CFD Trading beschränkt – Darum will die BaFin den handel einschränken!

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 15.04.2020


Wird das CFD-Trading beschränkt?Diese Nachricht hat es möglicherweise in sich. Und zwar hat die BaFin = Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht mitgeteilt, dass sie – ich zitiere – „die Vermarktung, den Vertrieb und den Verkauf von finanziellen Differenzgeschäften (Contracts for Difference, CFDs)“ einzuschränken beabsichtigt. Wieso? Um die Privatanleger zu schützen, so die BaFin. Kontrakte mit Nachschusspflicht sollen der Planung zufolge überhaupt nicht mehr Privatkunden angeboten werden. Ist das bereits beschlossen? Nein, noch nicht, es handelt sich um einen Entwurf, aber so soll es kommen. Oder wird sich das doch noch ändern? Genau mit diesem für CFD-Trader natürlich sehr wichtigen Vorhaben der BaFin beschäftigt sich dieser Beitrag. Zu den Details:

Hier der Blick auf die Details:

  1. Hintergründe zum BaFin Entwurf einer Allgemeinverfügung
  2. Das CFD-Trading und die Nachschusspflicht
  3. Ein Schritt der Schweizerischen Nationalbank mit Folgen!
  4. Fazit zu den Plänen zur Beschränkung des CFD-Handels (1/17):

Die Details der Pläne der BaFin

Bei solchen Plänen kann es schnell zu irreführenden Aussagen der Art „CFD-Trading wird ganz verboten“ kommen. Es gilt, genau hinzusehen. Die BaFin ist nicht irgendwer, sondern als zuständige Behörde = Bundesanstalt für die Finanzdienstleistungsaufsicht hat ihr Wort Gewicht. Die Pläne der BaFin sind zwar erst der „Entwurf einer Allgemeinverfügung“, aber es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass diese Pläne später auch so bzw. in wenig veränderter Form durchgeführt werden. Ob das so sein wird, weiß ich natürlich nicht. Ich denke aber, es ist zumindest für CFD-Trader sinnvoll, sich mit diesen Plänen der BaFin zu beschäftigen. Noch ein Hinweis:

Wo Sie die Unterlagen der BaFin im Original finden

Im Folgenden beziehe ich mich auf die Original-Unterlagen zur BaFin zu der Thematik. Konkret auf das Dokument mit dem Namen: „Anhörung zur Allgemeinverfügung bezüglich finanzieller Differenzgeschäfte (Contracts for Difference, CFDs)“, Geschäftszeichen VBS 7-Wp 5427-2016/0017, vom 8. Dezember 2016. Das entsprechende Dokument können Sie auch online einsehen bzw. als PDF-Datei runterladen, unter diesem Link.

 

Hintergründe zum BaFin Entwurf einer Allgemeinverfügung

Der CFD-Handel hat sich nicht nur bei deutschen Tradern im Laufe der letzten Jahre zu einem durchaus beliebten Ansatz entwickelt. Teilweise sehr hoher Hebel, relativ niedrige Mindesteinsätze, verständliche Strukturen, niedrige Gebühren und CFD-Broker, die eine übersichtliche Oberfläche und attraktive Konditionen anbieten – das war der Humus, auf dem sozusagen eine ganze Generation von Privatanlegern den CFD-Handel kennenlernte.

Wieso ist der CFD-Handel so beliebt geworden?

Von Vorteil im Sinne niedriger Einstiegsbarrieren für Privatanleger war auch, dass die Broker beim CFD-Trading üblicherweise nicht an die üblichen Börsen-Öffnungszeiten gebunden sind. So konnten und können Privatanleger(innen) auch dann z.B. auf internationale Ereignisse reagieren, wenn z.B. in Frankfurt nicht mehr gehandelt wird. Zudem lässt sich mit CFDs sowohl auf steigende als auch auf fallende Notierungen der jeweiligen Basiswerte setzen. Und das dann auch noch alles bei einer breiten Auswahl von Basiswerten. Vor diesem Hintergrund war es kein Wunder, dass das CFD-Trading gewissermaßen einen Siegeszug auch und gerade bei mitteleuropäischen Privatanlegern angetreten hat.

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Was ist eigentlich ein CFD?

CFD steht übrigens für „contract for difference“, zu Deutsch „Differenzkontrakt“. Im Börsenjargon wird aber üblicherweise meist einfach die Abkürzung „CFD“ benutzt. Es handelt sich hierbei um Derivate. Der Begriff „Derivat“ stammt vom lateinischen Wort „derivare“ = ableiten ab. Dies bedeutet, dass sich der Kurs von der Entwicklung eines Basiswertes „ableitet“. Und genauso ist es auch hier. Technisch gesehen ist ein CFD eine Art von Total Return Swap. Grob gesagt geht es dabei darum, dass zwischen den beiden Gegenparts der Austausch der Rendite eines Basiswertes vereinbart wird. Da der Einsatz geringer als beim direkten Kauf des Basiswertes wäre, können auf diese Weise mit CFDs die Kursentwicklungen des zu Grunde liegenden Underlyings (= Basiswert) gehebelt abgebildet werden, und dies gilt sowohl für die Long- als auch für die Short-Variante. Eröffnet wird eine CFD-Position mit dem Kauf oder Verkauf von CFDs. Wenn sie geschlossen wird, dann muss nicht etwa der Basiswert gekauft oder geliefert werden, sondern es erfolgt ein Differenzausgleich auf finanzieller Ebene.

Ein CFD ist ein Derivat – mit dazu gehörenden Vor- und Nachteilen

Sowohl auf steigende als auch auf fallende Kurse setzen, mit Hebeleffekt, ohne normierte Laufzeit und auch ohne feste Kontraktgröße, wie das bei Futures der Fall ist? Das ist natürlich für eine Zielgruppe von Tradern höchst attraktiv! Es gilt zu beachten, dass mit CFDs nie direkt das Underlying selbst direkt gehandelt wird, sondern es geht „nur“ um dessen Preis/Kurs und die Preis/Kurs-Veränderungen. Insofern ist es auch wichtig, dass der Gegenpart solvent ist. Hier gilt es zu prüfen, ob die gesetzliche Einlagensicherung im Fall des jeweiligen Anbieters greift oder nicht. Das lässt sich hier nicht allgemein für alle beschreiben, da es natürlich darauf ankommt, wo der entsprechende Gegenpart seinen Sitz hat und wer dort für die Regulierung zuständig ist und ob dort die gesetzliche Einlagensicherung greift bzw. welche.

Das CFD-Trading und die Margin

Beim Handel mit CFDs muss der Trader eine Sicherheitsleistung hinterlegen, die sogenannte „Margin“. Und genau hieraus ergibt sich der Hebeleffekt: Denn die Margin erreicht nur einen relativ geringen Teil der Notierung des zugrunde liegenden Basiswertes. Mit dem CFD kann dennoch auf die volle Kursveränderung des Basiswertes gesetzt werden. Genau dadurch ergibt sich der Hebeleffekt. Dieser kann – je nach Basiswert und CFD-Broker – unterschiedliche Werte erreichen. Möglich sind 5:1, 10:1, 20:1 oder durchaus auch 100:1. Üblicherweise ist die Hebelwirkung bei Basiswerten mit relativ geringer Volatilität höher. Die Höhe der zu erbringenden Margin hängt vom CFD-Broker ab, der diese auch von der Bonität des Kunden abhängig machen kann und einen gewissen Spielraum ausüben kann. Gerade die hohe Hebelwirkung ist natürlich einerseits eine gewaltige Chance – aber ebenso gewaltig kann das Risiko sein! Konkret:

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Das CFD-Trading und die Nachschusspflicht

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Beim CFD-Trading gilt es, die Nachschusspflicht zu beachten (bzw. zu schauen, welcher CFD-Broker darauf explizit verzichtet). Was es damit auf sich hat: Die eingezahlte Sicherheitsleistung (= die oben erwähnte Margin) kann sich aufbrauchen, wenn der Basiswert in die falsche Richtung läuft. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Die Position muss umgehend geschlossen werden – oder der Trader muss die Sicherheitsleistung = Margin erhöhen. Wenn ein Broker darauf hinweist, dann wird dies auch „Margin Call“ genannt, was für einige Trader gerade wenn die Finanzlage klamm ist sehr unangenehm sein kann.

Aufgepasst: Die Nachschusspflicht kann verpflichtend sein!

Wahrscheinlich haben einige Trader das Risiko der Nachschusspflicht auf die leichte Schulter genommen. Nach dem Motto, im Zweifel schließe ich die Position eben, aber ich werde nicht noch weiteres Geld nachschießen. Was dies Trader dann vielleicht ausgeblendet haben, ist das Risiko von „Gaps“ = Kurslücken, die manchmal auftreten können. Nicht immer entwickeln sich Kurse bekanntlich in Veränderungen, die ein rechtzeitiges Glattstellen einer CFD-Position exakt dann ermöglichen, wenn die Margin gerade aufgebraucht ist. Denn was ist zum Beispiel, wenn die Sicherheitsleistung fast aufgebraucht ist – und dann der Kurs des Basiswertes schlagartig in die „falsche Richtung“ (aus Sicht des jeweiligen CDF-Traders!) springt? Dann kann je nach CFD-Broker eine Nachschusspflicht bestehen!

Wenn mehr als der ursprüngliche Einsatz verloren werden kann

Dann ist es nicht mehr damit getan, die Position zu schließen und den Einsatz verloren zu haben. Dann kann es vielmehr zu einer Nachschusspflicht kommen, die sich gesalzen haben kann und ein Vielfaches des ursprünglichen Einsatzes erreichen kann. Dann ist es sehr wohl möglich, dass ein CFD-Trader mehr als den ursprünglichen Einsatz verliert. Und dieses „mehr“ kann zu einem „sehr viel mehr“ werden – eben weil das Risiko einer Pflicht zur Nachschusszahlung besteht. Dass dies kein theoretisches, sondern ein sehr reales Risiko ist, lässt sich an einem Beispiel aus der Realität zeigen. Blicken wir auf den 15. Januar 2015 – ein Datum, das erfahrenen CDF-Tradern bekannt sein dürfte:

Die Risiken des CFD-Tradings

Gewissermaßen am eigenen Leib mussten leider Anfang 2015 einige CFD-Trader erfahren, wie riskant das CFD-Trading sein kann. Wie ich oben schrieb, kann besonders bei Basiswerten mit relativ geringer Volatilität die Hebelwirkung überdurchschnittlich hoch sein. Und ein solcher Basiswert war Anfang 2015 das Währungspaar EUR/CHF (Euro in Schweizer Franken). Dort konnten mit einigen Tausend Euro Einsatz sehr hohe Volumina bewegt werden. Das war so lange kein Problem, wie der Schweizer Franken gegenüber dem Euro nur sehr wenig schwankte. Denn die Schweizerische Nationalbank (SNB) hatte damals einen Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro von 1,20 Franken gesetzt. Es mussten also mindestens 1,20 Franken je Euro gezahlt werden. Da der Franken tendenziell unter Aufwertungsdruck stand, notierte er zu der Zeit üblicherweise knapp unter der Marke. Es war deshalb möglich und es schien sinnvoll, jedes Mal dann, wenn der Franken etwas mehr von besagten 1,20 abwich, auf eine Rückkehr zur 1,20 zu setzen. Damit sich das „lohnte“, wurden hohe Volumina mit geringem Einsatz bewegt. Doch dann kam der 15. Januar 2015:

Was am 15. Januar 2015 mit dem Schweizer Franken geschah

GebuehrenAn diesem Tag gab die Schweizerische Nationalbank völlig überraschend bekannt, dass sie den Mindestkurs von 1,20 des Schweizer Franken gegenüber dem Euro aufgibt. Das war aus ihrer Sicht verständlich: Denn um den Mindestkurs zu halten, hatte sie in großem Umfang Euro mit eigenen Franken kaufen müssen, was zwar möglich war (da sie die Franken im Zweifel selber drucken konnte), aber dazu führte, dass sie immer höhere Euro-Bestände auftürmte. Das wollte die SNB wohl verhindern. Für die betroffenen Trader – und auch für mindestens einen CFD-Broker – wurde das aber teilweise zur regelrechten finanziellen Katastrophe, denn:

Ein Schritt der Schweizerischen Nationalbank mit Folgen!

Unmittelbar nachdem die Schweizerische Nationalbank den CHF freigegeben hatte, fiel dieser sehr schnell unter den vormaligen Mindestkurs von 1,20. Wer auf einen Anstieg gesetzt hatte mittels CFDs, hatte zuvor vielleicht gedacht, das Risiko ist gering – unter 1,20 kann der CHF wegen der Ansage der SNB ja nicht fallen. Ansonsten könne man ja immer noch knapp unter 1,20 verkaufen und enstprechend dort einen Stopp platzieren, so war vielleicht die Denkweise einiger CFD-Trader.

Das war möglich am 15. Januar: Stopp bei 1,20 – Ausführung unter 1,00!

Doch es kam anders. Denn umgehend nach dem Schritt der Schweizerischen Nationalbank schossen die Spreads bei EUR/CHF nach oben. Es kam zu einer sehr hektischen Situation, und diverse Broker hatten beim Währungspaar EUR/CHF Probleme mit der Kursstellung. Wer da einen Stopp bei 1,20 gesetzt hatte, konnte eine wirklich übliche Überraschung erleben. Da es eine Zeitlang keinerlei Kursstellungen gab, konnte es passieren, dass selbst bei einem Stoppkurs von 1,20 die tatsächliche Ausführung dann unter 1,00 (!) lag.

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Ein Desaster für CFD-Trader, die auf die falsche Richtung gesetzt hatten

Die Sicherheitsleistung = Margin der entsprechenden CFD-Trades war dann üblicherweise vollständig aufgebraucht. Und dann? Dann griff die Nachschusspflicht! Und wenn ein Broker seinen Kunden keine Nachschusspflicht zumutete, dann musste er selber dran glauben und die entstandenen Verluste selber tragen. Damals ging der Broker Alpari UK in die Zahlungsunfähigkeit. Die Wirtschaftswoche berichtete von einem 30jährigen Trader, der rund 3.800 Euro darauf gesetzt hatte, dass der Euro gegenüber CHF steigen würde. Bekanntlich geschah am 15. Januar das Gegenteil – der gesetzte Stoppkurs wurde erst zu 0,925 ausgeführt. Daraus ergab sich eine Nachschusspflicht für den besagten Trader von rund 280.000 Euro, so berichtete die Wirtschaftswoche. Da kann man nur hoffen, dass es für diesen Trader eine gütliche Einigung mit dem entsprechenden Broker gab.

Gerade die Nachschusspflicht kann den CFD-Handel sehr riskant machen

Obiges Beispiel hat gezeigt, was beim CFD-Handel an solchen extremen Tagen passieren kann, wenn die Verpflichtung zur Nachschusszahlung für Privatanleger besteht. Natürlich war der oben geschilderte Fall beim Währungspaar EUR/CHF ein extremes Marktereignis, gewissermaßen ein „Schwarzer Schwan“. Aber diese gibt es eben immer wieder, man weiß nur nicht wann. Deshalb mein Fazit zu den Plänen der BaFin, so wie sie kommuniziert worden sind:

Fazit zu den Plänen zur Beschränkung des CFD-Handels (1/17):

checklisteVor diesem Hintergrund erfolgt nun die Initiative der BaFin. Nun gut, besagtes Ereignis mit den katastrophalen Nachschussverpflichtungen liegt schon einige Zeit zurück. Aber immerhin hat das bei der BaFin zu Überlegungen geführt. So wie ich das verstehe, soll nicht generell der CFD-Handel verboten werden – sondern, ich zitiere: „Kontrakte mit einer Nachschusspflicht dürften dann Privatkunden nicht mehr angeboten werden.“ Und genau das finde ich durchaus sinnvoll. Denn diese Nachschusspflicht kann ein unkalkulierbares Risiko sein, wie der oben erwähnte Trader spüren musste. Das kann Existenzen finanziell ruinieren. Ich persönlich finde es deshalb begrüßenswert, wenn die BaFin Trades mit CFDs mit Nachschusspflicht untersagen will, aus Anlegerschutzgründen. Wenn gleichzeitig CFDs ohne Nachschussverpflichtung weiter getradet werden können, finde ich das gut. Das ist natürlich nur meine persönliche Ansicht, was sonst.

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Bildquelle: pixabay.com