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Aktie des Monats: RWE

Aktie des Monats - RWE

RWE ist seit einigen Wochen in den Schlagzeilen. Nachdem es wochenlang Diskussionen um die Räumungsaktion im Hambacher Forst gegeben hatte, stoppte in der vergangenen Woche das Oberverwaltungsgericht in Münster die Rodung des Waldes. In dem Waldgebiet zwischen Köln und Aachen demonstrieren Umweltschützer schon seit Jahren gegen die Abholzung und Braunkohle. Die Räumungsaktion hinterließ bereits Kratzer am Image des Essener Energiekonzerns. Nach der Gerichtsentscheidung fiel die Aktie von RWE enorm.

Inhaltsverzeichnis
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    Nach Räumung weiter Unruhe

    Auch nach der Räumungsaktion im Hambacher Forst kehrte keine Ruhe ein. Nach der Entscheidung des Münsteraner Gerichts gab es weitere Demonstrationen und Aktivisten begannen wieder mit dem Bau von Baumhäusern. In der Folge der Entscheidung des Gerichts fiel der Kurs der RWE-Aktie noch am selben Tag um über sieben Prozent und war nur noch 20,43 Euro wert. Dies markierte ein Viermonatstief. In den folgenden Tagen kamen weitere Verluste bis auf ein Sieben-Monats-Tief hinzu. Am zweiten Tag nach der Gerichtsentscheidung betrugen die Verluste mehr als acht Prozent und die Aktie war nur noch 18,85 Euro wert. Derzeit ist die Aktie von RWE rund 17 Euro wert. RWE kündigte an, dass der Rodungsstop teuer für das Unternehmen werden könnte. Ab dem nächsten Jahr könnte dies das operative Ergebnis (Ebitda) um einen dreistelligen Millionenbetrag belasten.

    Hambacher Forst seit Jahren umstritten

    Der Hambacher Forst ist seit Jahren umstritten. Schon vor einigen Jahren begannen die ersten Aktivisten mit dem Bau von Baumhäuser und besetzten auf diesem Weg dem Wald. Während der Räumungsaktion, an der ein Großaufgebot an Polizisten beteiligt war, kam zudem bei einem Unfall ein Journalist und Blogger ums Leben. Die Umweltaktivisten demonstrieren nicht nur gegen die Rodung des Waldes, sondern auch gegen Braunkohle. Der Wald im rheinischen Braunkohlerevier war von Beginn des Tagesbaus und der damit verbundenen Rodungen mehr als 4.000 Hektar groß. Heute sind davon nur noch 200 Hektar erhalten, von denen RWE nochmals 100 Hektar roden lassen will, um so den Braunkohle-Tagebau zu vergrößern.

    RWE ist der Auffassung, dass die Rodung auf jeden Fall notwendig ist. Ein Rodungsstop würde aus Sicht des Unternehmens bedeuten, dass die Stromerzeugung in Kraftwerken gefährdet ist. Da das Unternehmen im letzten Jahr von sich aus auf eine weitere Rodung verzichtet hatte, sieht das Unternehmen zudem keine weiteren Zeitpuffer mehr.

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    Gericht stoppte Rodung

    Vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster klagte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND) und hatte dort Erfolg. Der BUND argumentierte, dass der Hambacher Forst als Lebensraum der Bechsteinfledermaus ein besonders schützenswertes FFH-Schutzgebiet ist.

    Das Oberlandesgericht sieht zudem in diesem Verfahren einige komplexe juristische Fragen, die man nicht im Rahmen eines solchen Eilverfahrens klären könnte. Daher muss nun das Verwaltungsgericht in Gericht in Köln endgültig entscheiden, was sich jedoch laut RWE bis Ende 2020 hinziehen könnte. Bis dahin muss die Rodung gestoppt werden. Zudem ist rund um diesen Prozess die Anzahl an Dokumenten schon jetzt sehr groß. Das Oberlandesgericht folgte zudem nicht der Argumentation von RWE, dass die Rodungen fortgesetzt werden müssen, um die Versorgungssicherheit aufrechtzuerhalten. Dies habe das Unternehmen nicht ausreichend belegen können.

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    Verfahren kann Monaten dauern

    Für RWE könnte sich das Verfahren damit noch eine Weile hinziehen und hohe Kosten verursachen. Die im Raum stehende Summe im dreistelligen Millionenbereich könnte etwa den Gewinnen entsprechen, die das Unternehmen im ersten Halbjahr 2018 mit Braunkohle und Kernenergie erzielte. Dennoch wird gemeinhin davon ausgegangen, dass RWE diese Gewinneinbrüche wohl verkraften wird, denn das Unternehmen ist gemessen am Umsatz der zweitgrößte Energieversorger in Deutschland. Der Imageschaden könnte für RWE womöglich größer sein.

    Darüber hinaus sehen viele in Braunkohle einen veralteten Energieträger. Zukunftsträchtiger sind dagegen die erneuerbaren Energien. Auch große Anleger wie der Vermögensverwalter Blackrock könnten sich dafür entscheiden, langfristig nicht mehr in Aktien eines Unternehmens, dass sich nicht von der Braunkohle trennt, zu investieren.

    Nicht nur Umweltschützer für früheren Ausstieg auf der Braunkohle

    Nicht nur Umweltschützer fordern, früher als erst in der Mitte dieses Jahrhunderts aus der Braunkohle auszusteigen. Die Kohlekommission, die von der Bundesregierung eingesetzt wurden, spricht sich ebenfalls dafür aus, Braunkohle-Kraftwerke früher abzuschalten. Auch RWE könnte sich von der Braunkohle abwenden und verstärkt auf erneuerbare Energien setzen und so zukunftsfähig bleiben. RWE will in diesem Zusammenhang das Geschäft von Innogy übernehmen. Das Tochterunternehmen ist bislang im Bereich der erneuerbaren Energien aktiv. Allerdings fehlt hierfür noch die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden. RWE plant, die Braunkohleförderung in den kommenden drei Jahren um 38 Prozent zu senken.

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    Gesamte Branche mit Verlusten

    Die gesamte Energiebranche schien sich in den letzten Wochen zu stabilisieren. Der Stoxx Europe 600 Utilities verlor am Tag der Gerichtsentscheidung gegen RWE ebenfalls, erholte sich jedoch am Folgetag wieder. Derzeit macht der Branche zu schaffen, dass am amerikanische Anleihemarkt die Renditen steigen. Wenn Renditen für Anleihen stiegen, werden Dividendenaktien für Anleger immer unattraktiver.

    Die Schwierigkeiten von RWE wirken sich dagegen auf den DAX nur minimal aus. Die Aktie wird im Leitindex nur mit 1,04 Prozent gewichtet. RWE gehört hier zu den fünf Unternehmen mit dem geringsten Einfluss auf die Index-Berechnung. Allerdings ist RWE auf der anderen Seite einer der wichtigsten Stromversorger des Landes. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte das Unternehmen einen Umsatz von mehr als 32 Milliarden Euro und einen Gewinn von 876 Millionen Euro verzeichnen. Außerdem arbeiten mehr als 60.000 Menschen für den Essener Konzern.

    Aktie seit Mitte September mit Rückgang

    Für Aktie von RWE ist seit Mitte September ein Abwärtstrend zu verzeichnen. Noch vor einigen Monaten gingen Beobachter davon aus, dass sich die Situation nicht nur für die Aktie von RWE, sondern für die gesamte Branche verbessern könnte. Ein Investment in Versorger-Aktien erschien damals durchaus wieder solide. Nun scheint zumindest mit Blick auf RWE allerdings Skepsis angebracht.

    RWE musste zudem vor einigen Wochen bekannt geben, dass die Gewinne des Unternehmens zurückgegangen sind. Dies war für Anleger jedoch nicht überraschend, da dies vorab erwartet wurde. So wirkte sich diese Meldung kaum auf den Aktienkurs aus. Nach der Ankündigung der Energiewende stehen RWE und die Aktie des Unternehmens bereits seit 2011 unter Druck. Allerdings schien sich seit Jahresbeginn für die Aktie von RWE eine Trendwende abzuzeichnen. Bis Mitte September stieg der Aktienkurs um 25 Prozent. Allerdings führte die Entscheidung aus Münster nun zu einem massiven Einbruch.

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    Morgan Stanley sah RWE positiv

    Noch im September sahen einigen Analysten gute Aussichten für die Aktien von RWE und anderen Stromversorgern. So nannte die amerikanische Großbank Morgan Stanley RWE gemeinsam mit vier anderen europäischen Stromversorgern, denen sie in den nächsten Jahren gute Kurschancen einräumte. Für diese Aktien erhöhte Morgan Stanley seine Kursziele um 22 bis 43 Prozent. Auch die Entwicklung des gesamten Markts wurde positiv eingestuft.

    In den letzten zehn Jahren entwickelte sich Versorger-Aktien nur 2014 besser als der Gesamtmarkt. Dies könnte bald wieder der Fall sein. 2014 spielten den Versorgern unter anderem sinkende Anleiherenditen und günstige Rohstoffe in die Hände. Derzeit ist die Ausgangslage jedoch eine andere. Bessere Gewinneinschätzungen, insbesondere für das übernächste Jahr, gaben Morgan Stanley Anlass für eine gute Prognose. Zudem hat sich das Rohstoffumfeld verändert. Steigende Strompreise könnten die Umsatzzahlen der Unternehmen erhöhen.

    RWE-Aktie von Morgan Stanley langfristig gut eingestuft

    Auch die Aktie von RWE war für Morgan Stanley noch vor wenigen Wochen sehr interessant. Das Kursziel wurde auf 26 Euro erhöht. Von diesem Wert ist die Aktie nun jedoch sehr weit entfernt. Morgan Stanley stufte die RWE-Aktie vor einigen Wochen jedoch als erfolgversprechend ein, da man die Wachstumsziele des Unternehmens als realistisch einstufte.

    Die vor einigen Wochen prognostizierten Geschäftszahlen wurden für dieses und nächstes Jahr könnten sich laut Morgan Stanley positiv auf den Kurs der Aktie auswirken. Allerdings musste das Unternehmen zwischenzeitlich verkünden, dass sich der Rodungsstop ab kommenden Jahr auch auf das Unternehmensergebnis auswirken wird. Morgan Stanley schätze zudem die freie Cash Flow Rendite von etwa zwölf Prozent als positiv ein. Auch der Umstand, dass RWE frei von Finanzverbindlichkeiten ist, hält man RWE zugute.

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    Verluste in diesem Jahr

    Dennoch geht auch Morgan Stanley ungeachtet der Entwicklungen rund um den Hambacher Forst davon aus, dass die RWE-Aktie in diesem Jahr einen Gewinnrückgang von zwei auf 1,39 Euro verkraften muss. Damit liegt die Aktie weiter auf einem niedrigen Niveau. Allerdings sieht Morgan Stanley optimistisch in die Zukunft. Für die nächsten beiden Jahren erwartet man einen leichten Anstieg. Die Prognosen für 2019 und 2020 liegen bei 1,59 bis 1,69 Euro. Damit könnte das Kurs-Gewinn-Verhältnis in zwei Jahren bei 12,95 liegen.

    Andere Analysten senkten nach den Verlusten in den letzten Tagen ihre Kursziele für die Aktie von RWE. Mittel- und langfristig sind viele von ihnen jedoch weiterhin optimistisch. Morgan Stanley hielt im September einen Dividendenanstieg von 0,50 auf 0,70 Euro pro Aktie für möglich. In den nächsten beiden Jahren könnten sogar Dividenden von 0,85 und einem Euro möglich sein.

    RWE arbeitet an Energiewende

    RWE bereitet sich seit einiger Zeit auf die Energiewende vor. Das Unternehmen will sich in diesem Zusammenhang neu aufstellen und in den nächsten Jahren 1,5 Milliarden Euro pro Jahr in erneuerbare Energien investieren. Für die Aktie waren schon die Zeit zwischen Januar 2008 und September 2015 sehr schwierig. In diesem Zeitraum verlor die Aktie von 100,64 Euro auf 9,20 Euro.

    Seit September 2015 scheint es für die Aktie wieder nach oben zu gehen, von ihrem Höchstwert ist sie jedoch weit entfernt. Schon vor den jüngsten Turbulenzen konnte die Aktie den Widerstand bei 23,14 Euro, dem Hoch aus dem Vorjahr, nicht überwinden. Wäre dies der Fall, wäre dies ein klares Kaufsignal.

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    Erneuerbare Energien ausgelagert

    2015 wurde bekannt, dass sich RWE in zwei börsennotierte Unternehmen aufsplitten will. Die Geschäftsfelder erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb sollten in eine eigene Gesellschaft ausgelagert werden. RWE setzt jedoch weiterhin auf traditionelle Kraftwerke; über ein Investitionsprogramm will man aber auch in die klimaschonende Stromerzeugung investieren.

    2016 ging dann das Tochterunternehmen Innogy an die Börse. Der Prozess der Neustrukturierung dauert jedoch noch immer an. Das Unternehmen plant, sich in Zukunft vermehrt den erneuerbaren Energien zuzuwenden, auch um hier wettbewerbsfähig zu bleiben. Zudem sind die finanzielle Konsolidierung und nachhaltiges Wirtschaften wichtige Themen für das Unternehmen.

    Schon Räumungsaktion belastete Aktie

    Schon die Räumungsaktion im Hambacher Forst belastete das Image des Unternehmens und die Aktie. Bis zu diesem Zweitpunkt war die RWE-Aktie in diesem Jahr einer der Outperformer im DAX. Durch die Räumungsaktion verlor die Aktie zunächst vier Prozent.

    Analysten und das Unternehmen selbst verwiesen jedoch darauf, dass die Geschehnisse im Hambacher Forst keinen direkten Einfluss auf die Aktie hätten. Unter anderem wurden die Kursrückgänge mit der Umschichtung von defensiven Versorgewerten in riskantere Aktien sowie mit der Gewinnwarnung eines britischen Versorgers begründet. RWE-Chef Rolf Martin Schmitz sagte schon damals in einem Fernsehinterview, dass ein Verzicht auf die Rodung dem Unternehmen Kosten in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro verursachen könnte. Das Unternehmen hielt auch aus diesem Grund an der geplanten Rodung fest.

    Aktie seit Jahren schwächer als der DAX

    Für die RWE-Aktie geht es seit ihrem Tief im September 2015 turbulent zu. Immer wieder wurden sogar noch tiefere Kurse als damals befürchtet. Dennoch besteht seit Herbst 2015 durchaus ein Aufwärtstrend, die Aktie befindet sich jedoch weiter in einer Kurskorrektur und konnte auch vor den Diskussionen um den Hambacher Forst nicht die endgültige Wende nach oben schaffen.

    In den letzten Jahren entwickelt sich die Aktie im Vergleich zum gesamten DAX stets negativ. Das Unternehmen selbst sieht den Grund hierfür in negativen Ertragsperspektiven bei der konventionellen Stromerzeugung. Kritiker werfen dem Unternehmen jedoch immer wieder vor, dass man zu lange an Atomkraft und Kohle festgehalten und den Sprung hin zu erneuerbaren Energien zu spät gewagt habe.

    Zweitgrößter Energieversorger nach Umsatz

    RWE ist in Bezug auf den Umsatz der zweitgrößte deutsche Energieversorger. Über Jahrzehnte hinweg konnte das Unternehmen von einem sehr günstigen Wettbewerbsumfeld profitieren. Das Unternehmen erreichte stets solide Gewinne auf hohem Niveau. Die Energiewende stellte das Unternehmen jedoch vor große Aufgaben. Konventionelle Kraftwerke sind für RWE immer weniger rentabel. Auch auf diesem Grund will man neue Geschäftsfelder im Bereich der erneuerbaren Energien erschließen.

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    Fazit: RWE-Aktie mit großen Verlusten

    RWE ist seit Wochen in den Schlagzeilen. Der Grund dafür sind die Entwicklungen rund um den Hambacher Forst zwischen Köln und Aachen. Schon die Räumungsaktion vor einigen Wochen kratzte nicht nur am Image des Unternehmens, sondern belastete auch die Aktie. Nun führte jedoch eine Gerichtsentscheidung aus Münster dazu, dass die Aktie innerhalb einiger Handelstage auf ein Sieben-Monats-Tief fiel.

    Das Oberverwaltungsgericht in Münster verhängte in einem Eilverfahren einen Rodungsstop. Die endgültige Entscheidung muss jedoch das Verwaltungsgericht in Münster treffen, da die komplexen rechtlichen Fragen nicht in einem Eilverfahren beantwortet werden können. Bis dieses Verfahren abgeschlossen ist, kann es jedoch Monate oder sogar Jahre dauern.

    RWE geht davon aus, dass das Gerichtsurteil ab dem kommenden Jahr das operative Ergebnis des Unternehmens um einen Betrag im dreistelligen Millionenbereich belasten könnte. Schon im Zusammenhang der Räumung des Waldes sprach der RWE-Chef davon, dass ein Verzicht auf die Rodung das Unternehmen vier bis fünf Milliarden Euro kosten könnte.

    Schon seit Mitte September befindet sich die Aktie von RWE in einem Abwärtstrend. Zuvor gehörte das Wertpapier mit einem Zuwachs von 25 Prozent zu den Outperformern in diesem Jahr. Die RWE-Aktie kämpft bereits seit Jahren. Seit 2015 gab es jedoch einen leichten Aufwärtstrend. Zuvor verlor die Aktie zwischen 2008 und 2005 von über 100 Euro auf nur noch 9,20 Euro.

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