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Eon Aktie: Geht es jetzt wieder aufwärts?

2014 machte E.ON mehr als 3,1 Milliarden Euro Verlust, von 2010 bis 2015 verlor die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes, während der DAX gleichzeitig rund 90 Prozent zulegte. Dann veröffentlichte das Unternehmen Ende des Jahres 2014 einen radikalen Plan. E.ON soll sich ganz auf erneuerbare Energien konzentrieren, das konventionelle Kraftwerksgeschäft soll aufgegeben werden. Kann das gelingen?

E.ON Aktie im Überblick

  • Entstanden durch Fusion 2000
  • Vor allem im Energiebereich aktiv
  • Schwerpunkt in Bayern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein
  • Konzentration auf erneuerbare Energien
  • Abtrennung des Restes

Die E.ON AG

wissenDas Kerngeschäft der E.ON ist die Energie. Andere Branchen, die nach der Entstehung durch eine Fusion der VEBA AG und der VIAG AG noch zum Portfolio gehören, wurden schrittweise verkauft, beispielsweise der Mobilfunkbetreiber VIAG Interkom, der heute unter dem Namen o2 firmiert, das Logistikunternehmen Stinnes AG oder die Vereinigten Aluminiumwerke.

Im Gegensatz zu neuen Energieversorgern wie der Stromio GmbH ist E.ON ein integrierter Stromkonzern. Die meisten modernen Konkurrenten kaufen den Strom dagegen über die Energiebörse in Leipzig und übernehmen nur den Vertrieb. Zum Kunden gelangt die Elektrizität durch die Leitungen der Netzbetreiber, die dafür ein staatlich festgelegtes Entgelt erhalten.

Eon Aktie

Viele Energieunternehmen haben keine eigenen Kraftwerke, sondern kaufen den Strom über die Energiebörse EEX in Leipzig und übernehmen nur den Vertrieb. Foto: EEX Pressebild von Jürgen Jeibmann, Leipzig

E.ON betreibt dagegen sowohl Kraftwerke als auch Stromnetze. Aus rechtlichen Gründen dürfen die Netzgesellschaften nicht mehr den Namen der Vertriebsgesellschaft tragen, daher firmieren die E.ON-Netze heute nicht mehr unter dem Namen der Gesellschaft, sondern beispielsweise als Hamburg Netz GmbH oder unter den Namen von übernommenen Firmen wie Bayernwerk und Avacon (Niedersachsen und Sachsen-Anhalt). Hauptmärkte sind heute Bayern im Süden und Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Teile Hessens und Sachsen-Anhalts im Norden.

Vor allem der Besitz zahlreicher Kraftwerke macht E.ON heute zu schaffen. Denn dadurch ist das Unternehmen gleich doppelt unter Druck, einmal durch neue Mitbewerber, die den Vertrieb günstiger übernehmen und einmal durch die Zunahme der erneuerbaren Energien, durch die die Kraftwerke immer seltener laufen.

E.ON ist ein klassischer Stromkonzern, der sowohl Strom produziert als auch vertreibt und Netze betreibt.

Die Geschichte der E.ON AG

Die Geschichte der E.ON AG beginnt natürlich lange vor der Gründung im Jahr 2000. Damals fusionierten die beiden Mischkonzerne VEBA und VIAG. Beide Firmen verband die Tatsache, dass sie lange Zeit ganz oder teilweise im Staatsbesitz gewesen waren. Die VEBA war bis 1965 zu 100 Prozent im Besitz des Bundes, die VIAG AG sogar bis 1986, später besaß der Freistaat Bayern rund ein Viertel der VIAG.

Bild historische Börsenkurse

Auf diesem Kurszettel aus dem Jahr 1992 finden sich gleich drei Vorgängerunternehmen der E.ON, nämlich VIAG, VEBA und das Überlandwerke Unterfranken. Quelle: Main Post

Zu diesem Anteil kam das Land Bayern durch das Einbringen des Bayernwerks in die VIAG. Zusammen mit dem zur VEBA gehörenden Stromkonzern PreussenElektra bildet das Bayernwerk den Kern der heutigen E.ON. Aber auch zahlreiche andere bis in die 1990er Jahre selbständige Unternehmen gingen in den Konzern ein, beispielsweise die Überlandwerke Unterfranken oder die selbst erst 1999 aus einer Fusion hervorgegangene Avacon in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Bei einigen rechtlich selbständigen Töchtern wie Hamburg Netz gibt es bis heute kommunale Minderheitsaktionäre.

Der Umbau

strategieBei der Fusion erfolgte die Konzentration auf den Schwerpunkt Energie. Andere Geschäftsbereiche wurden entweder schon vorher abgespalten oder nach dem Zusammenschluss weiterverkauft. Bei E.ON hat man also eine gewisse Erfahrung mit dem Wandel.

Nun soll ein weiterer Schnitt erfolgen, E.ON will sich von seinen konventionellen Kraftwerken trennen und sich ganz auf erneuerbare Energien konzentrieren. Die Atom- und Kohlekraftwerke sollen dagegen in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden, die mittelfristig auch an die Börse gehen soll.

Welchen Erfolg der Umbau wirklich bringt, ist aber bisher unklar. So ist längst noch nicht klar, wie das Unternehmen mit den erneuerbaren Energien Geld verdienen will. Im Bau von Wind- und Solarparks sind schon viele andere Unternehmen aktiv – und auch hier gibt es nicht nur Erfolgsgeschichten. Außerdem bleibt unklar, wer die abgespalteten Kraftwerke kaufen soll. Womöglich wird die Abspaltung von E.ON auch wie bei der Trennung von Osram und Siemens erfolgen, nämlich indem die E.ON-Aktionäre die Aktien der neuen Gesellschaft erhalten. Sie wären also weiterhin Besitzer der Kraftwerke.

Politiker befürchten, dass die Abspaltung vor allem dazu dient, die neue Gesellschaft unter den Folgekosten, beispielsweise für den Abriss von Kernkraftwerken, zusammenbrechen zu lassen. Dann würde der Steuerzahler auf diesen Lasten sitzen bleiben. Sie fordern deshalb, dass die neue AG ausreichend Rückstellungen hat. Das aber kann teuer werden.

Die Konzentration auf erneuerbare Energien hört sich gut an, birgt im Detail aber auch Probleme. Wer soll die alten Kern- und Kohlekraftwerke noch kaufen?

Fazit

Die Konzentration auf erneuerbare Energien könnte ein Schritt in die richtige Richtung sein, die Börse jedenfalls begegnete den Plänen mit Wohlwollen. Allerdings ist unklar, wer die abgespalteten Kraftwerke kaufen soll. Durch die nötigen Rückstellungen für den Rückbau stillgelegter Kraftwerke könnte die Trennung teuer für E.ON werden. Außerdem muss noch die Frage beantwortet werden, wie der Großkonzern im zersplitterten Markt für erneuerbare Energien Gewinne erzielen will. An die Traumrenditen aus dem Stromgeschäft vor Liberalisierung und Energiewende werden sie wohl nicht heranreichen. Die Umgestaltung ist ein Hoffnungsschimmer für die geplagten Aktionäre, aber keine Garantie für eine Trendwende.

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