Jede neunte Firma wäre ohne Staatshilfen pleite

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 20.08.2021


Laut einer Schätzung des IWF wäre ohne staatliche Hilfe während der Corona-Krise jedes neunte Unternehmen in Deutschland mittlerweile pleite. Neben staatlichen Unterstützungszahlen war die Aussetzung der Insolvenzpflicht ein wichtiger Faktor, um die wirtschaftliche Aktivität von Unternehmen während der Krise aufrecht zu erhalten. Enden die Maßnahmen, könnten viele Unternehmen aber wieder in Schwierigkeiten geraten.

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Vor allem kleinere Betriebe betroffen

Aktiendepot.com Icon MustervorlageLaut dem IWF wären ohne die Hilfen der Regierung vor allem kleinere Firmen von einer Pleite betroffen gewesen. Dagegen wären nur etwa zweieinhalb Prozent der Unternehmenskredite in Gefahr geraten. Vor allem die Hotel- und Gastronomie-Branche stand in den letzten Monaten sehr unter Druck. Der IWF gibt an, dass hier etwa 30 Prozent der Unternehmen ihre Schulden nicht mehr bedienen konnten, da ihnen Einnahmen wegbrachen. Beendet die Bundesregierung die Hilfsmaßnahmen, könnten die Folgen drastisch sein.

Im Herbst ist eine befürchte Insolvenzwelle zunächst ausgeblieben. Nun steht der Bund aber vor der Aufgabe, möglichst sanft zur Normalität zurückzufinden. Beispielsweise sollten Unternehmen, die durch Schließungen im Rahmen des Lockdowns besonders stark von der Krise betroffen waren, weiter unterstützt werden. Unternehmen, die die Krise nicht überstehen, müssten ihre Geschäfte leichter abwickeln können. Derzeit schützt die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht nach Ansicht von Experten auch Unternehmen, die auch ohne eine Krise keine Überlebenschance haben.

Jede neunte Firma wäre ohne Staatshilfen pleite

Aussetzung der Insolvenzantragspflicht endet

Seit Oktober müssen Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, wenn sie zahlungsunfähig sind. Bisher kam es aber nicht zu einer Pleitewelle. Die vollständige Aussetzung der Insolvenzantragspflicht endet im Januar. Derzeit diskutiert die Regierung in Berlin, ob die Antragspflicht über das Monatsende hinaus verlängert werden soll, da die staatlichen Hilfen für Umsatzausfälle in den letzten beiden Monaten nur schleppend ausgezahlt werden.

Teilweise werden die staatlichen Hilfen als Kredite ausgezahlt, was aus Expertensicht Unternehmen über einen längeren Zeitraum schwächen könnte. Niedrige Eigenkapitalquoten könnten die Wirtschaft über mehrere Jahre hinweg belasten. Viele Unternehmen haben derzeit hohe Verluste, aber auch hohe Schulden. Dabei könnte mehr Fremdkapital nicht die Lösung sein, da sie diese Gelder nicht schnell genug zurückzahlen könnten, wenn sich das Geschäft nach Ende der Krise nicht schnell genug erholt. Denkbar ist auch Hilfe durch neue Investoren. Ein Vorschlag von Sanierungsexperten ist auch, dass der Staat bei Sanierungskapitalerhöhungen auf die Kapitalertragssteuer verzichten könnte.

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IWF lobt Vorgehen der Bundesregierung

Der IWF ist dennoch mit der Rettungspolitik der Bundesregierung zufrieden und traut der deutschen Wirtschaft eine deutliche Erholung zu. Die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds schätzen, dass das BIP in Deutschland in diesem Jahr um 3,5 Prozent wachsen könnte. Allerdings korrigierte der IWF zuletzt zum zweiten Mal in sechs Monaten seine Schätzungen nach unten. Noch im Oktober ging der IWF von einem Anstieg des BIP von 4,2 Prozent aus. Im letzten Juni lag die Prognose noch bei 5,4 Prozent.

Die Bundesregierung geht bisher von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 4,4 Prozent aus, aber es wird erwartete, dass diese Prognose am Monatsende überarbeitet wird und aufgrund des verlängerten Lockdowns vorsichtiger ausfällt. Der IWF lobt, dass Deutschland bisher besser durch die Krise gekommen ist als andere Staaten, warnt aber vor einem zu frühen Ende der Hilfsmaßnahmen. Bis sich die konjunkturelle Erholung stabilisiert hat, müsse die Regierung weiter eine expansive Finanzpolitik verfolgen, mahnt der IWF an.

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Zusätzliche Mittel könnten nötig werden

Kommt es zu der Situation, dass sich die Wirtschaft schwächer entwickelt als erwartet, sind laut dem IWF zusätzliche Mittel notwendig. Deutschland hat jedoch aus Sicht des Währungsfonds genug Reserven. Beispielsweise begrüßt es der IWF, dass Finanzminister Scholz angekündigt hat, auch für 2021 die Schuldenbremse außer Kraft zu setzen.

Der IWF macht zudem deutlich, dass es gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen gibt. Zu Jahresbeginn werden die weiter hohen Neuinfektionszahlen noch Einschränkungen zur Folge habe, mit mehr Impfungen könnte es aber zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation kommen. Letztendlich könnte Deutschland in den Jahren 2020 und 2021 über zehn Prozent seiner Wirtschaftskraft in den Kampf gegen das Virus stecken. Dazu kommen zusätzliche öffentliche Bürgschaften. Das Ergebnis ist eines der größten Rettungspakete in ganz Europa.

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Kurzarbeit entscheidender Faktor

Aktiendepot.com Icon KündigungDer IWF sagte auch, dass die Ausweitung der Kurzarbeit eine wichtige Rolle beim Erhalt von Arbeitsplätzen gespielt hat. So seien zudem Einkommen von Haushalten gesichert worden. Unternehmen hätten weiter Kredite und zusätzlich Liquidität erhalten. Dennoch ist die deutsche Wirtschaft im letzten Jahr um fünf Prozent geschrumpft, was der zweithöchste Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg war.

Weiter befürchten Branchenverbände eine Pleitewelle im Jahr 2021, denn ab Januar müssen viele Unternehmen, die überschuldet und in finanziellen Schwierigkeiten sind, wieder die Insolvenzantragspflicht einhalten. Thomas Langen, der Vorsitzende der Kommission Kreditversicherung im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), geht davon aus, dass diese Welle an Insolvenzen seit Monaten vor sich hergeschoben wurde. Laut Langen wird erst ab Ende Januar deutlich, wie groß der Anstieg an Insolvenzen ist und wie groß der wirtschaftliche Schaden durch die Pandemie am Ende ist.

IWF News

Ab Januar wieder Insolvenz anmelden notwendig

Die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen, die zahlungsunfähig oder überschuldet sind, wurde in Folge der Corona-Pandemie ausgesetzt. Die Regelung begann im März und lief Ende September bei Zahlungsunfähigkeit aus. Ab Januar müssen nun auch wieder überschuldete Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen. In Ausnahmefällen ist aber eine Verlängerung bis Ende Januar möglich.

Dies gilt für Unternehmen, die vom 1. November bis zum 31. Dezember einen Antrag auf die November- und Dezemberhilfen gestellt haben. Auch Firmen, die dies nicht getan haben, obwohl sie dazu berechtigt waren, können noch bis Ende Januar warten, bevor sie Insolvenz anmelden müssen.

Die Regelung sollte eigentlich bereits Ende September auslaufen, wurde aber um einige Wochen verlängert. Unternehmen, die überschuldet, aber nicht zahlungsunfähig sind, sollten so mehr Zeit für Sanierungs- und Refinanzierungsmöglichkeiten bekommen. Bei einigen Unternehmen sah man noch die Möglichkeit, dass mit einer dauerhaften Sanierung Arbeitsplätze und Strukturen erhalten werden könnten.

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Gefahr durch verzögerte Insolvenzen

Aktiendepot.com Icon ErfahrungenExperten wie Thomas Langen gehen zudem davon aus, dass die Insolvenzantragspflicht mehr Schaden als Nutzen anrichtet und zur Unsicherheit am Markt beträgt. Lieferanten stellen sich beispielsweise die Frage, ob ihr Kunde wirklich zahlungsfähig ist oder nur bisher keinen Insolvenzantrag stellen musste.

Bei der Wirtschaftsauskunftei Creditreform geht man davon aus, dass das Insolvenzgeschehen als Indikator für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung von der wirklichen Lage der Unternehmen getrennt wurde. Viele Unternehmen, die ohne die Krise nicht mehr am Markt wären, würden durch staatliche Hilfen künstlich am Leben gehalten. Einige Volkswirte sprechen sogar schon von „Zombie-Firmen“. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) könnte es bis zu 4.300 solcher Zombie-Firmen geben. Auch Unternehmen ohne überzeugendes Geschäftsmodell würde so künstlich am Leben erhalten.

Laut IWF viele Firmen ohne Hilfe pleite

Dominoeffekt befürchtet

Stefan Schneider, der Chefvolkswirt für Deutschland bei der Deutschen Bank, hatte schon im August befürchte, dass es nach Ende der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zu einem Dominoeffekt kommen könnte. Letztendlich könnten dabei auch gesunde Unternehmen durch Zahlungsausfälle bei anderen Unternehmen mit in die Krise gezogen werden.

Creditreform ging bisher für 2020 von 16.3000 Unternehmenspleiten aus, was 13,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor sind. Dies wäre zudem die niedrigste Zahl seit 1993. Diese Zahl ist jedoch aufgrund der aktuellen Sonderregeln zu 100 Prozent aussagekräftig. Dennoch geht Creditreform davon aus, dass 2010 über die Hälfte aller Insolvenzen Unternehmen aus dem Dienstleistungsgewerbe waren.

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Schwierigkeiten bei kleineren Unternehmen

Aktiendepot.com Icon ChecklisteFür 2021 geht die Auskunftei vor allem bei kleineren Unternehmen von mehr Insolvenzen aus. Denkbar sind bis zu 24.000 Insolvenzverfahren oder mehr. Schon im ersten Quartal könnte die Insolvenzwelle ihren Höhepunkt erreichen. Allerdings ist bei dieser Einschätzung der Einfluss des aktuellen Lockdowns unklar. Mehr Unternehmenspleiten können sich in der Folge auch auf die Banken auswirken. Die Europäische Bankenaufsicht EBA warnte bereits vor steigenden Risiken für Banken als Folge der Corona-Krise. Im zweiten Quartal 2020 ging laut der EBA das Volumen der ausfallgefährdeten Darlehen erstmals seit Jahren wieder leicht nach oben.

IWF lobt staatliche Hilfen

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Fazit: Weiter Unternehmenspleiten befürchtet

Aktiendepot.com Icon FazitBisher ist die seit Beginn der Krise befürchtete Pleitewelle ausgeblieben. Die Situation könnte sich aber ab Ende Januar ändern, wenn die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht endgültig endet. Der IWF geht davon aus, dass ohne die Hilfen der Bundesregierung in den letzten Monaten mittlerweile jede neunte Firma in Deutschland in den letzten Monaten pleite gegangen wäre.

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