Brasilien: Notenbank erhöht die Leitzinsen!

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 06.03.2020


Das war ein regelrechter Paukenschlag: Die brasilianische Notenbank hat die Leitzinsen um gleich 50 Basispunkte auf 12,75% erhöht. 12,75% – das ist schon eine Hausnummer angesichts sonst weltweit durchaus vorherrschender Niedrigzinspolitik. Die brasilianische Notenbank fällt damit aus der Reihe, was die großen Notenbanken betrifft. Ansonsten herrscht nämlich eine „Politik des leichten Geldes“ vor. Diese wurde z.B. von der EZB erst neulich bestätigt.

Weiter zum Testsieger eToro: www.etoro.com/deInvestitionen bergen das Risiko von Verlusten

BCB stellt sich gegen den weltweiten Notenbank-Trend

Und diesen Monat beginnen auch die Anleihenkäufe der EZB – mit selbst gedrucktem Geld. Die US-Zentralbank (Federal Reserve) wiederum hat ihre Anleihenkäufe zwar eingestellt und stellt eine Zinserhöhung in Aussicht – noch sind die Leitzinsen dort aber auch auf sehr niedrigem Niveau.

[biginfobox textcolor=“#ffffff“ title=“Die Zentralbank Brasiliens“]Die brasilianische Zentralbank wird mit BCB abgekürzt, was sich von „Banco Central do Brasil“ herleitet. Sie wurde 1964 gegründet mit dem expliziten Ziel der monetären Stabilität – was bedeutet, dass der Wert des Real möglichst gehalten werden soll. Das bedeutet, dass die BCB – wie eigentlich es auch andere Zentralbanken tun sollten – dem Ziel einer geringen Inflation verpflichtet ist. Allerdings: Die BCB ist an das brasilianische Finanzministerium gebunden. Sie ist nicht so unabhängig, wie das z.B. die Bundesbank in DM-Zeiten war. Derzeit ist das brasilianische Finanzministerium ebenfalls niedriger Inflation und Rückführung des Defizits verpflichtet – doch bei anderer politischer Konstellation kann dies auch ganz anders aussehen.[/biginfobox]

Brasilien: Inflation zuletzt auf 7,36% gestiegen

In Brasilien geht die restriktive Politik der Notenbank Hand in Hand mit einer restriktiven Fiskalpolitik. Für diese steht insbesondere der brasilianische Finanzminister Joaquim Levy, welcher schon unter Präsident Lula Finanzminister war und gezeigt hat, dass er auch unpopuläre Maßnahmen durchsetzen kann – wenn er sie als sinnvoll für das Land betrachtet. Und derzeit halten Finanzminister und Zentralbank angesichts einer Inflationsrate von 7,36% (Februar, Jahresrate) eine Anti-Inflationspolitik für angebracht.

Profiteur der Zinserhöhung könnte der Real werden

Interessanterweise hat der brasilianische Real in den letzten Wochen dennoch verloren, gegenüber dem Dollar fiel er auf ein Mehrjahrestief und auch gegenüber dem Euro ließ er Federn. Dabei sollte es „lehrbuchmäßig“ so sein, dass die Währung mit höherem Zinsniveau durchaus Kapitalzuflüsse erhält von den Währungen mit Niedrigstzinsniveau – was für eine Aufwertung des Real sprechen würde. Was nicht ist, kann noch werden: Unter diesem Aspekt finde ich derzeit das Währungspaar EUR/BRL (Euro in brasilianischen Real) durchaus interessant. Meiner Ansicht nach derzeit ein Kandidat für die „Watchlist“ – hier könnte eine Trendwende anstehen.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, EUR/BRL zu traden. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.