EZB verändert ihr Inflationsziel

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 26.07.2021


Die EZB verändert ihr striktes Inflationsziel und erlaubt damit weiter eine lockerere Geldpolitik. Zuvor hatte die EZB ihre Strategie überprüft. Diese Überprüfung wurde schon Anfang letzten Jahres beschlossen. Beim Thema Inflation, das sehr umstritten ist, wurde eine Einigung gefunden. In Zukunft strebt die EZB ein Inflationsziel von genau zwei Prozent an. Wird diese Marke überschritten, soll dies in Zukunft toleriert werden. Veränderungen der EZB-Geldpolitik können sich auch auf den Aktienhandel auswirken. Aktien können auch bei XTB gehandelt werden.

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Lockere Geldpolitik geht weiter

Bisher strebte die EZB ein Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent an. An diesem Wert sieht die Zentralbank die Preisstabilität gewährleistet. Nun steigen aber die Inflationszahlen und die EZB könnte sich früher oder später zum Eingreifen gezwungen sehen. Die neue Entscheidung könnte es für die EZB einfacher machen, ihre sehr lockere Geldpolitik weiterzuführen.

Die Entscheidung wurde vom Rat der Zentralbank getroffen. Darin sind die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums vertreten. Dazu kommen die Präsidenten der nationalen Zentralbanken aller 19 Mitgliedsstaaten. Will die EZB ihre Strategie verändern, muss der Rat der Zentralbank eine einstimmige Entscheidung treffen. 

EZB-Präsidentin Christine Lagarde setzte sich schon im letzten Herbst dafür ein, dass die EZB ein neues Inflationsziel anstrebt. Die Inflationssituation sollte aus ihrer Sicht gründlich analysiert werden und dann überlegt werden, um unter Umständen die Strategie der EZB darauf anzupassen. Die Zentralbank sollte sich auf ein Inflationsziel einigen, dass glaubwürdig sei und von der Öffentlichkeit verstanden wird. Bisher ist jedoch ungewiss, wie lange und wie deutlich die EZB ein Abweichen von ihrem Inflationsziel tolerieren wird.

Weidmann zunächst gegen Strategie 

Jens Weidmann, der Präsident der Bundesbank, sprach sich zunächst gegen ein Konzept zur flexiblen Inflationssteuerung aus, bei dem eine höhere Inflation zeitweise toleriert wird. Diese Strategie wird auch „Average Inflation Targeting“ genannt. Eine Notenbank muss dabei erst dann die Zinsen anheben, wenn die Inflation eine bestimmte Zeit über diesem Ziel lag und zuvor lange geringer war. So müssten die Währungshüter nicht frühzeitig auf einen zu geringen oder zu hohen Preisdruck reagieren.

In den USA hat sich die Strategie bereits gewandelt und dort wird seit einiger Zeit eine Art Average Inflation Targeting verfolgt. Die Fed stellte schon im letzten Jahr Änderungen bei ihrer Strategie in Aussicht. Die Zinsen sollen so lange nahe null bleiben, bis die Inflation eine Zeit lang das Inflationsziel von zwei Prozent leicht übertrifft. Im EZB-Rat war aber wohl umstritten, ob auch die EZB einen solchen Weg gehen sollte. Die Vorbehalte hatten wohl den Hintergrund, dass eine zu starke Festlegung nicht zielführend seit soll.

Bisherige Formulierung nicht ideal

Die EZB sieht aber auch, dass die bisherige Formulierung des Inflationsziels unpassend ist. So wies beispielsweise der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau zuletzt darauf hin, dass das Inflationsziel nicht als Obergrenze zu sehen sei, sondern eher symmetrisch zu betrachten ist. Symmetrie bedeutet hier, dass es für die Notenbank in Ordnung ist, wenn die Inflationsrate eine Weile über dem angestrebten Ziel liegt.

Das Inflationsziel der EZB wird ohnehin schon seit Jahren nicht erreicht und lag seit 2013 meist unter dem Zielwert. Lange lag die Inflation deutlich unter zwei Prozent. Doch in den letzten Monaten stieg die Teuerungsrate infolge der Corona-Pandemie deutlich an und erreichte den Zielbereich der Zentralbank. Im Mai lag die Inflationsrate in der Eurozone bei zwei Prozent und im Juni leicht darunter bei 1,9 Prozent. In Deutschland lag die Inflationsrate zuletzt bei 2,3 Prozent.

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Inflation könnte weiter steigen

Viele Experten gehen davon aus, dass die Inflation in den nächsten Monaten weiter ansteigt, wohl auch weit über zwei Prozent hinaus. Derzeit sagen viele Ökonomen, dass dieser Anstieg nicht dauerhaft sein wird. Allerdings mehren sich auch Gegenstimmen, die von einer deutlich längeren Phase hoher Inflationsraten ausgehen. Auch Christine Lagarde geht davon aus, dass die hohen Inflation nur ein vorübergehender Effekt ist und bald wieder niedrigere Inflationsraten in Sicht sein werden. Für 2021 geht die Zentralbank dennoch von einer Inflationsrate von 1,9 Prozent für die ganze Eurozone aus und für 2022 von 1,5 Prozent. 

Auf den ersten Blick wirkt das neue Inflationsziel nur wie eine geringfügige Veränderung der Vorgehensweise der EZB, doch dies könnte größere Folgen haben. Diskussionen gab es wohl bei der Frage, wie die EZB in Zukunft auf höhere Inflationsraten reagieren will. Vor allem Jens Weidmann soll zunächst eher skeptisch gewesen sein, insbesondere da es in der Öffentlichkeit missverstanden werden könnte, wenn die EZB bei einer Inflation über zwei Prozent nicht eingreift. Letztendlich stimmte Weidmann dennoch der Einigung zu, die am Ende einstimmig ausfiel.

Mehr Spielraum für EZB

Das neue Inflationsziel gibt der EZB mehr Spielraum, um die EZB Nullzinspolitik weiterzuführen, ohne auf höhere Verbraucherpreise eingehen zu müssen. Daher muss die Wirtschaft in der Eurozone wohl weiter von niedrigen Zinsen ausgehen. Denkbar ist, dass die neue Vorgehensweise auch den Weg zu weiter steigenden Inflationsraten ebnet. Die EZB könnte diese Entscheidung über Jahre als Argumentation nutzen, um ihre Geldpolitik und weitere Anleihekäufe zu begründen. Zudem gibt es keine Verbindlichkeit und kein Enddatum für die EZB-Strategie.

In den letzten 18 Monaten während der Überprüfung der Strategie wurde beispielsweise über die Formulierung der Preisstabilität diskutiert. Zudem ging es um die geldpolitischen Instrumente und die Kommunikation der EZB. Preisstabilität, also ein ausgewogenes Preisniveau, ist weiter das wichtigste Ziel für die EZB. Dies kann aus ihrer Sicht am besten erreicht werden, wenn die Preise in der Eurozone leicht steigen.

Inflationsziel seit Jahren nicht erreicht

Das Ziel einer Inflation knapp unter zwei Prozent wurde in den letzten Jahren auch durch hohe Summen, die die EZB auf die Märkte brachte, nicht erreicht. Die Zentralbank sieht sich schon lange Kritik ausgesetzt, dass sie sich mit ihrem hartnäckigen Beharren auf dem Inflationsziel in eine Sackgasse bewegt hat. Mehr Spielraum sei notwendig. Zuletzt wurde die Strategie der EZB 2003 überarbeitet. Damals wurde das mittelfristige Preisstabilitätsziel, dass 1998 bei der EZB-Gründung festgelegt wurde, konkretisiert. Zuvor lag das Preisstabilitätsziel bei unter zwei Prozent.

Neben der Entscheidung zur Inflationsrate einigte sich die EZB auch darauf, in Zukunft Wohnkosten in die Inflation mit einzubeziehen. Mietkosten werden schon länger einbezogen. Dies ist allerdings auf mehrere Jahre ausgelegt. Bis dahin will die EZB weiter mit einer Schätzung von Wohnkosten von Menschen mit eigener Wohnung oder eigenem Haus arbeiten. Immobilienpreise, bzw. Kosten für Immobilienkredite, sollen mit aufgenommen werden, da auch sie Aussagen über die Geldpolitik geben. Die ist wohl ein langfristiger Prozess, aber womöglich sinnvoll, da die Immobilienpreise vor allem in Deutschland weiter steigern.

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Mehr Augenmerk auf Klimaschutz

Die Zentralbank will zudem auch den Klimaschutz stärker berücksichtigen, was Lagarde bereits seit Jahren fordert. Der Plan ist ein umfangreicher Aktionsplan mit einem Fahrplan, wie weitere Klimaschutzüberlegungen einbezogen werden können. Dieser soll dann Einzug in geldpolitische Handlungen nehmen.

Auch hier ist bisher unklar, wie das Ziel realisiert werden soll. Bei Anleihekäufen hat die Zentralbank durchaus Spielraum, um ökologische Faktoren einzubinden. Beispielsweise wurden bei Unternehmensanleihen bereits Risiken im Bereich Klimawandel in das Prüfverfahren für den Ankauf einbezogen. Auch Unternehmensanleihen, die an Nachhaltigkeitsziele gebunden sind, werden als Sicherheiten akzeptiert. Auf diesem Weg können Unternehmen ihre Geschäfte leichter refinanzieren.

Internationale Aktien bei XTB

Entscheidungen der EZB haben oft Einfluss auf den Aktienhandel. Bei XTB können Trader zahlreiche internationale Aktien bis zu einer Handelssumme von bis zu 100.000 Euro im Monat kommissionsfrei handeln. Alternativ steht der CFD-Handel mit Aktien zur Verfügung. Aktuelle Kurse und Nachrichten von den Märkten stellt der Broker ebenfalls zur Verfügung. Die Handelsplattform kann ebenso wie das Handelsangebot auch über ein Demokonto getestet werden.

Der Handel erfolgt dann über eine moderne Plattform, die auch über viele Charts und Indikatoren verfügt. Auch ein Wirtschaftskalender und ein Trading-Rechner stehen zur Verfügung. Fragen beantworten nicht nur die Experten des Brokers in Webinaren, sondern auch der Kundenservice, der unter der Woche rund um die Uhr erreicht werden kann. Der Broker hat mittlerweile Kunden aus zahlreichen Ländern und ist am polnischen Heimatmarkt an der Börse notiert. Die Deutschland-Niederlassung, wo erfahrene Experten arbeiten, ist in Frankfurt am Main zuhause. 

Fazit: EZB hält an lockerer Geldpolitik fest

Die EZB hält nicht mehr strikt an ihrem Inflationsziel von knapp unter zwei Prozent fest. In Zukunft kann die Inflation auch leicht darüber liegen. Damit wird es für die EZB wohl leichter, an ihrer lockeren Geldpolitik festzuhalten. Zudem will die EZB in Zukunft Klimaschutz und Nachhaltig mehr in ihr Vorgehen einbeziehen.

Entscheidungen der EZB können auch Auswirkungen auf den Aktienhandel haben. Bei XTB können Trader neben dem direkten Aktienhandel auch über CFDs in Aktien investieren. Der Broker gib seinen Tradern Kurse, Informationen zum Handel und Nachrichten von den Märkten an die Hand. 

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