ETF Nachteile & Risiken: Was taugen ETF-Fonds als perfekte Geldanlage?

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 22.06.2020


ETFs werden unter Privatanlegern immer populärer. Sie werden Anlegern geschätzt, weil sie ein einfaches Produkt sind, günstige Kosten aufweisen und auf lange Sicht gute Renditen erwirtschaften. Selbst mit geringen Investitionssummen erreicht der Anleger eine angemessene Risikostreuung. Außerdem gehört ETF-Vermögen zum Sondervermögen, sodass es bei Insolvenz des ETF-Herausgebers nicht verloren geht. Bei all den Vorteilen gibt es beim ETF Nachteile und Risiken, die Anleger kennen sollten. Ein den Börsenindex genau abbildender Indexfonds wird maximal eine Rendite wie der Vergleichsindexes erreichen. Ein weiterer Fakt ist, dass das ETF-Angebot zunehmend unübersichtlicher wird. Auf den Markt gelangen neben sinnvollen Produktinnovationen mehr und mehr ETFs, die für Privatanleger weniger brauchbar sind. Unser Ratgeber wird sich eingehend mit diesen Problemen beschäftigen.

  • ETF Nachteile entstehen durch praktische Umsetzung
  • mangelnde Transparenz bei komplexen Indizes
  • Riskante Anleihen bedeuten riskanten Renten-ETF
  • ETF folgt einer negativen (wie positiven) Entwicklung des Index
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ETF Fonds Nachteile & Vorteile gegenüber Investmentfonds

Seit einigen Jahren stehen börsengehandelte Indexfonds oder Exchange Traded Funds (ETFs) im Fokus der Anleger und die Branche lässt nichts unversucht diesen Trend zu befördern. Die Befürworter der Indexfonds bringen deren Stärken auf einen einfachen Nenner: „Kein Fondsmanager bedeutet für den Anleger mehr Rendite„. Das Wesen passiv gemanagter Fonds ist, dass sie die Entwicklung eines bestimmten Börsenindex nachbilden. Es gibt keinen Fondsmanager, der Aktien gemäß einer Strategie auswählt. In der Theorie spiegelt ein Indexfonds die Entwicklung eines bestimmten Index genau wider.

In einem Dax-ETF sind jene Aktien enthalten, die im Dax30 gelistet sind. Legt der Dax um ein Prozent zu, erhöht sich der Wert des Dax-ETF um ein Prozent. Diese einfache Funktionsweise wird von vielen Anlegern geschätzt. Eine Anmerkung sei in diesem Zusammenhang erlaubt. ETFs erleben sicherlich einen Boom. In erster Linie sind sie nicht das Anlageprodukt der Privatanleger, denn institutionelle Anleger halten etwa 75 bis 80 Prozent des ETF-Kapitals. Private Anleger investieren vor allem Geld in aktive gemanagte Fonds bzw. Investmentfonds. Schätzungen zufolge beträgt das in Europa in Indexfonds investierte Kapital gerade einmal fünf Prozent des auf Investmentfonds entfallenden Vermögens.

Den heutigen Anlagetrend mit Indexfonds konnte niemand erahnen, als kurz nach der letzten Jahrtausendwende die ersten börsengehandelten Indexfonds (kurz ETFs) hierzulande auf den Markt kamen. Mittlerweile werden auf der Börsenplattform Xetra über 1.000 ETFs gelistet.

ETF Trading

ETF Kritik von Vertretern der Investmentfonds

Kritiker der ETFs sagen, dass Indexfonds das Anlageprodukt für Leute ohne Börsenahnung sind und dass sie keine Überrendite realisieren. ETFs werden mit sich dem Markt entwickeln, was heißt, sie werden in gleichem Maße steigen und fallen. Eine Rendite oberhalb der allgemeinen Marktentwicklung ist nicht möglich. Für einen ETF spielt keine Rolle, ob die Bewertungen an der Börse durch die Entwicklung des Aktienunternehmens gerechtfertigt sind. Kennziffern wie Umsatz und Gewinn sind ETFs egal.

Die Befürworter aktiv verwalteter Fonds meinen, dass Anleger, die ihr Geld besonders guten Fondsmanagern anvertrauen, die Chance haben, besser als der Markt abzuschneiden. Die Ergebnisse vieler Studien sprechen eine andere Sprache, denn nur ein kleiner Teil der Fonds schafft es, bei langer Anlagedauer den Markt zu schlagen.

ETF-Förderer und Anleger sehen sich daher als Bewahrer der bewährten Grundsätze der Geldanlage. Zu diesen Grundsätzen gehört ein langer Atem. Verzichtet wird auf ein häufiges Umschichten in der Hoffnung auf ein optimales Timing. Wert wird auf eine breite Streuung anstelle der Fokussierung auf  einzelne Aktien gelegt. Das Risiko wird bewusst gesteuert, wobei hier die verbleibende Anlagedauer bis zum geplanten Ausstiegszeitpunkt Berücksichtigung findet. Bei sehr langer Anlagedauer dürfen risikovollere und renditestärkere Anlagen ins Portfolio.

Manche Vertreter der Investmentfonds verweisen auf die überdurchschnittlichen Ergebnisse einiger Fonds. Diese gibt es tatsächlich, allerdings sind es nur wenige. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg meint dazu, dass es sich bei den heute noch existierenden Fonds um jene handelt, die sich am Markt gehalten hätten. Fonds mit besonderer Negativentwicklung sind längst aufgelöst und aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwunden.

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Kostenvorteile von ETFs gegenüber Fonds

Dabei ist die Entwicklung einer Geldanlage besser als der Markt nicht das einzige Kriterium. Anleger aktiv verwalteter Fonds zahlen mehr Gebühren als bei den Indexfonds. Investmentfonds kosten häufig pro Einzahlung bzw. Anteilskauf fünf Prozent Ausgabeaufschlag.

Bei 100 Euro Einzahlung werden die sofort von der Fondsgesellschaft einbehalten. Anleger können beim Fondskauf bei vielen Fondsgesellschaften Rabatte nutzen. Zu zahlen ist in jedem Fall eine jährliche Verwaltungsgebühr von rund 1,5 Prozent. Bei ETFs fällt eine Gebühr von 0,5 Prozent und weniger an.

Ausgabe- oder Rücknahmeaufschläge entfallen beim börsengehandelten ETF. Günstig auf die Kosten wirkt sich aus, dass die Fondsgesellschaft keine Liquiditätsreserve für Anteilsrücknahmen vorhalten muss. Beim ETF-Handel fallen Transaktionskosten bzw. bei Kauf und Verkauf Orderkosten an. Je nach Anbieter können diese nur wenige Euro pro Order oder einen Prozentwert bezogen auf das Ordervolumen betragen. Im Kostenvergleich schneidet der ETF gegenüber dem Fonds besser ab.

Aktiv verwaltete Fonds müssten über einen langen Anlagezeitraum eine höhere Rendite pro Jahr als beim ETF erwirtschaften. Größere Nachteile auf einen Indexfonds ergeben sich aus der naturgemäß engen Bindung an den Index. Die Stärke des Immobilienmarktes sorgt für eine anhaltende Wertsteigerung bei Immobilienunternehmen. Die Folge könnte sein, dass sie vermehrt in den Börsenindizes vertreten sind. Kommt es zum Platzen der angeblichen Immobilienblase, wären Index und ETF gleichermaßen davon betroffen.

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Praktische Umsetzung sorgt für ETF Nachteile

Wie jedes Finanzprodukt gibt es beim ETF Nachteile. Für den ETF-Anleger werden sich einige als besonders zutreffend erweisen. Andere werden sich eher theoretisch den praktisch auf einen ETF-Investor auswirken. Auch wenn das Gesamtbild beim ETF positiv ist, gibt es ein paar Nachteile festzuhalten. Sie entstammen weniger der Grundkonzeption als der praktischen Umsetzung. Die ETF Fonds Nachteile sind nicht von einer größeren Bedeutung, sodass sie die Sinnhaftigkeit von börsengehandelten Indexfonds infrage stellen würden.

Ein Nachteil von ETFs ist, dass nicht in jedem Indexfonds das drinsteckt, was allgemein zu erwarten wäre. Für die Bildung eines Indexfonds gibt es grundsätzlich zwei Methoden. Da sind zum einen die physische und zum anderen die synthetische Replikation. Bei der 1:1 Indexnachbildung (physische Replikation) werden Aktien in der gleichen Zusammensetzung wie beim Index erworben. Bei der synthetischen bzw. swap-basierten Replikation entsteht ein Swap ETF, der eine Nachbildung über einen Swap-Kontrakt mit einem Partner darstellt.

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Nachteile und Risiken von Swap ETF

Der Swap-ETF ist meist günstiger als der Indexfonds mit 1:1 Nachbildung. Sein zusätzlicher Nachteil ist ein Bonitätsrisiko, abhängig vom Swap-Partner.

Bei einer Insolvenz der Bank, kann der ETF eventuell bestehende Forderungen aus dem Swap-Vertrag nicht realisieren.  Anleger verlieren Geld, denn der Swap ist anders als das ETF-Vermögen nicht Teil des Sondervermögens. Europäische Vorschriften zur Regulierung von Investmentfonds (OGAW) begrenzen das Risiko. Der maximale Wert der Swaps darf zehn Prozent des Fondsvermögens nicht übersteigen. Einige Anbieter verzichten auf Besicherungen der Swap-Vereinbarungen durch einen einzelnen Vertragspartner und setzen auf Verträge mit verschiedenen Banken.

Ein weiteres Problem der Swap ETFs betrifft die mangelnde Nachvollziehbarkeit der Gebühren für die Swaps. Swaps werden zwischen den Vertragspartner vereinbart und nicht an Börsen gehandelt. ETF-Anbieter gehören oft zu Bankkonzernen. Die Swap-Verträge schließen sie untereinander ab. Für Anleger können überhöhte Gebühren entstehen. Anbieter werben lieber mit den möglichen Vorteilen von Swap-ETFs. Das sind unkomplizierte Nachbildungen sehr umfangreicher Indizes und Kostenersparnisse.

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Risiken des physisch replizierenden ETF

Indexfonds, die den Index mit Wertpapieren 1:1 nachbilden, sind nicht ohne gewisse Tücken. Bei Indizes mit vielen Bestandteilen ist die Anzahl der Wertpapiertransaktionen stark erhöht, was auf die Kosten Einfluss nimmt. Bestimmte Märkte (Entwicklungsländer) sind nicht uneingeschränkt zugänglich, sodass das Kaufen der Aktien nicht möglich ist. Letztlich kauft der ETF die Aktien, die für die Indexentwicklung eine Hauptrolle spielen.

Für die Fondsgesellschaften besteht die Möglichkeit, die im ETF-Fonds befindlichen Wertpapiere zu verleihen. Sie gehen auch an Spekulanten, die auf einen fallenden Kurs einer bestimmten Aktie wetten und den Titel leer verkaufen wollen.

Dafür zahlen sie eine Gebühr an den Fonds. Für den Anleger hat die Wertpapierleihe Zusatzeinnahmen zur Folge, womit sich die Rendite ihres Investments verbessert. Höhere Renditen gehen immer mit einem höheren Risiko einher. Die Leihgebühr gilt als eine Entschädigung für das Risiko, das mit dem Verleihen der Wertpapiere einhergeht. Das größte Risiko besteht darin, dass der Ausleihende zahlungsunfähig wird und die Wertpapiere nicht an den ETF zurückgehen. ETF-Anbieter verleihen Wertpapiere in der Regel nur gegen Sicherheiten, ohne dass das einen hundertprozentigen Schutz sichern kann. Hinzu kommt, dass ETF-Anleger das komplette Risiko der Wertpapierleihgeschäfte innehaben. Die Erträge müssen sie sich mit der Fondsgesellschaft mehr oder weniger hälftig teilen. Details dazu sind im Verkaufsprospekt aufgeführt.

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Weitere Nachteile und Risiken von ETF Fonds

  • Indexanbieter entscheiden über die Art und Weise der Nachbildung eines Indexes. Indizes können aus vielen Werten bestehen, sodass Nebenwerte nicht komplett Berücksichtigung finden. Die Folge sind mehr oder weniger große Abweichungen der Indexfondsentwicklung im Vergleich zur marktrealen Indexentwicklung.
  • Auch ETFs mit 1:1 Nachbildung laufen nicht in jedem Fall deckungsgleich mit dem Index. ETF = Index funktioniert nicht, weil der ETF die Nettorendite liefert, während beim Index die Bruttorendite angezeigt wird. Auch sonst gibt es aufgrund bestimmter Marktphasen (hohe Volatilität) regelmäßig über kurze Zeiten Abweichungen von seinem Index.
  • ETFs entwickeln sich so wie der Markt. Eine Rendite besser als Markt ist nicht möglich. Das ist ein Nachteil für Anleger mit Fokus auf überdurchschnittliche Renditen.
  • Auf das Aktien-Stimmrecht wird verzichtet. Mit einem ETF darf der Investor an dessen Wertentwicklung teilnehmen, aber nicht mitreden. Das ist Sache der Fondsverwalter.
  • Die Zahl der ETF-Anbieter ist überschaubar. Den Markt für Indexfonds dominieren wenige Unternehmen. Günstige Gebühren verlangen nach großen Volumen.
  • Ein ETF-Portfolio kostet unter Umständen mehr als Einzelaktien. ETFs kosten laufend Geld, während bei Aktien vor allem Trankaktionskosten anfallen.
  • Passives Investieren erhöht indirekt die Volatilität der Märkte. Werden in Folge eines Börsencrashs Indexfonds bei unveränderter Nachfrage massenhaft verkauft, fallen die Preise. Eine Art Teufelskreis kann zu Massenorders und hohen Kursverlusten führen. ETFs sind keinesfalls allein schuld an stark fallenden Kursen. Der Börsenhandel ist sehr komplex.
  • Indexanbieter geben die Regeln für ETF vor. Damit nehmen sie Einfluss darauf, was in einem Depot erscheint und was rausgenommen wird.

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Risiko von Anleihen ETF durch Komplexität der Indizes

Nicht bei Aktien-ETF allein gibt es Nachteile, denn diese gelten auch für Anleihen ETF. Die Anleihen ETF Nachteile lassen sich einem Satz zusammenfassen: Riskante Anleihen führen zu riskanten Renten-ETF. Anleihen-ETF haben je nach Anleihetyp einen unterschiedlichen Risikograd. Schwellenländer-ETF bieten hohe Renditechancen, wobei Vorsicht wegen eines drohenden Währungsrisikos immer angeraten ist. Selbst Staatsanleihen unterliegen einem Ausfallrisiko. Hinzu kommt ein Zinsänderungsrisiko. Kursverluste entstehen bei Anhebung des allgemeinen Zinsniveaus. Anleihen ETF Nachteile erwachsen für den Anleger aus der Komplexität der Indizes, weil es dann an Transparenz mangelt.

Nachteile ETF Sparplan gibt es auch ähnlich wie beim normalen ETF Erwerb. Es gibt ein allgemeines Anlagerisiko (vermindert bei Langzeitanlage). Zu beachten sind die im Vergleich mit einer Einmalanlage höheren Kosten, die durch den regelmäßigen Kauf der börsengehandelten Fondsanteile entstehen.

Tipp: Wer mit ETF Fonds in verschiedene Anlageklassen investiert, sollte regelmäßig sein Portfolio überprüfen. Anpassungen (Rebalancing) sollten mit Blick auf den Markt und die eigenen Bedarfsentwicklungen erfolgen. Ein zu häufiges Rebalancing mit dem Ziel der Renditeoptimierung ist nicht zu empfehlen, denn das geht in der Mehrzahl der Fälle nicht wie gewünscht auf.

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Fazit: ETF Nachteile nicht überbewerten – Vorteile überwiegen

Es gibt neben vielen Befürwortern der ETFs eine ganze Menge Stimmen, die Indexfonds kritisieren. Zum einen bezieht sich die Kritik auf die Nachteile und Risiken des ETFs, die sich konkret für den Anleger zeigen. Nachteile sind laufende Gebühren, Rendite nicht besser als der Markt und zunehmende Unübersichtlichkeit der ETF-Produkte. Weitere Nachteile sind letztlich das Resultat theoretischer Überlegungen. Künftige Marktentwicklungen und Reaktionen der Investoren lassen sich nicht vorhersagen. Jeder ETF-Investor sollte um die Besonderheiten von ETF Fonds wissen und ETFs passend zum eigenen Vorhaben wählen.

Grundsätzlich sollte er sich für das Unverfälschte entscheiden. Die immer mehr in Mode kommenden Spezial-ETFs locken Anleger, die Wert auf Sicherheit oder tolle Renditen legen. Die gewünschte Überrendite bleibt meist aus. Wer sich bei der Auswahl ihres ETF auf die marktführenden Anbieter und breitgestreute ETFs konzentriert, sichert sich eine kostengünstige und ertragreiche Geldanlage.

Zum anderen werden ETF Fonds Nachteile gern von Fondsmanagern der Investmentfondsbranche für Kritik benutzt, da Indexfonds ein ernst zunehmendes Konkurrenzprodukt darstellen. Sie meinen, dass ETFs maximal eine marktübliche Rendite erzielen und zum kurzfristigen Spekulieren verleiten.

Wie jedes andere Finanzprodukt haben ETF Nachteile und Risiken. ETFs gehören derzeit zu den besten Produkten für Börseninvestoren, ohne dass sie als perfekte Geldanlage gelten könnten. In jedem Fall sind sie eine interessante Alternative zu den aktiv gemanagten Fonds. Wesentliche Nachteile der ETFs treffen auf die Investmentfonds zu. Für den Anleger bieten ETFs den Vorteil, dass er sich kostengünstig ein gut diversifiziertes Portfolio zusammenstellen kann. Regelmäßige Einzahlungen in einen ETF Sparplan sind zu geringen Handelskosten möglich. Zusätzlich lässt sich dabei der Cost-Average-Effekt für den Vermögensaufbau nutzen.

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