich am Ende auf einen Kompromiss einigen wird, damit es zu einer Harmonisierung in Europa kommt.

Allerdings wird es wohl auch Ausnahmen geben, die teilweise schon jetzt bestehen. Die britische Finanzindustrie wird wohl von der Mindeststeuer befreit bleiben, da sie durch den Brexit bereits sehr belastet ist. Und auch die erhofften Einnahmen für Deutschland könnten geringer ausfallen als zunächst gedacht.

Weniger Einnahmen für Deutschland als erwartet

Einige sehr optimistische Ausblicke gehen von einem einstelligen Milliardenbetrag aus und auch Finanzminister Olaf Scholz erwartet höhere Einnahmen. Andere Experten wie Christopher Ludwig vom Mannheimer Konjunkturforschungsinstitut ZEW sind weniger zuversichtlich. Ludwig erwartet, dass in Deutschland nur eine einstellige Zahl an Unternehmen von den Regelungen betroffen sind. Dies wurde nur wenige Mehreinnahmen bei Steuern bedeuten. Auf der anderen Seite wird aus seiner Sicht bar der Verwaltungsaufwand für Unternehmen und Steuerbehörden größer. Aufwand und Ertrag könnten daher unverhältnismäßig sein.

Experten sind ohnehin der Ansicht, dass verschiedene Steuersysteme mit unterschiedlichen Steuersätzen ein Vorteil sind und den Wettbewerb fördern. Beispielsweise konnte sich das Silicon Valley in Kalifornien auch deshalb so gut entwickeln, da dort früher die Steuern sehr niedrig waren. Vor einiger Zeit stiegen dort aber die Steuern und viele Firmen zogen nach Texas um, wo sie weniger Abgaben zahlen müssen. In den letzten zehn Jahren gingen über 13.000 Unternehmen, darunter Tesla oder Oracle, aus Kalifornien weg.

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Amazon-Aktie bei XTB handelbar

Die Amazon-Aktie ist zwar sehr teuer, aber bei vielen Anlegern beliebt. Auch XTB hat die Aktie im Angebot. Neben dem direkten Kauf kann die Aktie auch über CFDs gehandelt werden. Von allen 16 Börsen im Angebot stellt XTB auch Echtzeitkurse zur Verfügung. Der Broker ist bereits seit 2002 am Markt und seit 2007 auch in Deutschland vertreten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Niederlassung in Frankfurt am Main kümmern sich nicht nur um die Kundenbetreuung, sondern auch um Nachrichten, Prognosen und Schulungsmaterialien. Neben den umfangreichen Angeboten der Trading Academy erfahren Trader in aktuellen Webinaren viel rund um den Handel.

Fazit: Amazon könnte um Mindeststeuer herumkommen

Könnte Amazon um die geplante internationale Mindeststeuer für Unternehmen herumkommen? Die ist durchaus möglich, denn das Unternehmen erfüllt bisher nicht die Vorgaben zur Umsatzrendite. Allerdings sind bei der Steuerreform noch einige Fragen offen und es ist denkbar, dass es bis Herbst noch nicht zu einer Einigung kommt.

Die Amazon-Aktie gehört auch zum Angebot von XTB. Der Broker bietet Aktien im direkten Handel und über CFDs an. Darüber hinaus stellt XTB seinen Tradern ein großes Schulungsangebot zur Verfügung. Fragen beantworten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Niederlassung in Frankfurt am Main.

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